Hochkultur in ländlicher Idylle

Anne Freyer

Von Anne Freyer

So, 09. September 2018

Sulzburg

Der Sonntag Das "Kulturzentrum 3klang" in Sulzburg-Laufen gibt es seit einem Jahr.

Auf den Tag genau vor einem Jahr feierte das "Kulturzentrum 3klang" am südlichen Ortsrand von Laufen seine offizielle Eröffnung. Damals war noch vieles in Planung, was inzwischen umgesetzt wurde: Konzerte mit hochkarätigen Musikern sowie Ausstellungen und Vorträge.

Musik, Kunst und Wort. Das ist der Dreiklang, der dem Projekt seinen Namen gab. "Wir haben uns hier nicht nur einen Traum erfüllt, sondern eine Vision in die Realität geholt", sagt Barbara Graf, die sich zusammen mit ihrem Mann Daniel Robert, unterstützt von den erwachsenen Kindern Emanuel und Elena, an dieses große Projekt gewagt hat.

Der Anfang sei nicht leicht gewesen, berichtet die Hausherrin, erst nach zähen Verhandlungen habe man die zuständigen Behörden für die Idee gewinnen können, auf dem eigentlich als Gewerbegebiet ausgewiesenen Gelände ein Unternehmen mit musischer Prägung errichten zu dürfen. Aus weitem Umkreis kommen seither Liebhaber der klassischen Musik nach Laufen, werden ihnen doch hier Konzerte auf höchstem Niveau geboten, was sich den vielfältigen Verbindungen der Cellofamilie Graf verdankt.

Es ist das Instrument, mit dem Barbara Graf, ihr Mann Daniel Robert, ihr Sohn Emanuel und ihr Neffe Andreas Karriere gemacht haben im In- und Ausland. Für die Violine haben sich schon früh die Töchter Elena und Nicola entschieden, beide sind als Solistinnen am Staatstheater Stuttgart tätig, was beim familiären Musizieren eine erweiterte Auswahl der Kompositionen ermöglicht.

Zufall oder Fügung – der Grundriss des im mediterranen Stil gehaltenen Ensembles inmitten von Reben und Obstplantagen und mit Blick auf den legendären Castellberg ist ein Dreieck, und passt somit zum Namen des Zentrums. Die Vorstellung, inspiriert von der Schönheit der Landschaft die Realität des Lebens abzubilden, habe sich voll und ganz verwirklichen lassen, so Barbara Graf.

Konzertsaison beginnt am kommenden Sonntag

Darin ist sie sich mit den beiden Malerinnen Gerlinde Dettling und Micaela Bauer einig, die zwei der insgesamt sechs Wohneinheiten als Ateliers nutzen. Beide zeigen gelegentlich ihre Arbeiten auch an den hohen Wänden des Konzertsaals. Dazu machen hier immer mal wieder Bildhauer und Grafiker im Kulturzentrum Station.

Zur Eröffnung der Konzertsaison am kommenden Sonntag, 16. September um 16 Uhr, erwarten die Grafs das "Hegel-Trio" mit Werken von Dvorak, Mozart, Bartok und Kodaly. Eine musikalischen Reise durch Osteuropa unternehmen die Violinistin Natalie Chee, ihre Kollegin Emily Körner, ebenfalls an der Geige, und Paul Pesthy (Viola). Alle drei gehören als Solisten zum SWR -Symphonieorchester Stuttgart.

Der Oktober wartet mit einer ganzen Reihe sehr unterschiedlicher Veranstaltungen auf, beginnend mit einem Tangokonzert am 5. Oktober. Tags darauf am, Samstag gibt es als Abschluss eines Meisterkurses ein Fagottkonzert, bei dem unter anderem die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach erklingen werden. Am Sonntag, 14. Oktober, werden die Grafs die zwölf internationalen Cellisten der "Cellifamily" begrüßen, die 2006 von ihnen selbst gegründet worden ist mit dem Anspruch, die Musik als soziale und verbindende Kraft hörbar zu machen. Die Leitung hat der 92-jährige Erik Deckert, der letzte noch lebende Schüler des berühmten Cellisten Pablo Casals. Er hat angekündigt, dass es sein letztes Konzert werden soll.

Zwei Wochen später, am Sonntag, 28. Oktober, kommt noch einmal der Tango zu Wort mit dem "Trio à Trois", bestehend aus Peter Wöpke, Violoncello, Peter Ludwig, Piano, und Arben Spahiu, Violine. Bis zum Ende des Jahres folgen noch zahlreiche weitere Programmpunkte, ehe das künstlerische Jahr im Kulturzentrum, dem auch ein Förderverein angeschlossen ist, am Tag vor Heiligabend mit einem Kerzenscheinkonzert endet.