Bekenntnis zur Bergwacht?

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Sa, 08. September 2018

Hinterzarten

Landesvorsitzender Adrian Probst hofft auf die Beteiligung der Kommunen beim Bau einer Rettungswache im Hochschwarzwald.

HOCHSCHWARZWALD. Beengte Verhältnisse in Garagen, Ausrüstung stapelt sich, im Winter müssen mitunter Einsatzfahrzeuge freigekratzt werden: Die Bergretter im Hochschwarzwald müssen oft mit widrigen Bedingungen in der Infrastruktur klarkommen. Daher soll für das Einsatzgebiet Hochschwarzwald, in dem die Bergwacht besonders gefordert ist, eine Rettungswache in Hinterzarten entstehen (die BZ berichtete). Was dem Landesvorsitzenden Adrian Probst dazu allerdings noch fehlt, sind die Zusagen der Gemeinden im Hochschwarzwald, sich finanziell an dem Neubau zu beteiligen.

Was die Unterstützung der Bergwacht angehe, sei mittlerweile das Land im Boot, auch die Krankenkassen zahlten weit mehr als noch vor wenigen Jahren, berichtet Adrian Probst. Nach schwierigen Jahren sei nun wieder Land in Sicht, so Probst, der seit Ende 2015 Landesvorsitzender der Bergwacht Schwarzwald ist und seither Druck auf die Landesregierung ausgeübt hat, um dringend nötiges Geld für die Bergwacht zu generieren.

"Jetzt fehlt noch ein Akteur – und das sind die Kommunen", sagt Adrian Probst, der selbst seit fast einem Jahr Bürgermeister der Stadt St. Blasien ist.

Der Hochschwarzwald ist das Gebiet mit den meisten Einsätzen für die Bergwacht Schwarzwald, die im Norden von Pforzheim bis im Süden kurz vor Istein bei Basel reicht. Die Ortsgruppe Hochschwarzwald, die im November 2017 aus den Ortsgruppen Feldberg-Altglashütten und Hinterzarten-Breitnau entstanden ist, betreut ein Gebiet, das sich vom Thurner bis zum Feldberg, vom Hirschsprung bis zur Wutachschlucht erstreckt.

Um einsatzfähig zu bleiben, brauchen die Retter eine moderne Wache in zentraler Lage. In Hinterzarten soll das neue Rettungszentrum für den Hochschwarzwald entstehen. Dafür ist die Bergwacht auch auf die Unterstützung der Kommunen im Einsatzgebiet angewiesen: "Unser Wunsch ist, dass sich die Gemeinden im Hochschwarzwald zusammentun und diese Wache mitfinanzieren", sagt der Landesvorsitzende.

Bis Herbst soll laut Probst die Entscheidung fallen, welche Projekte 2019 noch begonnen werden sollen – und welche warten müssen. "Doch dafür muss ich wissen, ob und wie sich die Gemeinden beteiligen."

Rund 550 000 Euro wird die Wache in Hinterzarten kosten, dabei rechnet die Bergwacht mit rund 300 000 Euro Fördergeldern vom Land, 100 000 Euro trägt die Bergwacht selbst. "Damit bleibt ein Delta von rund 150 000 Euro, das im Idealfall von den neun bis zehn Gemeinden des Einsatzgebiets getragen wird", sagt Probst, der dabei das Beispiel Ewattingen nennt, wo die Gemeinde Wutach beim Bau der Bergrettungswache "finanziell ordentlich" dabei gewesen sei.

"Es läuft überall gut und daher bin ich auch für den Hochschwarzwald zuversichtlich", sagt Probst. "Das ist ein überschaubarer Betrag, wenn ihn sich alle Gemeinden aufteilen", ist der Landesvorsitzende überzeugt. Eine Rettungswache im Hochschwarzwald baue man schließlich nicht alle zehn Jahre. "Und in einer Tourismushochburg, wie sie ohne Zweifel der Hochschwarzwald ist, sollte gewährleistet sein, dass die Bergrettung einsatzfähig ist."

"Ich will nicht an den Punkt kommen, wo wir Alternativen suchen müssten."

Adrian Probst
Er hoffe, dass nun nicht auf den letzten Metern die Puste ausgehe, so Probst. "Ich will nicht an den Punkt kommen, an dem wir nach Alternativen suchen müssten", sagt der Landesvorsitzende. Er habe die Sorge, dass sich der Entscheidungsprozess zu lange hinziehe und man schließlich andere Projekte für 2019 priorisieren müsse. "Wir haben einen Investitionsstau von 4,5 Millionen Euro", ergänzt Probst. So stünden etwa Rettungswachen in Schönau, Istein, Baiersbronn, Pforzheim, Todtnau oder Seebach in der Warteschleife.

"Für Hinterzarten kann die Ampel jetzt also nicht allzu lange auf Orange stehen", stellt der Landesvorsitzende klar. Die Bergwacht hat eine Prioritätenliste, auf der der Bau der Rettungswache in Hinterzarten weit oben steht – "eben weil der Hochschwarzwald unser einsatzstärkstes Gebiet ist". 2017 hat die Ortsgruppe 1847,5 Dienststunden geleistet, 15 Sanitätsdienste bei Großveranstaltungen, 26 Ausbildungseinheiten mit Schnee- und Lawinenkunde, Baumrettung und medizinischen Themen. Es gab 49 Einsätze für die Retter, davon 24 im Sommer und 19 im Winter. "Von den Kommunen erwarte ich ein Bekenntnis zur Region", hatte Probst schon im Mai dieses Jahres bei der Jahresversammlung der Ortsgruppe Hochschwarzwald gesagt.

Für die Bergrettungswache in Hinterzarten will die Gemeinde die Fläche zur Verfügung stellen, auf der bereits das Feuerwehrhaus steht, auch der DRK-Ortsverein fände Platz in der Wache.