Young Fathers

HIPHOP: Angespannt und undurchschaubar

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mi, 07. März 2018

Rock & Pop

Getriebene Bässe, nervöse Percussions, umherschwirrende Melodiefragmente und drei zwischen Sprechgesang und Soul variierende Stimmen: Das sind die wesentlichen Zutaten der dritten Young Fathers-Platte "Cocoa Sugar". Und es spricht nichts dagegen, dass das avantgardistische Rap-Trio aus Edinburgh damit jene Erfolgsstory fortschreiben wird, die einst mit dem überraschenden Gewinn des renommierten "Mercury Prize" begann. "Cocoa Sugar" klingt elektronisch und zugleich organisch, hymnisch, aber nie ungebrochen pathetisch. Dafür ist die Grundstimmung – selbst im zwingenden Ohrwurm und unbestrittenen Hit des Albums "In My View" – viel zu angespannt. In diesem Kontext nimmt man den Ruhepunkt "Lord" fast als Ballade wahr: Eine simples Klavier-Arpeggio und ein sakraler Chor bereiten den Weg für eine R’n’B-Strophe, ehe ein schroffer Synthie-Einwurf die Hörerschaft mit voller Wucht spüren lässt, wie viel Wert die Young Fathers darauf legen, keine durchschaubaren Popsongs zu produzieren.

Young Fathers: Cocoa Sugar (Ninja Tune). Live: Sonntag,17. Juni, Mannheim, Maifeld Derby.