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08. Mai 2009
Kein Chaletdorf am Mühlacker
Franz Thoma streicht sein ehrgeiziges Projekt und ist enttäuscht von Gemeinde und Kreis / Henslerhof wird verkauft
HINTERZARTEN. "Ich möchte Erlebnisse vermitteln, nie stehen bleiben oder ankommen", sagt Franz Thoma. Gemäß diesem Leitsatz zieht der Hinterzartener Unternehmer und Gastronom jetzt einen Schlussstrich unter ein ehrgeiziges Projekt, das dem Kurort zu einem deutlichen Plus an Übernachtungszahlen verholfen hätte: Das Feriendorf an der Bruderhalde wird nicht gebaut, der alte Henslerhof als beliebter Veranstaltungsort für Seminare, Tagungen, Hochzeiten und Erlebnistage geschlossen und verkauft.
Gestern wurden die 20 haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiter des Thoma Catering-Service, der den Henslerhof betreibt, vom Ende des Catering-Unternehmens informiert. Sie verlieren ihre Arbeitsplätze, wenn die letzte der bereits gebuchten Veranstaltungen in dem denkmalgeschützten Gebäude abgewickelt ist. "Ich sehe keine Chance mehr, dass das Projekt in absehbarer Zeit umgesetzt werden kann", erklärt der erfolgreiche Catering-Unternehmer, der seit Jahren bereits große Summen in die Planung und Entwicklung des Projektes gesteckt hat. Er wolle keine Schuld zuweisen, betont Thoma, und äußert sich dennoch enttäuscht vom Desinteresse der Gemeinde und Behörden: "Wir wurden immer wieder vertröstet, gleichzeitig hat man uns nie konkret gesagt, ob das Vorhaben überhaupt genehmigungsfähig ist, uns keinen Zeitplan für das Planungs- und Genehmigungsverfahren genannt."Werbung
Nachdem er über zwei Jahre "hingehalten" worden sei, sehe er keine Aussicht auf eine Entwicklung seines Unternehmens. Statt hier in die Investition von über drei Millionen Euro einzusteigen, werde er sich nun stärker auf die anderen Zweige des Familienunternehmens, wie das Bootshaus, die Skistation Südhang am Feldberg oder die Skihütte in Hinterzarten konzentrieren und neue unternehmerische Herausforderungen suchen.
Der 1562 erbaute Henslerhof im Seebachtal wurde 1990 mit Originalbaumaterial restauriert, das Dach mit Holzschindeln gedeckt. Ursprünglich sollte er das urige Clubhaus des geplanten Golfplatzes im Seebachtal werden. Aus Gründen des Naturschutzes wurde nichts daraus. Seit 1998 befindet sich das Hofensemble mit Mühle, Ställen und Kapelle im Besitz von Franz Thoma Catering. Der Hof konnte für verschiedenste Veranstaltungen gebucht werden. Sei es der Outdoor-Event mit Abenteuer-Programm, das Seminar oder ein großes Fest in der rustikalen Scheune. Das Konzept kam an, jährlich wurden rund 140 Veranstaltungen mit bis zu 900 Teilnehmern organisiert, von der Hochzeit bis zur 14-tägigen Konferenz von einem der größten Mountainbike-Hersteller der Welt. Große Gruppen mussten, da es dafür in Hinterzarten kaum Möglichkeiten gab, in Titisee oder in Schluchsee untergebracht werden. Daher plante Franz Thoma bereits 2006 den Bau von 19 kleinen Holz-Chalets für jeweils vier bis sechs Personen am Hang oberhalb des Henslerhofes. Das kleine Feriendorf sollte das Angebot des Hofes ergänzen und die Existenz des Catering-Unternehmens sichern.
Gedacht waren auch neue und zusätzliche Angebote in Zusammenarbeit mit dem Hinterzartener Abenteuer-Veranstalter Zwerger & Raab. Für Hinterzartens Übernachtungsstatistik rechnete Thoma mit bis zu 20 000 zusätzlichen Übernachtungen pro Jahr. Bereits im März 2007 stellte Franz Thoma sein Konzept Hinterzartens Bürgermeister Hans-Jörg Eckert vor, im Juli 2007 beschäftigte sich der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung mit dem Vorhaben und signalisierte seine Zustimmung. Im April 2008 begrüßte der Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung mehrheitlich das Projekt und beschloss eine Fortschreibung des Flächennutzungsplanes. Eben dieser Plan wird nun dem Thoma-Projekt zum Verhängnis. Der Mühlacker liegt im sogenannten Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet. Damit hier überhaupt gebaut werden darf, müsste dieses Gelände im Flächennutzungsplan als Baugelände ausgewiesen werden. Einer schnellen Lösung über eine einfache Änderung des Planes und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, schob das Landratsamt einen Riegel vor.
Für Franz Thoma ist der Zug jedoch abgefahren: "Wenn man mich rechtzeitig informiert hätte, dass das alles so lange dauert, dann hätte ich anders geplant", meint der Unternehmer. Er bietet den denkmalgeschützten Hof mit rund 13 Hektar Land drum herum jetzt bundesweit zum Verkauf an.
Autor: Thomas Winckelmann
