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09. Februar 2009 16:56 Uhr

Die Weiße Liste

Hilfestellung bei der Klinikwahl

Wer ins Krankenhaus muss, steht manchmal vor der Qual der Wahl: Welche Klinik kann am besten helfen? Die Weiße Liste erleichtert im Internet die Suche nach einem guten und geeigneten Krankenhaus.

  1. In welches Krankenhaus? Wer Zeit zum Nachdenken hat, kann sich im Internet informieren. Foto: dpa

Margarete Krause ist ratlos: Neue Hüftgelenke soll die 74-Jährige bekommen. Ihr Arzt hat ihr ein Krankenhaus in der nahen Kreisstadt empfohlen. Aber eine Bekannte hatte ihr gerade von schlechten Erfahrungen erzählt, die sie just dort gemacht habe. "So ein Eingriff macht den Leuten Angst", ist der Eindruck von Greta Schuler von der Beratungsstelle der unabhängigen Patientenberatung (UPB) in Stuttgart nach zahlreichen Informationsgesprächen. "Sie wollen für sich deshalb die bestmögliche Klinik finden."

Ein hilfreiches Instrumentarium dafür, unabhängig von Anbieterinteressen und frei von Werbung, hat die Bertelsmann-Stiftung mit großen Verbraucher- und Patientenorganisationen entwickelt. Ihr Internetportal weisse-liste.de ist nicht der erste Kliniklotse im Netz: Auch zahlreichen Krankenkassen oder regionale Netzwerke bieten Patienten Wegweiser durch den Klinikdschungel. Was diesen oft fehlt, sind bundeseinheitliche Bewertungssysteme, die der Laie auch versteht.

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Zwar müssen die Kliniken alle zwei Jahre ihre Qualitätsberichte an die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) schicken, die damit Schwachstellen in den Hospitälern aufspürt und bei den Kliniken solche anmahnt. Und seit vergangenem Jahr sind die Häuser in begrenztem Umfang sogar verpflichtet, nicht nur über Ausstattung und Behandlungsarten, sondern auch über Erfolge und Komplikationen öffentlich Auskunft zu geben. Aber bei allem Bemühen um Transparenz im Gesundheitswesen "wird manchmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", weiß Bertelsmann-Projektleiter Uwe Schwenk.

Wer etwa die Qualitätsberichte der Kliniken studiert, wird angesichts eines unverständlichen Datenwustes und abschreckender Fachbegriffe bald resigniert aufgeben. Zwar greift auch die Weiße Liste auf diese Daten zurück. Aber "wir werten die Informationen nur so weit aus, wie sie für den Patienten relevant sind", heißt die Leitlinie. Einen, der von einem Bandscheibenvorfall geplagt werde, interessiere es nicht, ob eine Klinik Hüftoperationen besonders gut könne.

Für Margarete Krause zum Beispiel ist ganz wichtig, dass ihre Angehörigen sie nach der Operation besuchen können. Auf http://www.weisse-liste.de gibt sie mit Unterstützung ihrer online-erfahrenen Tochter deshalb neben ihrem Behandlungswunsch "Hüftoperation" und der Postleitzahl ihres Ortes eine maximale Entfernung von 25 Kilometern ein: Sieben Krankenhäuser stehen mit Angaben über die jeweilige Entfernung zum Wohnort zur Auswahl.

Sie hätte ihre Suche ebenso gut über das Stichwort "Körperregionen" beginnen können: Schrittweise wäre sie zum "Verschleiß des Hüftgelenks" vorgedrungen – allein in der Kategorie Gelenke werden dort 82 Krankheitsbilder angeführt. Unter den 69 in der Kategorie wählbaren Behandlungen hätte sie "Operatives Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks" gewählt, und vielleicht wäre auch noch eine der vierzehn passenden Untersuchungen für sie interessant gewesen, wie die "diagnostische Arthroskopie". Wenn Margarete Nemen nicht weiß, was die lateinischen Fachbegriffe bedeuten, kann sie auf "alltagssprachliche Bezeichnung" umschalten.

Mit den bislang eingegebenen Daten kann sie auch den Suchassistenten starten, der sie in zwölf Schritten zum passenden Krankenhaus geleitet und ihr hilft, die Daten zur Qualität der in Frage kommenden Kliniken zu bewerten. In einem ersten Schritt werden zum Beispiel vier Fachabteilungen abgefragt, die für ihren Behandlungswunsch in Frage kommen. Da sie nicht so genau weiß, was besonders wichtig ist, markiert sie alle vier. Über alle Abteilungen verfügt keines der sieben Krankenhäuser, aber alle haben eine Fachabteilung für "Allgemeine Chirurgie", nur zwei haben zusätzlich eine für Orthopädie. Diese beiden markiert sie als ihre Favoriten, weil sie über besondere Kompetenz und Erfahrung zu verfügen scheinen.

Schritt für Schritt geht es so weiter: Als "schwerwiegende Begleiterkrankung" zum Beispiel gibt sie einen schwer einstellbaren Diabetes ein. Als Favoriten wählt sie die Kliniken, die die meisten Patienten mit Diabetes behandelt haben. Sie fragt die ärztliche Qualifikation ab, die personelle Ausstattung, therapeutische Verfahren und die nichtmedizinischen Service-Angebote.

Ein Einzelzimmer ist ihr ganz wichtig und eine Caféteria, wo sie sich mit anderen treffen kann. Manche Schritte überspringt sie, zum Beispiel zur "apparativen Ausstattung", denn damit kennt sie sich überhaupt nicht aus, auch wenn alles ganz verständlich erklärt ist. Zum Schluss kristallisieren sich zwei Favoriten heraus, denen sie bei den einzelnen Auswahlschritten die meisten Punkte gegeben hat. Margarete Krause wird sich für das kleinere kirchliche Krankenhaus statt der Uniklinik entscheiden, das zwar einen Punkt weniger hat, aber die besseren Leistungskennzahlen für ihre Behandlung ausweist. Allerdings ist es mit 22 Kilometern am weitesten von ihrem Wohnort entfernt. Ihre Entscheidung wird sie noch mit ihrem Arzt und der unabhängigen Patientenberaterin in Stuttgart besprechen.

Als "sehr gelungen" und "hilfreich für unsere Beratungsstellen" bewertet Susanne Mauersberg von der Bundesverbraucherzentrale die Weiße Liste. 10 000 Zugriffe pro Tag und lange Verweildauern der Nutzer sprächen für sich. 30 Prozent geben an, die Weiße Liste habe ihre Entscheidung stark beeinflusst. Dabei ist die Kliniksuche nur ein erster Schritt. Uwe Schwenk von der Bertelsmann-Stiftung möchte das Internetportal zu einer "Vertrauensmarke" für den mündigen Patienten im Gesundheitssystem werden lassen: Auch Ärzte oder Pflegeeinrichtungen sollen auf lange Sicht dem individuellen Qualitätscheck unterzogen werden. Und weil alle bisherigen Daten zur Qualitätstransparenz vorwiegend auf Selbstauskünften der Kliniken beruhen, wird derzeit ein standardisiertes Instrumentarium zum Erfassen der Patientenzufriedenheit entwickelt.
  • weisse-liste.de