Trainerdebatte

Heynckes schwärmt von Streich – und rührt ihn zu Tränen

sid, dpa

Von sid & dpa

Mo, 05. März 2018 um 12:43 Uhr

SC Freiburg

Nach dem Spiel gegen den SC Freiburg schwärmte Bayern-Coach Heynckes nicht nur von Freiburg, sondern auch von Streich. Die Worte rührten den SC-Coach zu Tränen.

"Es ist sicher die letzte Begegnung von uns beiden in der Liga. [...] Ich kann ihm nur ein Riesenkompliment aussprechen", sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes nach dem 4:0-Sieg über den SC Freiburg – und reihte im Anschluss ein Lob für Streich an das nächste. Die tägliche Arbeit als Coach werde er nach seinem Abschied von München bestimmt nicht vermissen, ganz sicher aber wohl seinen Freiburger Kollegen. "Weil ich Christian Streich nicht nur sehr schätze, sondern weil ich weiß, dass er hier überragende Arbeit macht." Dem sichtlich zu Tränen gerührten Streich blieb nur ein "ganz herzlicher Dank für die Worte".
Youtube: Jupp Heynckes rührt Freiburg-Trainer Christian Streich zu Tränen

Angesprochen auf die Gerüchte, die FCB-Bosse hätten Streich als sein Nachfolger auf dem Zettel, reagierte Heynckes gelassen. Wäre er in der Position von Streich, er würde den SC Freiburg jedenfalls nicht freiwillig verlassen, sagte er in der Pressekonferenz am Sonntag. Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber vor allem das Umfeld im Breisgau scheint es dem 72 Jahre alten Coach des FC Bayern München angetan zu haben. "Ich bin vor dem Spiel durch Freiburg spaziert. Das ist so eine schnuckelige Stadt, es ist wunderschön hier. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so etwas ohne Weiteres verlässt." Und das will sein Freiburger Trainerkollege offenbar auch gar nicht.

Die Gerüchte um ein angebliches Interesse der Bayern gehen dem 52-jährigen Streich auf die Nerven. Schon vor dem Anpfiff hatte er einen Medien-Bericht vom Wochenende dementiert, wonach die Münchner ihn als möglichen Heynckes-Nachfolger für dem Sommer kontaktiert hätten. Nach dem Spiel konnte Streich auch über die scherzhaften Ausführungen seines geschätzten Kollegen nicht lachen. "Es ist einfach unwahr, es stimmt einfach nicht", schimpfte Streich. "Warum behaupten irgendwelche Leute Dinge, die erfunden sind?" Damit sollte das leidige Thema für ihn erledigt sein. Aber ist es das wirklich?

Youtube: "Es ist einfach unwahr"

Tatsächlich käme eine Verpflichtung Streichs mehr als überraschend. Seit vielen Jahren leistet er zwar hervorragende Arbeit im Breisgau. Aber erst vor einigen Monaten verlängerte er den Vertrag bei seinem Herzensclub. Streich ist in der Nähe von Freiburg geboren, er ist die Identifikationsfigur des Vereins, lebt die Werte des Clubs und redet fließend badisch. Ob man ihn nicht nur deshalb auch außerhalb des SC Freiburg verstehen würde, ist schon länger eine große Frage, die sich nur bei einem Wechsel beantworten ließe. Dass Streich das überhaupt will, ist nach seinem klaren Bayern-Dementi wiederum eine andere Frage.
Zumindest einige Spieler freuen sich über die Gerüchte. "Wenn dem so ist, ist das eine Ehre für uns und für ihn", sagte Freiburgs Torjäger Nils Petersen. "Aber wir hoffen natürlich, dass er bleibt." Münchens Nationalstürmer Sandro Wagner kann sich Streich als Trainer für die kommende Spielzeit wie viele andere Dinge "sehr gut vorstellen", wie er sagte. "Es wird sich schon jemand in der Republik finden, der uns nächste Saison trainiert. Zur Not mach ich es selber", kommentierte er die anhaltende Trainer-Diskussion.

Unabhängig von Streich dürfte die Suche nach einem Nachfolger von Heynckes nun in die heiße Phase gehen. Nach Informationen der "Sport Bild" soll der neue Coach in den nächsten drei bis vier Wochen bekanntgegeben werden. Einen klaren Favoriten scheinen die Münchner Bosse immer noch nicht zu haben. Immer wieder wurden zuletzt der derzeit vereinslose Thomas Tuchel, Frankfurts Niko Kovac, Leipzigs Ralph Hasenhüttl oder Hoffenheims Julian Nagelsmann gehandelt. Nun also auch Christian Streich.

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