Geläut übertönt Getöse der Welt

Karin Stöckl-Steinebrunner

Von Karin Stöckl-Steinebrunner

Mo, 10. September 2018

Herrischried

Dekan Berg weiht die neuen Glocken von St. Zeno in Herrischried.

HERRISCHRIED. Als einen historischen Tag bezeichnete der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Matthias Faißt die Glockenweihe von St. Zeno in Herrischried. Eine große Festgemeinde beging den Anlass am Sonntag feierlich.

Am Freitag waren die drei neuen Glocken geliefert worden, am Sonntag um 8 Uhr hatte das Morgenläuten aller Kirchen und Kapellen das Ereignis angekündigt, und eineinhalb Stunden später begann der Gottesdienst mit dem Einzug von Dekan Peter Berg, begleitet von der Trachtengruppe Alt-Hotzenwald, einem besonders langen Orgelvorspiel sowie einigen kräftigen Böllerschüssen, vorbei an den drei hinten in der Kirche aufgehängten neuen Glocken. Er endete mit dem erneuten Anschlagen der Glocken beim Auszug aus der Kirche, dem ein Empfang im Freien folgte, musikalisch umrahmt von der Trachtenkapelle Herrischried.

Die Kirchenchöre von Herrischried, Strittmatt und Oberwihl sangen gemeinsam eine von Mitgliedern der Trachtenkapelle Hogschür begleitete Messe von Jacob de Haan. Als Lesung diente diesmal kein geistlicher Text, sondern Auszüge aus Schillers "Lied von der Glocke". Etwas zweideutig begann Dekan Berg seine Predigt mit dem Hinweis auf den neuen Klang auf dem Wald. Er würdigte das Glockengeläut als Kennzeichen der Kulturlandschaft, als Laut, der das Getöse der geschäftigen Welt übertöne, als Sphäre des Geordneten auch. Der Glockenschlag verleihe der Zeit und damit auch jeder Sekunde des Lebens ihren eigenen Wert, ihr Klang sage aber auch: "Gott ist da, wir sind nicht allein auf unserem Weg."

Pfarrer Bernhard Stahlberger bat die Künstler Rose Vollmer und Christof Feuerstein, die die Zier für die drei neuen Glocken gestaltet haben, und alle Kinder, nach hinten zu den Glocken, die der Dekan zunächst segnete. Sie wurden von ihm mit Weihwasser begrüßt, mit Weihrauch eingehüllt und mit Chrisam bezeichnet, einem Salböl, das eigens für Altäre und für Glocken verwendet wird.

Die Kinderglocke, für die Rose Vollmer die Worte aus Lukas 18, Vers 16 "Lasst die Kinder zu mir kommen!" kalligraphisch gestaltet hat, wurde von Ministranten und Mitgliedern des Seelsorgeteams angeschlagen. Sie hat den Ton des 1 und wiegt 600 Kilo. Ebenfalls von ihnen angeschlagen wurde die Josefsglocke mit dem Ton f 1, die das von Vollmer entworfene Bild der Heiligen Familie trägt und eine Tonne wiegt. Die Zenoglocke mit dem Ton as 1 hat 2,2 Tonnen. Sie wurde von Feuerstein mit einem Bild sowie der Inschrift "Zeno heiß’ ich, Gottes Ehre preis’ ich, euer Heil will ich, drum sooft ihr hört mich, geht doch zur Hl. Mess’, damit ihr Gott nicht vergesst" geschmückt. Sie wurde von Bürgermeister Christof Berger, Mesner Helmut Eckert, Matthias Faißt sowie der neuen Gemeindereferentin Beate Tasse angeschlagen.

Berger sagte, Glockenklang gehöre zum Kulturerbe Europas, auch wenn die weltliche Bedeutung des Glockenschlags gegenüber früher, als er die Uhrzeit kundtat, das neue Jahr einläutete, aber auch bei Bränden zum Löschen rief, stark nachgelassen habe. Er jedenfalls freue sich über den neuen Glockenschlag.

Neben Dankesworten an die Glockenbaufirma und das Erzbischöfliche Bauamt, an die Helfer beim Aufstellen der Glocken und rund um die Glockenweihe hießen Stahlberger und Berg Beate Tasse noch mal im Seelsorgeteam von St. Wendelinus Hotzenwald willkommen. Der Dekan verlas die Einsetzungsurkunde, die Erzbischof Stefan Burger an Stahlberger als offiziellen Pfarrer der Seelsorgeeinheit gerichtet hatte, mit dem augenzwinkernd angefügten Rat, katholisch zu bleiben. Stahlberger beantwortete dies mit dem Hinweis, er bleibe schon katholisch, auch wenn er etwas andere Wege gehe als die gewohnten. Er sage nur eins: "Ich bin gern uff’m Wald." Das quittierte Matthias Faißt verschmitzt mit dem Kommentar, diese Investitur sei eine Investition, die sich gelohnt habe.