Hochverzwickter Hotzenwälder Heimathumor

Roland Gutjahr

Von Roland Gutjahr

Mi, 10. Januar 2018

Elzach

Herzhaft, deftig und sehr witzig ging es her beim Theaterstück "D’ Hotzeblitz" des Vereins Hond un Gosche / Der Lohn: Dreimal hintereinander ein ausverkauftes Haus .

ELZACH. Dreimal hintereinander ein volles Haus – wenn die Elzacher Theatergruppe Hond un Gosche wieder spielt und ihr Stück auch noch "D’ Hotzeblitz" heißt, ist Erfolg garantiert. Herzhaft und deftig ging es zu, gekonnt gespielt von allen Akteuren.

Der Karlsruher Karl Wittlinger, von dem das bekannte Stück stammt, lässt den Schauspielern alle Möglichkeiten, sich "alemannisch zu entfalten", was vor allem Alexander Bartholomä m als d’Bur Jakob, Alexander Wehrle als Neffe Hugo sowie Daniel Ammon als Knecht Michel mit gekonntem Mimenspiel deftig unterlegten. Als Urvieh wurde Hugo im Programmheft präsentiert, was man sicherlich noch als alemannisch durchgehen lassen kann. Aber wie nennt man das "weibliche Stück", wo Melanie Küng als Hugos Schwester Marlies den Laden auf und um den Hof schmiss – warum denn nicht Urviechin als Kompliment für ihre schauspielerischen Leistung!

Fast jeder im südwestdeutschen Raum kennt den "Hotzeblitz", bei dem man bei älteren Bauernhöfen, die zunächst gut versichert werden, mittels einer Kerze dem Blitz ein wenig nachhilft. Alte Höfe gab es früher viele, besonders im armen Hotzenwald, woher auch der Name "Hotzeblitz" kommt. Schlecht allerdings, wenn es hierbei Mitwisser gibt, wie bei Bauer Jakob Hahn, wo Nichte Marlies und Neffe Hugo die "warme Renovierung" des Hofs mitbekommen haben. Sie ha-ben somit ihren Onkel in der Hand und rechnen fest mit dem Hoferbe. Da ist aber auch noch Sarah Puscher als Medizinstudentin und Enkelin Bärbel. Da die beiden direkte Hoferben wären und ihre Tochter Bärbel keine Ambitionen auf Landwirtschaft hat, wäre eine Hofübergabe für Nichte und Neffe das Normalste. Zumal sie einen eigenen Hof direkt nebenan besitzen, von Bauer Jakob nur als "bessere Henne-Stall mit Spinnhuttle" bezeichnet.

Wie das Leben so spielt, meist kommt alles anders: Da taucht mit Florian Köpfer, der Ökologie-Student Sigi Petersen, Bärbels Freund aus dem hohen Norden, auf, der sich gleich auf Opas Hof wie im Paradies wähnt. Dann war da noch Ute Becherer, die glaubhaft die Notarin mimte, die ursprünglich mit Bauer Jakob einen Tauschvertrag bearbeiten wollte. Doch kurz bevor Frau Notarin ihren Auftritt hat, macht Bur Jakob anscheinend "de letschte Schnapper", wie Knecht Mic fachmännisch feststellt.

Jetzt kam in der bisher so gemütlichen Bauernstube große Hektik auf: Dem im Sessel liegenden toten Bauern den Unterkiefer hochgebunden und mittels Sackkarren in die im Raum stehende Truhe verfrachtet. "Der guckt jetzt d’Herdepfel vun unde o", war man der Meinung.

Nun sahen die Erbschleicher und Michel ihre Gunst der Stunde gekommen. Vor der Notarin gab sich Michel als Bauer Jakob aus, der wegen eines erlittenen "Schlägli" sein Testament machen wollte.

Aaaber. … Man vermutete, dass es der Saumist war, der den Bauer in der Truhe wieder zum Leben erweckte. Dies passte nun gar nicht ins Programm der Erbschleicher und sie entschieden, dass der Michel den Bur "himoche" müsse, Nichte und Neffe wollten derweil den Rosenkranz beten, vesperten aber doch lieber. Und der treue Knecht bringt es nicht übers Herz, den Bauern umzubringen.

Ein turbulentes, aber für alle akzeptables Ende sorgte für geordnete Verhältnisse. Wer einmal vom Elztal hinunter auf den Hotzenwald fährt, findet sicher auch den Bauernhof, auf dem es jetzt also fast nur glückliche Menschen gibt: Bauer Jakob Hahn, der sich freut über seinen Nachfolger, den norddeutschen Siggi, der inzwischen auch das Alemannische versteht, eine glücklich verheiratete Enkelin so wie einen zufriedenen Knecht Michel. Vorsicht sollte man weiter walten lassen vor der gestrengen Frau Notarin, aber auch vor dem Hof von Neffe und Nichte, denn bei Gewitter blitzt es nun mal gerne.

Unter tosendem Applaus dankte David Goldwich von der Fußball-Spielgemeinschaft Prechtal/Oberprechtal, die den letzten der drei Abende veranstaltete (die zwei anderen Abende veranstalteten die Sportfreunde Yach und der Theaterverein selbst) , den Schauspielern mit einem Präsent. Jede einzelne Rolle war den Mimen auf den Leib geschneidert. Ihre Anstrengungen bei und mit dem Alemannischen hatten sich gelohnt, wobei Siggi mit norddeutscher Mundart sich ebenfalls höchstes Lob verdiente. Keinesfalls darf man Sonja Kuhn vergessen, die aus dem Untergrund die Schauspieler als Souffleuse unterstützte. Und der große, dreimalige Erfolg ist natürlich ein Verdienst von Regisseur Dietmar Holzer, der mit dem "Hotzeblitz" ein einzigartiges Stück ausgesucht und einstudiert hatte. Last, but not least: Theater-Gong Schläger Jens Neubauer, der als britischer Butler potz-Hotzeblitz das Publikum begeisterte.