Heudiät auf der Sommerweide

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 18. August 2018

Steinen

VORORTTERMIN bei Lama- und Schafhalter Uwe Braun in Weitenau, der von seinen Erfahrungen mit dem Hitzesommer erzählt.

STEINEN. Verdorrte, gelbliche Grasbüschel soweit das Auge reicht. Auf der hügeligen Weide mitten in Weitenau stehen eine Reihe von mit Wasser gefüllten Plastikschüsseln. Weiter oben trotzen im Schatten der Bäume zahlreiche Schafe und Lamas der sommerlichen Hitze. Wir sind an diesem noch ziemlich heißen Freitagnachmittag zu Gast bei Uwe Braun, der mit seiner durchaus exotischen Tiertruppe die beliebten Schaf- und Lamawanderungen anbietet. Und wir wollten wissen, wie seine Tiere mit Hitze und Trockenheit klarkommen.

"Aisha hatte es am schwersten", sagt Braun und zeigt auf die 17 Jahre alte braune Lama-Dame, die sich gerade ein Bündel Heu aus dem rechter Hand auf gestellten Heu-Container zieht und daran genüsslich zu mümmeln beginnt. Aisha ist die Oma unter den aktuell sechs Lamas, die Braun und seine Lebensgefährtin Nathalie Hinnenberger ihr Eigen nennen. Und wie so mancher menschliche Senior machte sie bei Temperaturen von an die 40 Grad in den letzten Wochen als eine der ersten schlapp und mochte sich kaum noch bewegen. Besser dagegen seien die dunkelbraunen Quessantschafe mit den Temperaturen klargekommen, hat Uwe Braun beobachtet. "Das mag daran liegen, dass sie einen viel kleineren Organismus haben", vermutet Braun über die Hitzebeständigkeit der dunkelbraunen Mini-Schöfli. Das Bretonische Zwergschaf gilt als kleinste Schafrasse Europa. Brauns Problem am Ende dieses Ausnahmesommers ist indes weniger die Hitze, unter der seine Tiere genau wie andere Nutztiere leiden, sondern die damit verbundene Dürre. "Die Tiere haben kaum noch etwas zu fressen", erzählt Uwe Braun. Wo die Herde unter normalen Umständen auf den drei gepachteten Sommerweiden ausreichend frisches Gras findet, finden sich nur noch ein paar verdorrte Halme. Das ist selbst für an karge Futterbedingungen durchaus angepasste preußische Landschafe schon eine Herausforderung.

Und so muss Braun mitten im Sommer Heu für teures Geld einkaufen und seine Herde damit zufüttern. Das aber ist auch andernorts bereits knapp geworden – die zweite Mahd hat mancherorts kaum stattgefunden – weshalb die Preise bereits anziehen. Für den Winter – die eigentliche Heufütterzeit im Weitenauer Lama- und Schafstall – verheißt das nichts Gutes, weiß Uwe Braun, der Herr ist über 36 Schafe, sechs Lamas, zwei Esel und 36 Hühner. Seit sich die Tiere von der ungewohnten Heudiät ernähren müssen, haben sie – in Kombination mit den hohen Temperaturen – auch deutlich mehr Durst. Zweimal am Tag muss Uwe Braun inzwischen die Plastikbehälter füllen, aus denen Lamas, Schafe und Esel das köstliche Nass schlabbern. "Normal war es, die Gefäße zweimal pro Woche zu füllen", erklärt Braun.

Die zusätzliche Arbeit dieses Sommers hat Uwe Braun indes keineswegs die Freude an seinem kleinen Tierpark verdorben. "Wenn ich mich abends auf meinen Klappstuhl setze und den Schöflis und Lamas zuschaue, dann weiß ich, wofür ich das mache", sagt er mit weicher Stimme. Er ist froh, dass seine "Viechle" insgesamt doch unbeschadet durch den Sommer gekommen sind und bislang trotz der extremen Wetterlage kein Lama, Schaf oder Esel in den Tierhimmel gehen musste, wie das in der Vergangenheit aus unterschiedlichsten Gründen schon der Fall war. Seit 2010 lebt er mit seiner Partnerin Nathalie, den Lamas und vielen weiteren Tieren seinen Lebenstraum auf einem kleinen Hof im Weiler Fahrnbuck. Von den Schaf- und Lamawanderungen können beide nach wie vor nicht leben. Braun – von Haus aus ist er Computerfachmann – arbeitet deshalb zusätzlich als Pflegekraft im Steinener Mühlehof. Am Ende unseres Besuchs türmten sich die ersten dunklen Regenwolken über der Weitenauer Weide. Ein Zeichen, das Uwe Braun durchaus ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Weitere Infos: Wer mehr über die Weitenauer Lamas und Schafe wissen möchte: Unter http://www.schafwanderungen.de gibt es zahlreiche Hintergrundinfos über die Tiere wie auch zu den angebotenen Wanderungen.