"Wir sin do, wo mer hiwelle"

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Di, 24. Oktober 2017

Heuweiler

WIE WAR’S BEI... dem Auftritt von Goschehobel in Heuweiler? Das Duo tritt hier als Trio auf und stellt seine neue CD vor.

HEUWEILER. Ihre Lieder erzählen von den ernsten, aber auch von humorvollen Seiten des Lebens – und sie besitzen ein unglaubliches, musikalisches Talent: die Musiker Eberhard Jäckle, Urban Huber-Wölfle und Oliver Fabro alias "Das Goschehobel-Trio". Am Samstag traten sie in Heuweiler auf Einladung der Bürgerrunde auf und begeisterten zahlreiche Zuhörer.

Goschehobel
Das Duo Goschehobel feiert im kommenden Jahr Jubiläum – es steht seit 35 Jahren auf der Bühne. Grund genug, eine Jubiläums-CD aufzunehmen. Diese mittlerweile achte CD mit dem Titel "Kunderbunt" stellte Goschehobel in Heuweiler vor. Das Duo aus dem Kinzigtal besteht aus Eberhard Jäckle und Urban Huber-Wölfle. In Heuweiler treten sie mit dem aus Bad Säckingen stammenden Oliver Fabro, einem grandiosen Gitarristen und Produzenten, auf.
Die Musik
In typischer Liedermacher-Art singen die Männer von Goschehobel ihre eigenen Songs – in alemannischer Mundart. Gleich mit ihrem ersten Lied positionieren sie sich: "Wir sin do, wo mer hiwelle – nach Heuweiler" ("Zwischezit" – ein älteres Stück). Dann kommen die neuen Lieder: "Jetz und hit" und "Kunderbunt". Die Kompositionen erzählen vom perfekten Zeitpunkt, von der Heimat und vom Wind, ein Liebeslied. Die Musiker machen Mut mit ihren Songs und fordern: "Wenn de schwätze konnsch, no konsch au singe! ‘s isch so eifach, des konn jedes Kind, kumm probier’s mit mir mol g’schwind".

Auch aktuelle Themen, von Zerstörung, Unterdrückung, Krieg und Terror bringen die Musiker auf die Bühne und raten dann: "Un trotzdem welle mer lache un singe, denn des hilft uns in unserer Not." ("Trotzdem"). Sie singen vom anderen Ufer, von dem niemand zurückkommt, von dem Moment, den man in eine Melodie packen will, und vom Schatten, "in dem ma so gern liege dät".

"Für immer jung" (nach "Forever young" von Bob Dylan) intonieren die Drei als Zugabe. Zum Schluss gibt es ein instrumentales Intermezzo, gespielt auf Hang und Gitarre. Der Applaus ist riesig.

Die Instrumente
Der Goschehobel, die Mundharmonika, kommt ständig zum Einsatz. Sie ist der Namensgeber der Band und fungiert auch mal als Handy. Urban Huber-Wölfle spielt ein Solo nach dem anderen auf dem Goschehobel und drückt so dem Konzert seinen Stempel auf. Andere Instrumente sind die Gitarre, Mandoline, ein Hang und verschiedenen "Schädderle", das sind Percussionsinstrumente.

Das Publikum
Tendenziell älteren Semesters und absolut bunt gemischt sind die Konzertbesucher. Sie haben Freude an der Musik und feiern die Musiker. Es ist ein sehr musikalisches Publikum. Manche wippen auf ihren Sitzplätzen mit. Beim Rock’n’Roll hält sie nichts mehr zurück, es wird getanzt. Handys sind zu sehen, man will den schönen Moment für spätere Zeiten aufnehmen.

Die Stimmung
Grandios: Das Publikum lässt sich immer wieder von der guten Livemusik animieren und mitreißen. Jedes Solo wird gefeiert – stürmisch wird das Gitarrensolo von Fabro beim "Laszio un Maria" bejubelt. Was die Musiker servieren, trifft immer voll ins Schwarze bei den Zuhörern. Viele singen lautstark mit. Am Ende verabschieden die Zuhörer die Folk-Rock-Band mit lang anhaltendem Beifall und erklatschen sich mehrere Zugaben. "Ihr habt’s euch verdient", sagt Jäckle. Zur guten Stimmung tragen auch die gehobelten Gemüsesnacks in der Pause bei. Super.

Fazit
Die CD "Kunderbunt" besteht aus gut gespielten und anspruchsvollen, alemannischen Texten, die von der Band kurzweilig präsentiert werden. Wer nach diesem Abend alemannisch immer noch rückständig und unmodern empfindet, hat keinen Schimmer davon.