HINTERGRUND

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 01. September 2018

Kleines Wiesental

Werwölfe im Wiesental

Die NS-Organisation Werwolf wurde auf Betreiben des Reichsführers SS Heinrich Himmler gegen Ende 1944 ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder sollten – organisiert in kleinen Partisanengruppen – nach dem Einmarsch der Alliierten hinter den feindlichen Linien Sabotageakte verüben, Kollaborateure ermorden und den Rückzug der Wehrmacht abdecken. Im Landkreis Lörrach befand sich das Ausbildungslager für künftige Werwölfe in Haagen. Dort suchte sich der wegen einer Verwundung ausgemusterte Leutnant Kurt Rahäuser im März 1945 20 junge Leute aus, die auf den Höhenzügen im Hägelberger und im Elbenschwander Wald Unterstände für Proviant, aber auch für Waffen als Grundlage künftiger Partisaneneinsätze einrichten sollten. Ihnen zugeteilt wurden zehn Zwangsarbeiter – allesamt aus ihrer osteuropäischen Heimat nach Deutschland verschleppt. Als Ende April 1945 die Franzosen über die Scheideck im Wiesental einmarschierten, war ihr Schicksal besiegelt, Leutnant Rahäuser befahl den Hitlerjungen unter seinem Kommando die praktisch gleichaltrigen Zwangsarbeiter allesamt umzubringen. Zwei von ihnen wurden gewarnt, sie konnten fliehen. Im Hägelberger Wald starben drei, auf dem Hirschkopf bei Elbenschwand weitere fünf Zwangsarbeiter. Die mühsam ausgebuddelten Unterstände und Proviantlager haben niemals eine militärische Funktion erfüllt. Karl Dönitz, Nachfolger von Adolf Hitler nach dessen Selbstmord, verbot nur eine Woche nach den Bluttaten sämtliche Werwolf-Aktivitäten. Am 8. Mai unterzeichnet Deutschland die bedingungslose Kapitulation.Literaturtipp: Hansjörg Noe, Hingeschaut/Steinen im Nationalsozialismus. Lörrach 2014. Volker Koop: Himmlers letztes Aufgebot: die NS-Organisation Werwolf. Böhlau 2018