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03. April 2012

Zusammenspiel mit Genuss

Peter Schell und Christine Schmidt unterhielten ihr Publikum in der Rotmooshalle aufs Beste.

  1. Einen locker und frisch gestalteten Abend voller Überraschungen boten Christine Schmid und Peter Schell bei "Kultur uff'm Wald" Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

HERRISCHRIED. Einen Abend voller Überraschungen einschließlich Publikumsbeteiligung versprach Roland Baumgartner von der Hotzenwald Tourismus GmbH den Zuhörern. Sie waren gekommen, um den gemeinsamen Auftritt von Schauspieler Peter Schell und Akkordeonistin und Chansonnette Christine Schmid im Rahmen der Reihe "Kultur uff’m Wald" in der Rotmooshalle zu erleben.

Locker vom Hocker plauderte der Darsteller des Karl aus der Serie "Die Fallers" über sich und sein Metier, wobei er immer wieder die geradezu fulminante Rezitation von Balladen und humoristischen Gedichten einstreute, während Christine Schmid die passenden Chansons lieferte. Nach einer recht kurzen Eingewöhnungsphase und mehreren gezielten Aufforderungen sprudelten die Fragen aus dem Publikum, und so erfuhren die Anwesenden auch einiges Neue über den beliebten Seriendarsteller. Etwa, dass er gerade im Begriff ist, in Freiburg beim Halbmarathon teilzunehmen. Dass es teilweise seiner ganzen schauspielerischen Fähigkeiten bedürfe, bei Küchenszenen als – mittlerweile pappsatter – Vegetarier zum fünften oder sechsten Mal das gut gekochte badische Schäufele zu loben. Oder dass er schon als kleiner Junge gebannt Graf Yoster im Fernsehen gesehen habe und es als große Ehre ansehe, mit dem mittlerweile fast 100-jährigen, noch topfitten Grandseigneur der Branche, Lukas Ammann, gedreht zu haben. Dabei verfiel der Wahlberliner bei Fragen, die im schweizerdeutschen Tonfall gestellt wurden, ebenfalls immer wieder gerne in das Idiom seiner Kindheit.

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Mit Genuss zitierte Schell die ersten niederschmetternden Reaktionen der Presse auf den Serienbeginn der Fallers, die inzwischen in 700 Folgen ausgestrahlt wurde, und fügte seinen eigenen, ebenso humorvoll wie sprachlich gekonnt formulierten Anekdoten teilweise recht ironische Lebensweisheiten in Reimform von Bertold Brecht und Heinrich Heine an.

Christine Schmid trug ebenso heiter Songs vor wie "Das Leben ist ein Zirkus", Edith Piafs unvergessene Hits wie "Milord" oder "Je ne regrette rien", "Lili Marleen", oder Eigenproduktionen wie "Jeder Mann hat irgend etwas, das gefällt" vor. Sie nehmen das Dasein, das Schicksal und auch die kleinen Eigenheiten und Fehler auf die Schippe. Dass sie auch musikalisch die Persiflage für sich entdeckt hat, verleiht ihrem Akkordeonspiel einen ganz besonderen Reiz und eine federnde Leichtigkeit.

Gemeinsam improvisierten die beiden zudem mit Stimme und Klang. Peter Schell hatte sein "australisches Alphorn" – ein aus einem Abflussrohr hergestellten Reise-Didgeridoo – mitgebracht. Und gleich zu Beginn reicherte er Christine Schmids herrlich schräg und rhythmisch genial verquer gespieltes "Oh du lieber Augustin" mit lautmalerischem Falsett und textlosem Sprechgemurmel an.

Autor: Karin Steinebrunner