Viele Räte offen für Alternative

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 09. August 2018

Heuweiler

Umfrage bei Gemeinderäten aus Heuweiler zum Standort für eine Flüchtlingsunterkunft / Nach den Ferien wird entschieden.

HEUWEILER. Der Gemeinderat in Heuweiler hat im März entschieden, eine Flüchtlingsunterkunft am Kirchberg zu bauen. In der Bürgerversammlung im Juli stimmten rund 100 Bürger gegen diesen – auch von der Verwaltung vorgeschlagenen – Standort. Sie bevorzugen ein alternatives Grundstück am südlichen Ortseingang. Nach den Ferien soll der Rat nun über den Standort entscheiden. Die BZ hat bei einigen Räten nachgefragt, wie sie abstimmen werden.

"Mit dem neuen Standort kann ich leben", sagte Michael Strecker von der Freien Wählergemeinschaft auf Anfrage der BZ. Als Gemeinderat versuche er immer, die Bürger mitzunehmen. "Die Menschen in Heuweiler sollten mit den Entscheidungen des Gemeinderats einverstanden sein." Dass der Widerstand gegen die Bebauung auf dem Kirchberg so immens sei, hätte er nie für möglich gehalten, sagt Strecker. Den Gegnern gab er jedoch zu bedenken, dass das Grundstück auf dem Kirchberg günstig für den Haushalt wäre, denn es gehöre der Gemeinde schon. Das nun angebotene Grundstück am Ortseingang-Süd muss erst noch gekauft werden.

Für Claudius Stahl (Neue Liste) war das Grundstück zwischen Kindergarten und Friedhof sowieso nur eine Notlösung, wie er sagte. "Ich persönlich habe nur zugestimmt, weil keine Alternative erkennbar war und wir als politisch Verantwortliche der Gemeinde nicht die Hände in den Schoß legen könnten." Erst als die Unterschriftenaktion gegen die Bebauung ins Rollen gekommen sei, sei auch über andere Standorte diskutiert worden, und das Landratsamt habe der Bebauung auf einem der neu angebotenen Grundstücke zugestimmt. Gespräche mit dem Eigentümer wurden geführt. Es sehe so aus, als ob Gemeinde und Eigentümer preislich zusammenkommen. "Ich glaube, auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist der alternative Standort besser", sagte Stahl.

"Ich hatte in der Gemeinderatsitzung im März mit Nein gestimmt, weil ich davon überzeugt bin, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Heuweiler gegen diesen Standort ist und dass außerdem auch diese Lösung der Gemeinde Heuweiler finanziell sehr zu schaffen machen wird", sagte Otmar Maas (Neue Liste). Daher favorisiert er nicht nur das Alternativ- Grundstück, sondern auch ausdrücklich den Weg, dass leerstehender Wohnraum in Heuweiler soweit wie möglich an die Gemeinde vermietet und für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wird. "So ein Vermieter würde die Gemeinde in außerordentlicher Weise unterstützen und hätte persönlich jede nur mögliche Anerkennung verdient – jeder diesbezügliche Kontakt und jede entsprechende Vereinbarung wäre ein Segen für uns als Gemeinde und würde uns entlasten."

Maas verwies darauf, dass der Neubau einer Flüchtlingsunterbringung für Heuweiler mit einer großen finanziellen Belastung und mit vielen unwägbaren Risiken verbunden sei. Außerdem wäre es seiner Meinung nach viel rascher möglich, den Flüchtlingshelferkreis in Gundelfingen zu unterstützen und die Helfer zu entlasten. Ein Neubau würde sich einige Zeit hinziehen. Einen kleinen Kreis engagierter Bürger, die sich der Flüchtlinge annehmen, hat er schon gegründet.

Für die Frauenliste ist die Frage, welches Grundstück geeigneter sei, nicht einfach zu beantworten. Natürlich sei das Grundstück am Ortseingang verkehrstechnisch günstiger, sagte Sonja Weis. "Aber der Standort Kirchberg, neben Schule, Kirche und Kindergarten, sehen wir auch nicht als Nachteil an; wir denken, dass der Fußmarsch auf den Berg für die künftigen Bewohner zumutbar wäre", betonte Weis. Die Problematik des Grundstückserwerbs am Ortseingang ist ihrer Ansicht nach in der Bürgerversammlung zu kurz gekommen. "Es klang so einfach – aber welche Auswirkungen das auf die umliegenden Grundstücke hat und welche anderen Interessen abgeleitet werden, muss noch geklärt und transparent gemacht werden", forderte die Gemeinderätin.