Mit Tennis international ganz vorn

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mo, 27. August 2018

Hinterzarten

250 Spielerinnen und Spieler beim angesehenen ITF Rothaus Open Turnier auf drei Anlagen.

HOCHSCHWARZWALD. Mehr als 100 Stundenkilometer schnell rauscht die gelbe Filzkugel über das knapp ein Meter hohe grüne Netz, klatscht auf die T-Linie des Aufschlagfelds und ist für den Rückschläger unerreichbar. "Ein Ass", jubelt der Aufschläger und konzentriert sich sofort auf den nächsten Ball. Eine Woche lang kämpfen 250 top-fitte Seniorinnen und Senioren aus zwölf Nationen beim ITF Rothaus-Open-Turnier auf drei Tennisanlagen im Hochschwarzwald um Spiel, Satz und Sieg. Die Freude über den Erfolg sowie das kleine Preisgeld ist ebenso groß wie über die begehrten Punkte für das World Ranking der International Tennis Federation (ITF) sowie die nationale Rangliste des Deutschen Tennis Bundes.

Was vor mehr als drei Jahrzehnten als "Turnier mit Herz" auf der Zwei-Platz-Anlage am Sonnenbühl in Hinterzarten seinen Anfang nahm, zählt heute zu den bedeutendsten ITF-Wettbewerben in Deutschland. Dies gilt, was die Anzahl der Teilnehmer aus aller Welt als auch deren Spielstärke betrifft. Viele von ihnen zählen zu den Top-Zwanzig in den ITF-Ranglisten. Die in London ansässige Tennis-Federation hat dem Ausrichter schon vor einigen Jahren die Stufe "Grade 2" verliehen, was eine erhöhte Punktezahl pro Sieg bedeutet.

"Dieser Wettbewerb genießt in Deutschland und auch im Ausland einen hohen sportlichen Stellenwert", weiß der erfahrene Turnierdirektor Wolfram Schmidle. Befürchtungen, dass aufgrund der zeitgleich laufenden Senioren-Weltmeisterschaften in Ulm in diesem Jahr die Teilnehmerzahl schrumpfen könntet, bewahrheiten sich nicht. Schmidle hat mit der ITF eine Sondervereinbarung getroffen, wonach in Ulm ausgeschiedene Akteure direkt in Hinterzarten antreten können. Normalerweise darf ein Spieler nur für ein ITF-Turnier pro Woche melden.

Über diesen gelungenen Deal freut sich Norbert Göppert von der veranstaltenden Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG). Der Teamleiter der Tourist-Info St. Blasien zeichnet seit zehn Jahren für das Inkasso des Startgelds verantwortlich und kümmert sich um Quartierwünsche. "Das Turnier ist nicht nur sportlich, sondern auch touristisch ein echtes Zugpferd", sagt Göppert lachend. Die 250 Teilnehmer kommen zumeist in Begleitung und bleiben bis zu einer Woche: "Das bringt uns deutlich mehr als 2000 Übernachtungen in allen Kategorien, vom Vier-Sterne-Hotel über Ferienwohnungen bis hin zu Privatzimmer."

"Auch touristisch

ein echtes Zugpferd."
Norbert Göppert über das Turnier
Viele Tennisgäste loben die Gastfreundlichkeit. Sie genießen die Kombination aus Sport und Urlaub und nutzen spielfreie Zeiten für vielfache Unternehmungen. Ihre Erzählungen zuhause "sind für uns die beste Werbung", weiß Göppert. Vor allem ausländische Gäste fühlen sich willkommen. Göppert: "Die weltweite Ausschreibung des Turniers trägt die Namen Hinterzarten und Hochschwarzwald in alle Kontinente. Es ist unbezahlbare Werbung."

Bei der Players Night im Kurhaus heißt Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch als Schirmherr die sportlichen Gäste willkommen. Turnierdirektor Wolfram Schmidle und Norbert Göppert ehren die ersten Sieger. An den Tischen entwickeln sich muntere Gespräche. Zuweilen herrscht ein babylonisches Sprachgewirr: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Polnisch vermischen sich mit Deutsch. Viele Teilnehmer kennen sich seit Jahren, immer wieder stoßen aber auch Neue dazu.

Turnierleitung und Spieler heben den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Helfer hervor. Die Sandplätze präsentieren sich in gutem Zustand, der Shuttle-Service zu den Spielorten funktioniert präzise, das Angebot an Verpflegung stimmt. Auf der Clubanlage Neuwelt in Hinterzarten ebnet Eugen Riesterer sofort nach einem Match mit dem Scharierholz die Unebenheiten ein, zieht mit dem Schleppnetz den Platz fein ab und fegt die weißen Linien. Er ist seit 1987 dabei: "Mir macht das Spaß. In mehr als 30 Jahren habe ich viele Leute kennengelernt und freue mich jedes Mal auf das Wiedersehen." Am Sonnenbühl unterstützt ihn Peter Delefsky. In Neustadt liegt die Turnierleitung bei Anne Filz, unterstützt von Karl Messmer. Um die fünf Plätze kümmern sich Werner Straub und Adolf Lang. In Löffingen sind Ewald Hoff und Uli Straetker zuständig, die von Werner Stich betreute Anlage in Lenzkirch muss nicht genutzt werden.

Lob von kompetenter Seite gibt es von Olaf Wells. Der erfahrene Oberschiedsrichter aus Münster spricht von einem "eingespielten Helferteam. Jeder weiß, was zu tun ist." Die große Mehrzahl der Spieler verhalte sich sportlich korrekt, nur eine kleine Minderheit zeige ein egoistisches Anspruchsdenken, was Spielzeiten oder Platzzuweisung anbelangt. Wolfram Schmidle sieht darin "ein Spiegelbild unserer Gesellschaft."

Am Schlusswochenende ist erhöhte Flexibilität gefordert. Die Temperaturen sinken von mehr als 30 auf zehn Grad. Wegen anhaltendem Regen kann am Samstag in Hinterzarten nicht gespielt werden. Die Matches werden in die Halle nach Neustadt verlegt, am späten Nachmittag stehen die fünf Freiplätze des TC Grün-Weiß wieder zur Verfügung. In der Nacht zum Sonntag überzieht Frost die Sandplätze. Bis zum Spielbeginn ist alles weggetaut. Bei der Verabschiedung kündigen viele Teilnehmer an, auch 2019 beim 33. ITF-Turnier im Hochschwarzwald wieder dabei zu sein.