Alte Schätze wechseln den Besitzer

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 06. Juni 2016

Heuweiler

Beim ersten Dorfflohmarkt wird ganz Heuweiler zum Trödelmarkt / Bürgerrunde will Dorfleben attraktiv gestalten.

HEUWEILER. Antiquitäten, Bücher, Spielzeug, edles Geschirr und viele Kleider: Beim ersten Dorfflohmarkt in Heuweiler konnte man alles finden. Nur das Wetter nervte, denn der Samstag war total verregnet, daher war auch der Zuschauerzuspruch relativ gering. Im ganzen Dorf verteilt hatten am Samstag die Bürger ihre Stände aufgebaut. Flohmarkt-Profis waren schon vor dem offiziellen Beginn unterwegs.

"Schon morgens um 8 Uhr kamen Käufer aus Frankreich vorbei und haben gezielt nach Militärorden oder Postkarten gefragt", erzählte Reinhard Schwill. Zu finden und zu kaufen gab es allerdings bei ihm noch vieles mehr: Alte Radios und Uhren, Elektrogitarre und Schallplatten. "Ich habe tagelang meinen Keller aufgeräumt." Insgesamt nahmen rund 40 Haushalte an dem Dorfflohmarkt teil, den die Kultur-AG der Bürgerrunde Heuweiler erstmals organisiert hatte. Überall im Ort hatten Bewohner in ihren Carports und Garagen Flohmarktstände aufgebaut, sodass die Besucher bei ihrer Wanderung oder Fahrt durch das Dorf reichlich Beute machen konnten. Erkennungszeichen teilnehmender Haushalte waren Luftballons am Gartenzaun, Sonnenschirme und große Holzschilder. Ein Plan mit den eingezeichneten Plätzen gab es überall gratis für die Besucher.

"Das ist auch mein erster Flohmarkt, beim dem ich mit dem Auto von Stand zu Stand fahre", sagte ein Besucher aus Gundelfingen, der so dem Regen entging. Andere schlenderten mit Regenschirm durch das Dorf, um die Stände aufzusuchen. "Das ist doch ein schöner Ausflug trotz Regen und außerdem lernt man so das hübsche Dorf kennen", sagten zwei Frauen aus Gundelfingen.

"Wir haben alles rausgesucht, wovon wir uns trennen können", sagte die Familie Elighofer. Unter den meterhoch gestapelten Kostbarkeiten gab es viel Spielzeug und Bücher. "Da kommt schon einiges zusammen, wenn man mal anfängt auszumisten." Auch in der gegenüberliegenden Garage waren Bierbänke und –tische aufgebaut, bestückt mit netten, selbstgebastelten Urlaubsandenken von Korsika, Dekoartikeln, Wolle aus dem Strickkorb der Mutter und eine ganze Kiste Schwarz-Weiß Fotos. "Keine Ahnung, wer das ist – aber manchmal kommen Leute, die genau so etwas suchen."

Schottenmützen und Al-Capone-Anzüge

Etwas weiter deutete ein Holzschild auf eine versteckte Garage in einem verwunschenen Garten. "Ich verkaufe meinen geliebten Al-Capone-Anzug", gestand dort Frank Hollstein. Doch damit nicht genug: Der Mützen- und Hutfan bot auch seine Schottenmütze, gekauft in den 1980er-Jahren in Edinburgh und sein Zylinder, den er in Prag erstanden hatte, an. Eine Straße weiter gab es auch keine modernen Elektrogeräte oder Ähnliches, dafür aber allerhand Dinge, die es auf normalen Flohmärkten nicht gibt: Kasperletheater, Kinderfahrräder, Teleskop und Sportgeräte. "Ich gehe sonst auf Flohmärkte – aber die großen, sperrigen Gegenstände lasse ich dann zu Hause", sagte der Hausbesitzer.

Weil an vielen Gegenständen eine persönliche Geschichte hängt, werden sie für Katja Fimmen, etwas ganz besonders. Eines ihrer Lieblingsstücke entdeckte sie in Hinterheuweiler: Eine Pelzmütze und eine schwarze Handtasche aus den 1950er Jahren. Noch mehr freut sich die Organisatorin bei ihrem Rundgang über die guten Rückmeldungen der Mitmachenden und der Gäste. "Wir von der Bürgerrunde wollten mit dem Dorfflohmarkt das Dorfleben attraktiver machen – und das hat trotz des Wetters gut geklappt." Für die Stärkung gab es fast bei allen Ständen Kuchen und Kaffee, die Spenden dafür waren für die Bürgerrunde bestimmt. Eine kleine Attraktion gab es bei Gehrihof: Dort konnten die Dorfflohmarktbesucher auch noch an einer Weinprobe teilnehmen.