Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Dezember 2011

Ein kleiner Gast aus Holz für eine Adventsnacht

In Heuweiler wird ein alter alpenländischer Brauch aufgenommen, wonach eine Marienstatue von Haus zu Haus getragen wird.

  1. Maria findet eine Nacht Herberge bei Familie Wiehle. Foto: Gabriele Fässler

HEUWEILER. "Friede sei mit diesem Haus und all seinen Bewohnern." Mit diesen Worten überreicht Regina Schwörer die kleine Madonnenstatue aus Holz an den fünfjährigen Tim. Mit Unterstützung seiner Mama antwortet der: "Sei gegrüßt, du Mutter unseres Herrn! Kehr bei uns ein und bring uns Gottes Segen!" Einen Tag wird die Muttergottes auf ihrer "Wanderung" durch die Adventszeit und Heuweiler bei der Familie Wiehle verweilen.

Nach der Übergabe feiern die Wiehles im Familienkreis die Ankunft von Maria. Sie zünden die Kerze am Adventskranz an, stellen die Marienstatue sowie eine weitere Kerze dazu, die Marie durch den Advent geleitet und vom Kindergarten Sonnenhügel gestaltet ist. Tim und sein kleiner Bruder Ben beobachten neugierig das Geschehen. Dann singen und beten sie. "Wir wollen Maria eine gute Zeit bei uns wünschen", sagt Rebekka Wiehle und erzählt schmunzelnd: "Tim wollte, dass Maria in seinem Bett schläft."

Zum ersten Mal in diesem Jahr wird in Heuweiler der Adventsbrauch des "Frauentragens" gepflegt. Hochschwanger reiste dereinst Maria mit ihrem Ehemann Josef nach Bethlehem. Auf Befehl des römischen Kaisers Augustus sollte sich jeder in seiner Geburtsstadt registrieren lassen. Verzweifelt und vergeblich versuchte dort das heilige Paar, eine Herberge zu finden.

Werbung


Anders als in der biblischen Weihnachtsgeschichte wird beim "Frauentragen" Maria Herberge gewährt. Regina Schwörer, in Heuweiler zu Hause, hatte diesen Brauch letztes Jahr aufgrund familiärer Verbindungen nach Langenberg in Nordrhein-Westfalen dort kennengelernt. Ihr Vorschlag, ihn auch im heimatlichen Dorf zu praktizieren, griff der Pfarrgemeinderat von St. Remigius ohne zu zögern auf. So wurde eine kleine Holzstatue, die schwangere Maria darstellend und von der Langenberger Bildhauerin Susanne Vering geschnitzt, angeschafft und am ersten Adventsonntag geweiht. Seither und noch bis zum vierten Advent wird die kleine Madonnenfigur von einer zur nächsten Familie in Heuweiler getragen, wo sie jeweils für eine Nacht Herberge findet.
Das Onlinelexikon "Wikipedia" nennt für das "Frauentragen" als weitere Bezeichnungen "Wandermuttergottes" sowie "Wandermadonna". Dieser katholische Brauch der Marienverehrung führe auf verschiedene Begebenheiten im Leben Marias zurück, so auf den Besuch bei Elisabeth, die Herbergssuche oder die Flucht nach Ägypten.

Geographisch wird dieser Brauch vor allem im Alpenraum verortet. Mittlerweile wird er seit einigen Jahren außerdem auch in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands (wieder) neu aufgegriffen. Diese Tatsache stützen eine stattliche Trefferquote bei Internetrecherchen sowie Aussagen, wonach dieser alte christliche Brauch wieder neu belebt werde.

Beim Patrozinium des heiligen Remigius im Oktober hatte Regina Schwörer der Pfarrgemeinde diesen Brauch vorgestellt. Am ersten Adventssonntag konnten sich Interessierte in eine Liste eintragen, auf der sich laut Schwörer erfreulicherweise viele junge Familien finden. Zur Anregung für die frei zu gestaltende Besinnung in der Hausgemeinschaft erhielten die teilnehmenden Familien Texte, Lieder und Gebete.

Autor: gaf