Schüler treffen auf MINT-Macher

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Sa, 10. November 2018

Hinterzarten

Kongress am Birklehof mit Unternehmern, Forschern und Politikern.

HINTERZARTEN/BREITNAU. Für Fußballer gibt es Talentförderung, für Musiker auch: Wer dagegen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) talentiert ist, wird selten gezielt gefördert. Am privaten Internat und Gymnasium Birklehof ist das anders – dort setzt man auf ein spezielles Förderprogramm, zu dem auch ein Kongress gehört, bei dem Schüler auf Unternehmenschefs, Professoren und Politiker treffen.

"In Dir steckt ein Einstein? Dann lass’ ihn raus", ist in großen Lettern auf dem Plakat zu lesen, das im Musiksaal des Birklehofs hängt, in dem sich Schüler, Auszubildende, Firmenchefs, Forscher, Entwickler, Lehrer und Politiker treffen, um über das Thema "Innovationsmanagement in der Industrie 4.0" zu sprechen und zu diskutieren. Der Kongress ist Bestandteil von Plus-MINT, einem Zusammenschluss von Internatsschulen in Deutschland, deren erklärtes Ziel es ist, qualifizierten Nachwuchs für die Forschung und Industrie zu bilden und so dem Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft entgegenzuwirken. Neben dem Birklehof gibt es das Talentförderprogramm an den Internaten Louisenlund in Güby an der Schlei, St. Afra in Meißen und der Landesschule Pforta in Naumburg an der Saale. "Der Staat gibt uns kein Geld dafür – daher haben wir ganz schön viel nach Partnern gesucht", sagt Schulleiter Henrik Fass in seiner Einführung. In Baden-Württemberg sei der Birklehof das erste Internat, der dieses Talentförderprogramm anbiete. Zum Kongress sind einige der Partner gekommen. Etwa Professor Richard Zahoransky, Vorsitzender des Bezirksvereins Schwarzwald des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), der davon berichtet, wie er vor etlichen Jahren mit seinem Sohn den Birklehof als mögliche Schule angeschaut habe: "Damals war es ihm hier zu musisch – heute hätte er sich wahrscheinlich anders entschieden", berichtet Zahoransky schmunzelnd. Im EU-Vergleich habe Deutschland die ältesten Ingenieure, sagt Zahoransky. "Viele gehen jetzt in Rente, ich gehöre auch dazu – wir brauchen also qualifizierten Nachwuchs."

Einer, der noch mitten im Berufsleben ist, ist Gunther Kegel, der die Mannheimer Firma Pepperl + Fuchs leitet und Präsident des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) ist. In seinem Vortrag führt der Elektrotechnik-Ingenieur in das Thema ein. Er berichtet von den vielen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland, den sogenannten Hidden Champions, die zur Innovationsfähigkeit des Landes beitragen, spricht über die Stärke der Deutschen im Bereich der Embedded Systems (eingebettete Systeme), bei denen Ingenieurstechnik und Informatik Hand in Hand gehen.

Schüler kommen mit
Unternehmern ins Gespräch

Von einer "fundamentalen Veränderung" spricht er, als es um die Industrie 4.0 geht und um die künstliche Intelligenz. Interessiert verfolgen die beiden Plus-MINT-Schülerinnen Anna Schraml und Mie Sticklus den Vortrag. Im Anschluss kommen sie mit Kegel ins Gespräch – auch ein Ziel des Kongresses. "Ich interessiere mich für die Fächer und wollte gefördert werden", berichtet Mie Sticklus, die aus Eckernförde in Schleswig-Holstein stammt. "Es hat mich überrascht, wie viele kleinere Unternehmen es in Deutschland in dem Bereich gibt", sagt die 14-Jährige, die sich später eine Tätigkeit im Bereich der künstlichen Intelligenz vorstellen kann. Ihr Vater ist auch Ingenieur, das Fach Naturwissenschaft und Technik (NWT) liegt ihr. "Da machen wir was mit dem Arduino-Microcontroller – das macht Spaß." Bei der gleichaltrigen Anna Schraml aus Emmendingen ist über ihren Bruder und die Programmier-AG schon das Interesse an MINT-Themen geweckt worden. "Das ist super, denn vor allem Frauen fehlen uns noch in der Branche", gibt ihnen Kegel mit auf den Weg. "Wenn man was viel, gerne und richtig gut macht, wird man damit nicht nur erfolgreich, sondern auch glücklich", fügt er noch hinzu.