Interview

Im Hinterzarten-Krimi wird beim Skispringen eine Leiche gefunden

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Mi, 25. Juli 2018 um 20:28 Uhr

Hinterzarten

Das Sommerskispringen, ein Mord, ein indischer Kommissar und dann kommt auch noch Georg Thoma ins Spiel: Ingrid Zellner hat einen Krimi über die Szene in Hinterzarten geschrieben.

Mit "Adlerschanze" hat die Dachauer Autorin Ingrid Zellner einen Hinterzarten-Krimi geschrieben, den sie am Donnerstag bei einer Pressekonferenz und am Sonntag, 29. Juli, um 11 Uhr im Schwarzwälder Skimuseum erstmals der Öffentlichkeit vorstellt. Susanne Gilg wollte vorab von Ingrid Zellner wissen, wie sie als Bayerin auf die Idee gekommen ist, einen Hinterzarten-Krimi zu schreiben.

BZ: Sie kommen aus Bayern. Warum haben Sie ausgerechnet Hinterzarten als Schauplatz für Ihren Krimi gewählt? Was verbinden Sie mit Hinterzarten, wie sind Sie auf den Ort gekommen?
Zellner: Im Januar 2017 habe ich ein paar Tage in Hinterzarten verbracht, um eine Freundin in der Földiklinik zu besuchen. Bei ausgedehnten Winterspaziergängen habe ich mich in den Ort und die Landschaft verliebt und spontan beschlossen: Als Nächstes schreibe ich einen Hinterzarten-Krimi!

BZ: Kurz und knapp: Worum geht es in Ihrem Krimi?
Zellner: Während des Internationalen Sommerskispringens wird im Adlerweiher die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Die Spuren führen auch in den Kreis der Nachwuchs-Skispringer und zur Familie eines renommierten Sporthotel-Besitzers in Hinterzarten.
"So eine Buchpremiere hatte ich noch nie." Ingrid Zellner
BZ: Georg Thoma hat einen Gastauftritt in Ihrem Buch ...
Zellner: Im Zuge meiner Recherchen habe ich unter anderem das Schwarzwälder Skimuseum besucht, wo mich der Leiter Alfred Faller mit Georg Thoma bekanntgemacht hat. Während unserer Unterhaltung kam mir die Idee, ihn quasi persönlich in meinem Krimi mitspielen zu lassen, und als ich ihn fragte, ob er damit einverstanden wäre, hat er mir sofort die Genehmigung dazu gegeben. Was mich riesig gefreut hat. Und es hat mir großen Spaß gemacht, diesen wunderbaren Menschen in meine Geschichte einzubauen.

BZ: Wie tief sind Sie ins Skispringermilieu zur Recherche eingestiegen und wie ist überhaupt die Idee entstanden?
Zellner: Als ich begann, über eine Story für meinen Hinterzarten-Krimi nachzudenken, war mir schnell klar, dass die Adlerschanze unbedingt darin vorkommen musste, sie spielt ja doch eine wesentliche Rolle in diesem Ort. Also habe ich mich auch mit dem Schanzenkoordinator Michael Lais unterhalten und dabei sehr viel über Nachwuchsförderung, Wettbewerbe oder Landeskader erfahren. Wobei das Skispringermilieu an sich bei mir eher am Rande vorkommt – einige Figuren in meiner Geschichte sind Nachwuchs-Adler und wir erleben Teile des Sommerskispringens live mit, aber ich enthülle oder erfinde jetzt nicht irgendwelche Skandale im FIS-Weltcup.

BZ: Sie haben auch schon eine schwedisch-deutsche Liebesgeschichte geschrieben … Waren das Skispringen und der Schwarzwald nun völliges Neuland für Sie?
Zellner: Ich erkunde in meinen Büchern immer wieder gerne Neuland. Mein erster Krimi "Gnadensee" spielt am Bodensee und auf Island, das Kinderbuch "Malin und das weiße Rentier" befasst sich unter anderem mit dem indigenen Volk der Sámi in Nordschweden, die schwedisch-deutsche Liebesgeschichte heißt "Ein Schwede zum Verlieben", und zusammen mit meiner Autorenkollegin Simone Dorra veröffentliche ich seit 2017 eine spannende Familiensaga in sieben Bänden, die "Kashmir-Saga" heißt und in Indien und Kashmir spielt. Mit der "Adlerschanze" bin ich nun in der Tat zum ersten Mal im Schwarzwald und beim Skispringen gewesen, und es hat mir sehr viel Freude gemacht. Nicht zuletzt, weil ich – im Gegensatz zu Surendra Sinha, meinem Kriminalkommissar mit indischen Wurzeln – ein ausgesprochenes Faible für Wintersport habe.
Der Krimi

"Adlerschanze" ist im Juli im Silberburg-Verlag erschienen und kostet 13,99 Euro.

BZ: Sie stellen das Buch während des Sommerskispringens vor. Das ist ja eine Buchpremiere der anderen Art. Freuen Sie sich schon drauf?
Zellner: Und wie! Eine solche Buchpremiere hatte ich noch nie, und ich bin wahnsinnig gespannt darauf, was mich alles erwartet. Abgesehen davon, dass ich mich darauf freue, Hinterzarten wiederzusehen und all die Menschen, die mich ermutigt und mir im Vorfeld mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

BZ: Bleiben Sie dann noch ein paar Tage in Hinterzarten?
Zellner: Bis zum kommenden Sonntag, da lese ich um 11 Uhr bei einer Buchmatinee im Schwarzwälder Skimuseum noch einmal aus der "Adlerschanze". Danach fahre ich weiter Richtung Schwäbische Alb, um die Gelegenheit zu nutzen und liebe Freunde zu besuchen. Aber ich komme bestimmt wieder!
Zur Person

Ingrid Zellner wurde 1962 in Dachau geboren. Sie studierte in München Theaterwissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Geschichte (1988 Magisterexamen). Von 1990 bis 1994 war sie als Dramaturgin am Stadttheater Hildesheim engagiert, von 1996 bis 2008 in derselben Funktion an der Bayerischen Staatsoper München. Heute ist sie vor allem als Übersetzerin (Schwedisch) und als Autorin tätig. Sie veröffentlichte Romane, Krimis, ein Kinderbuch, Kurzgeschichten, CD-Booklet-Texte, Artikel und Theaterstücke; außerdem schrieb sie deutsche Untertitel für den preisgekrönten Film "I Am" des indischen Regisseurs Onir. Daneben ist sie Regisseurin und Schauspielerin. Ihre bevorzugten Reiseziele sind die Länder Skandinaviens und der Arktis sowie Indien.