19 kleine Himmelsstürmer

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Do, 04. August 2011

Herrischried

Beim Ferienkurs Raketenbauen von Mutabor wachsen Plastikflaschen Flügel.

HERRISCHRIED. Polizist wollen sie werden oder Kfz-Mechaniker, viele wissen es auch noch nicht, welche Arbeit sie mal ergreifen sollen. Aber Astronaut? Den Berufswunsch, oft ein Klassiker, wenn Kinder sich ihre Zukunft ausmalen, hört man in der Rathaushalle in Herrischried nicht. Raketenfliegen wollen sie aber trotzdem. Deswegen haben sich 19 junge Hotzenwälder für den Ferienkurs Raketenbauen angemeldet.

"Am besten wird es natürlich, sie fliegen zu lassen", sagt Julian Schmidt aus Herrischried. Der Neunjährige sitzt mit zwei Klassenkameraden an einer der kleinen Biergarnituren und ist kräftig am Basteln. Was am Anfang des Raketen-Workshops vor ihm und seinen Freunden liegt, sieht noch wenig nach Flugkörper aus. Eine 1,5 Liter PET-Flasche und durchsichtige Folie. Die Folie muss in Form geschnitten werden, daraus werden die Leitwerke und die Spitze der Rakete. Später wird die Flasche zu einem Drittel mit Wasser gefüllt, und mit einem Korken verschlossen. In den Korken wird ein Fahrradventil eingebaut. Zum Abschuss kommt die Flaschenrakete mit dem Ventil nach unten auf einen Schraubstock, an das Ventil wird eine Fahrradpumpe angedockt, kräftig gepumpt, bis der Druck zu groß ist – und die Rakete in den Himmel steigt.

Bis zum Raketenstart in Herrischried wird überall in der Halle tüchtig gewerkelt. Die Hände werden schmutzig beim Anmalen, die Tische sind voll mit Plastikschnippseln und der Heißkleber zieht lange Fäden zwischen Fingern, Rakete und Nebenmann – die Sieben- bis Elfjährigen haben eine Gaudi.

Jonathan Döbele (7) ist schon fast fertig. Er hat die wichtigsten Teile ausgeschnitten, geht jetzt’s zu Bernhard Bauer-Ewert. Der Vorsitzende des Vereins Mutabor klebt die Folienteile mit einer Heißklebepistole an die Flaschen. Jetzt erinnert das Ganze schon mehr an eine Rakete. "Sieht doch ganz gut aus", sagt Jonathan und zeigt seinem Freund Luka Kaiser (6) stolz sein Werk. Bauer-Ewert ist im Dauereinsatz, er klebt, erklärt – und baut bei 19 verschiedenen Raketen mit. Der Kurs ist beliebt, fast immer, wenn er im Kinderferienprogramm angeboten wird, ist er auch ausgebucht. "Die Dinger machen ja auch Spaß", sagt Bauer-Ewert. "Die können so um die 50 Meter hoch fliegen." 50 Meter – er erntet "Boahs" und "Wows" der umstehenden Kinder.

Julian und seine Freunde basteln und lachen, kleben und blödeln. Keine Schule, jede Menge Freizeit, das passt. "Aber doof ist, dass wir zurzeit kein Fußballtraining haben", sagt Julian. Auch der FC Herrischried macht eben mal Pause. Der Tag beim Raketenbauen ist da eine willkommene Abwechslung.

Und ganz ohne Fußball muss Julian auch beim Raketenbauen nicht auskommen. Er überlegt sich nämlich schon ein Design für sein Luftfahrzeug. "Ich werde es blau-weiß anmalen", sagt er. So wie die Vereinsfarben von Schalke 04, seiner Lieblingsmannschaft.

Ein zweiter Raketenbaukurs findet am 30. August statt. Anmeldung bei Bernhard Bauer-Ewert unter 07765/917808 .