Lokalgeschichte

Historischer Freiburg-Film verwandelt Cinemaxx in Zeitmaschine

Markus Hofmann

Von Markus Hofmann

So, 19. November 2017 um 19:17 Uhr

Freiburg

Es war eine ausverkauften Premiere: Im Cinemaxx sahen 460 Zuschauer den historischen Freiburg-Film der BZ mit privaten Videoaufnahmen aus Freiburg, die größtenteils noch nie zuvor öffentlich gezeigt worden waren.

Die Freiburger Kaiserstraße der 30er Jahre sieht auf der riesigen, 162 Quadratmeter großen Leinwand im Kinosaal 8 beeindruckend aus. Geschäftiges Treiben überall – nur eine Frau steht da und wartet vor dem Bertoldsbrunnen, der damals noch ein traditioneller Brunnen war. Alltag in Freiburg vor dem Krieg.

Knapp 90 dieser historischen Filme haben BZ-Leser in den vergangenen Monaten eingereicht – auf VHS-Kassetten, als Super 8 und sogar Dias mit Schallplattenvertonung. "Unsere Leser haben uns teilweise sehr private Dinge anvertraut", sagt Holger Knöferl, der als Heimatchef der BZ den Film redaktionell begleitet hat. "Unser Ziel war es, einen subjektiven Einblick in die Historie Freiburgs zu geben."

Das Ergebnis ist Heimatgeschichte, wie sie nicht unbedingt in Geschichtsbüchern steht. Kein Dokumentarfilm, der streng-chronologisch die wichtigsten Ereignisse einer Epoche abarbeitet. Dafür persönliche Alltagserlebnisse, die von den Zeitzeugen, die ihr privates Filmmaterial eingereicht haben, selber erläutert werden. Das ist auch für junge Menschen spannend – so, als würde man mit den Großeltern ein Fotoalbum durchblättern und alte Geschichten hören.


Zum Beispiel von einem Fasnetumzug irgendwann in den 30er Jahren. Oder von den Anfängen des Skisports auf dem Schauinsland. Oder vom Alltag der Menschen im Zweiten Weltkrieg. "Wir waren bis zum Angriff glückliche Kinder. Es war ein friedliches Leben", erzählt Edeltraud Hoch, die beim Bombenangriff am 27. November 1944 in der Adelhauser Straße wohnte und als Zeitzeugin in dem Film zu Wort kommt.

Auch ganz alltägliche Dinge mit nostalgischem Charme sind zu sehen. Zum Beispiel eine Straßenbahn, die Richtung Stühlinger fährt – damals noch auf der Blauen Brücke. Und natürlich geht es auch um die Münsterwurst, die schon 1963 auf dem Münsterplatz, der früher ein Parkplatz war, viele Fans hatte. "Des isch Kult", sagt der Ex-Rennfahrer Mario Ketterer, der in dem Film als Inhaber des Streckenrekords von den Motorsportrennen auf dem Schauinsland erzählt, die bis 1984 Zehntausende Zuschauer auf Freiburgs Hausberg lockten.

"Der Film war richtig gut", findet die achtjährige Leah aus Gundelfingen nach der Vorführung. Am meisten beeindruckt haben sie die Aufnahmen vom Krieg. Viele Besucher lassen nach der Premiere im Cinemaxx-Foyer bei Sekt und Brezeln Erinnerungen wach werden. Teil zwei des Freiburg-Films ist schon in Arbeit – diesmal mit Aufnahmen der Jahre 1964 bis 1984, zum Beispiel aus den Zeiten der Studentenproteste und aus der Freiburger Hausbesetzerszene – unter anderem von der Räumung der Freiau im Jahr 1975. Die Premiere ist im Frühjahr 2018.
Der Freiburg-Film ist ab sofort in den BZ-Geschäftsstellen für 18,90 Euro erhältlich. Abonnenten mit BZCard bezahlen 16,90 Euro.