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26. Januar 2012 19:01 Uhr

Höchenschwand/Kreis Waldshut

Hochansteckende Augenkrankheit breitet sich aus

Die Augen brennen, sind rot und schmerzen: Im Kreis Waldshut treten vermehrt Fälle einer Bindehautentzündung auf. Zwei Augenarztpraxen mussten schließen – wegen der hohen Ansteckungsgefahr.

  1. Im Kreis Waldshut breitet sich eine hochansteckende Augenkrankheit aus. Foto: Gerhard Seybert - Fotolia.com

Wegen der großen Ansteckungsgefahr der Keratoconjunctivitis epidemica, im Volksmund Augengrippe genannt, hat sich das Team der Ärzte Korff, Entenmann und Geldreich entschlossen, die Praxen in Waldshut und Höchenschwand für einige Tage zu schließen. In dieser Zeit werden die Räume komplett desinfiziert.

"Diese Erkrankung tritt jedes Jahr auf, jedoch war sie seit zwölf Jahren nicht mehr so heftig. Wir haben etwa 100 Fälle im Landkreis", sagt die Ärztin Beatrix Entenmann. Schon in den Tagen vor der Schließung hat das Praxisteam reagiert: Kranke hielten sich nicht im Wartezimmer mit den anderen Patienten auf, sondern separat in einem abgelegenen Raum. Eines hatten die dort Sitzenden gemeinsam: Jeder blickte aus rot gefärbten Augen in den Wartebereich. Und noch etwas fiel auf: Keiner der Patienten blätterte in einer Hochglanzzeitschrift.

Zwischen Ansteckung und Ausbruch können bis zu zwölf Tage vergehen

Die Zeit vom Anstecken bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt fünf bis zwölf Tage. Ansteckungsherde können Menschenansammlungen sein, genauso wie die Tastatur des Geldautomaten, der Auslöseknopf eines Fotoapparats oder der Schiebegriff des Einkaufswagens. Anstecken kann sich jeder, Säuglinge genauso wie Hochbetagte.

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Typisch ist der plötzlich einseitige Krankheitsbeginn mit massivem Tränenfluss, Rötung der Bindehaut, Brennen, starken Schmerzen, Schwellung des Oberlids sowie die teilweise schmerzhafte Schwellung eines Lymphknotens direkt vor dem Ohr, informiert die Ärztin. In der Regel kommt es nach wenigen Tagen zu einer (milderen) Beteiligung des zweiten Auges. Nach etwa zehn Tagen zeigt der Virus sein Gesicht: Es können punktförmige Trübungen der Hornhaut mit Blendungserscheinungen auftreten, die den Infizierten möglicherweise Wochen beeinträchtigen.

"Meine Frau musste mich herfahren, weil ich alles verschwommen sehe", berichtete ein Patient aus einer Nachbargemeinde am Mittwoch. Gegen den Erreger ist kein Kraut gewachsen. "Antivirale Medikamente zeigen wenig Erfolg, symptomatisch sind Tränenersatzmittel als Augentropfen in der Akutphase der Erkrankung sinnvoll", informiert Beatrix Entenmann, "doch jeder Körper muss selbst damit fertig werden".

Betroffene werden 14 Tage lang krankgeschrieben

Patienten, die sich angesteckt haben, sollten so gut es geht den Kontakt zu anderen meiden. Außerdem sollten sie nicht in den Augen reiben, denn die Viren werden über infektiöse Sekrete wie Tränenflüssigkeit von Mensch zu Mensch übertragen. Deshalb müssen die Betroffenen beispielsweise Wasserhähne, Tür- und Fenstergriffe, Lichtschalter und Telefone mehrmals täglich desinfizieren.

Die Entzündung klingt nach spätestens zwei bis drei Wochen ab. 14 Tage lang werden Betroffene krankgeschrieben, informiert das Gesundheitsamt in Waldshut. Wer infiziert war, gilt in der Regel gegen diesen Virenstamm als immun.

Mittlerweile ist die Zahl der Erkrankungen rückläufig – und doch treten noch vereinzelt Neuerkrankungen auf. Deshalb haben sich die drei Augenärzte Beatrix Entenmann, Rüdiger Korff und Daniela Geldreich zur vorübergehenden Schließung der Praxis entschlossen.

Eine Erklärung dafür, warum derzeit gehäuft Fälle im Kreis Waldshut auftreten, hat auch das Gesundheitsamt nicht. "Nach unserer Kenntnis gab es in der letzten Zeit auch in anderen Regionen Baden-Württembergs Krankheitsausbrüche", informiert Landratsamtssprecher Michael Swientek auf BZ-Nachfrage. Trotzdem bestehe kein Grund zur Beunruhigung: "Die erforderlichen Maßnahmen wurden eingeleitet", schreibt das Landratsamt. So seien etwa Arztpraxen und Krankenhäuser über das Auftreten der ansteckenden Entzündung informiert und betroffene Praxen in Sachen Hygiene beraten worden, informiert Swientek.

Weitere Informationen hält das Landesgesundheitsamt bereit.
Die Augengrippe
Die krankheitsverursachenden Adenoviren können bei Zimmertemperatur wochenlang überleben. Diese Viren können unter anderem auch Infektionskrankheiten der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts, der Leber und des Gehirns auslösen, informiert das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Erkrankte Personen sollten darauf achten, die Ansteckungsgefahr für ihr Umfeld zu minimieren. Dazu gehört es beispielsweise, separate Handtücher zu benutzen und keine Kosmetikartikel wie Gesichtscreme von anderen Personen zu verwenden. Nach jeder Berührung der Augen müssen die Hände gewaschen werden. Berührte Gegenstände sollten desinfiziert werden. Bis zur völligen Ausheilung sollten keine öffentlichen Bäder und Saunen besucht werden, informiert das Landesgesundheitsamt.

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Autor: Cornelia Liebwein und Kathrin Blum