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12. Dezember 2011 20:44 Uhr

Bussgelder

Hobbykampfflieger müssen für tödlichen Leichtsinn zahlen

Gegen die beiden Verursacher einer Flugzeugkollision über dem Flugplatz Bremgarten vor zwei Jahren sind empfindliche Geldstrafen verhängt worden. Am 24. August 2009 hatte dort eine Zweierformation alter sowjetischer Yak-Jäger ein Ultraleichtflugzeug vom Himmel geholt.

  1. Kollision trotz bester Sicht: das Wrack der „Ikarus“ Foto: Bernhard Breitling

  2. Der sowjetischer Oldtimer „Yak“ Foto: Brigitte sasse

Dessen Pilot starb durch den Absturz, sein Fluglehrer wurde schwer verletzt. Die Untersuchungen kamen erst jüngst zum Abschluss. Es war ein wolkenloser Sommertag, als Fluglehrer R. (38) seinen Kunden L. (61) mit der "Ikarus C 42" Platzrunden über dem früheren Militärflugplatz im Markgräflerland drehen ließ. Der Flugschüler aus der Schweiz brauchte Praxis, um seinen Pilotenschein verlängern zu lassen.

Die beiden Insassen der 470 Kilo leichten Propellermaschine, die gerade zur Landung ansetzte, ahnten nicht, dass sich von hinten aus Richtung Kaiserstuhl mit 460 Stundenkilometern zwei Yakovlev-Jäger näherten, an den Steuerknüppeln der argentinische Privatier G. (62) und der italienische Unternehmer G. (74).

Flugfeld war nicht sauber

Diese beiden Piloten aber hätten, den Ermittlungen zufolge, ahnen können, wenn nicht wissen müssen, dass der Luftraum vor ihnen auf dem Flugfeld "nicht sauber" war, als sie zu ihrem Manöver "Run in and brake" ansetzten. So heißt in der Militärluftfahrt ein schneller Anflug mit anschließender enger Kurve querab. Der Flugleiter im kleinen Tower hatte kurz zuvor per Funk eine entsprechende Bemerkung gemacht.

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Dennoch erwischte einer der Oldtimer zehn Sekunden später mit seinem Flügel eine Tragfläche des Kleinflugzeugs. Es stürzte aus 150 Metern Höhe senkrecht ab, sein Fallschirm öffnete sich nur unvollständig. Fluglehrer und -schüler mussten von der Feuerwehr aus den Trümmern geschnitten werden, der Schweizer erlag tags darauf seinen inneren Verletzungen, der Fluglehrer erlitt schwere Schädel- und Beckenverletzungen. Die Yaks konnten trotz des Schadens an der einen Tragfläche heil in Bremgarten landen, wo sie auch stationiert sind.

Verhängnisvolles Manöver "Run in and break"

Laut Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) nahm das Verhängnis aus mehreren Gründen seinen Lauf. So sprach Flugleiter H. (59) im Tower mit den Yak-Piloten englisch, mit der Ikarus-Besatzung dagegen deutsch. Das hätten die Ausländer zwar mitgehört, "aber nicht vollständig verstanden". Auch sei die Sicht aus dem Cockpit der Jäger durch Metallstreben "nach vorn eingeschränkt". Der Gutachter resümiert, man hätte das Manöver "Run in and break" vorher mit allen absprechen müssen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Freiburg verhängte das Amtsgericht Staufen gegen die beiden Hobbykampfflieger Strafbefehle wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Die beiden – sie sind Eigentümer der Oldtimermaschinen und in der Fliegerszene keine Unbekannten – müssen je 240 Tagessätze zahlen. Beim Italiener addiert sich das (einkommensabhängig) auf 84.000 Euro, beim Argentinier sogar auf 120.000 Euro. Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier spricht von "gesalzenen Strafen"; im Straßenverkehr sei bei vergleichbaren Delikten – ausgenommen Trunkenheit – weniger als die Hälfte üblich. Gleichwohl haben die Piloten in die Strafbefehle eingewilligt. Anderenfalls wäre es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung gekommen.

Das Gericht sah bei beiden Piloten pflichtwidriges Verhalten und verwies auch darauf, dass sie für ihren eigenmächtigen Formationsflug keine behördliche Genehmigung hatten. Ein drittes Ermittlungsverfahren gegen den Bremgartener Flugleiter wegen fahrlässiger Tötung wurde gegen Zahlung einer Geldauflage von 7500 Euro eingestellt.

Dem Mann wurden Fehler im Funkverkehr vorgeworfen. Ihm kommt aber zugute, dass auf einem Sonderlandeplatz wie Bremgarten der Flugleiter nur Informationsfunktion, aber keine Kontrollrechte hat. Dort tragen die Piloten alleinige Verantwortung für ihren Sichtflug.

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Autor: Stefan Hupka