Macht auf die Tür...

Hinter dem Tor des Sportverein Kirchzarten geht nichts ohne Ehrenamtliche

Andreas Peikert

Von Andreas Peikert

Fr, 01. Dezember 2017

Kirchzarten

Heute öffnet die Breisgau-Redaktion das Zufahrts-Tor zum Stadion an der Oberrieder Straße in Kirchzarten. Hier ist der Sportverein Kirchzarten - und Lothar Worlitz. Der Rentner unterstützt den Verein, wo immer es geht.

Vereine sind auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen. Lothar Worlitz ist einer von ihnen. Der Rentner unterstützt seinen Verein, den Sportverein Kirchzarten, wo immer es geht. Das Spektrum seiner unentgeltlichen Unterstützung ist breit gefächert. Als "Kärcher-Mann" kümmert er sich darum, das weitläufige Stadion an der Oberrieder Straße samt überdachter Tribüne mit einem Hochdruckreiniger sauber zu halten. Allein dafür hat er in den vergangenen Jahren geschätzte 1000 Stunden aufgewendet – allesamt ohne Bezahlung.

Vor vier Jahren, als die erste Herrenmannschaft des SV Kirchzarten in die Niederungen des Amateurfußballs abgestiegen ist, entschloss sich Lothar Worlitz, seinem SVK beizustehen. In guten wie auch in schlechten Tagen. Seitdem ist er wohl der treueste Fan des Vereins. Als Daumen drückender Zuschauer besucht er sowohl die Heimspiele der Ersten Mannschaft, als auch der Zweiten. Nicht nur einmal kam es vor, dass Lothar Worlitz bei Begegnungen der Zweiten als einziger Zuschauer seinem SV am Spielfeldrand die Treue hielt. Darüber hinaus kümmert sich der rüstige Rentner darum, dass für Heimspiele mit Plakaten geworben wird: Tage vor dem jeweiligen Spieltag klappert er örtliche Geschäfte und Gaststätten ab, um die Ankündigung fürs nächste Heimspiel möglichst sichtbar zu platzieren. Auch extremes Schmuddelwetter hält den 78-Jährigen nicht vom Stadionbesuch ab. Als kleines Dankeschön für sein außergewöhnliches Engagement wurde dem Vorzeige-Fan vom Verein ein Schlüssel für die Zufahrt ins Stadion überlassen. Damit er direkt hinter der Osttribüne parken kann.

Mittlerweile Kult-Status hat das, was bei jedem Heimspiel passiert: Zuerst hisst Lothar, wie er liebevoll im Verein genannt wird, die weithin sichtbare badische Flagge (der SV Kirchzarten hat bisher für diesen Zweck keine Vereinsfahne). Rechtzeitig vor dem Anpfiff der Spiele platziert er sich dann mit einem kleinen Klapp-Hocker auf der obersten Stufe der Wind und Wetter ausgesetzten Zuschauer-Ränge. Und zwar immer exakt auf Höhe der Mittellinie. Als äußeres Zeichen seiner Sympathie zum SVK trägt der dabei immer den rotweißen Schal mit den Insignien seines Vereins.

Kein Geheimnis macht Worlitz daraus, dass er derzeit von den Leistungen der Ersten Mannschaft eher enttäuscht ist: "Wenn die Saison so weiter geht, steigen sie wieder ab", lautet sein vernichtendes Urteil. Was ihn aber nicht davon abhalten wird, auch weiterhin im Stadion die Daumen zu drücken. Als Zeichen der Wertschätzung wurde der aktive Rentner vor zwei Jahren mit der Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet. "Wir sind froh, dass es Menschen wie Lothar gibt, die sich im Verein ohne jegliche Gegenleistung einbringen und nützlich machen", sagt SVK-Geschäftsführer Christian Kaindl.

Ein gerüttelt Maß an Sitzfleisch beweist der 78-Jährige nicht nur beim Fußball, sondern auch bei den monatlichen Sitzungen des Gemeinderats: Auch dort ist er eigentlich immer dabei. Nicht selten als einziger Gast. Für sein außerordentliches Interesse am kommunalpolitischen Geschehen wurde er von der Gemeinde Kirchzarten mit einem Ehren-Sitzkissen für die erste Zuschauerreihe ausgezeichnet.