Rivalitäten auf dem Hühnerhof

Cornelia Liebwein

Von Cornelia Liebwein

Sa, 25. August 2018

Höchenschwand

Mehrere Hähne werden schnell zum Problem.

HÖCHENSCHWAND. Nachdem Gockel Rudi vor eineinhalb Jahren in Form seines Sohnes Piddy von seinem Liebesleben eingeholt wurde, brach für ihn, Piddy und die 14 attraktiven Hennen einige Zeit später eine neue Ära an. Aber mit dem Eingewöhnen von Piddy in die Welt der Hühnerfamilie, holte sich Hühnerwirt Bernhard Frommherz erst einmal Zwist ins Gehege. Nicht die Bequemlichkeit des Domizils ließ für den alternden Rudi etwas zu wünschen übrig, stattdessen bestand er lange Zeit auf seinen Platz als "Hahn im Korb".

Seine Hoheit, Gockel Rudi, verbringt seine Tage damit, sein Territorium zu inspizieren, um Plätze auf ihre Bequemlichkeit für kleine Schäferstündchen zu überprüfen sowie ein strenges Auge auf Konkurrent Piddy zu werfen. Um Rudi zu gefallen, trotten ihm die Hennen brav hinterher. "Letztes Jahr", erzählt Bernhard Frommherz und blickt auf die Hühner, "hat eine der Hennen vier männliche und zwei weibliche Küken ausgebrütet, unter ihnen Piddy". Die Kleinen habe er zunächst getrennt von der Herde ein halbes Jahr großgezogen, berichtet Tierfreund Frommherz weiter. Als Kinderzimmer diente ihm der einstige Kuhstall. Doch ihm war auch klar, dass er später nicht vier Gockel integrieren kann.

Was aber mit vier Hähnen tun? Über viele Umwege, unter anderem auch einem Inserat in der "Badischen Bauernzeitung", fand er für jeden einen Abnehmer. Außer für Piddy. Ein leichter Wind bläht die Silhouette des Flügelkleides des herrschaftlichen älteren Hahns auf und gleich einem Fanfarenstoß lenkt er mit einem Kikeriki die Aufmerksamkeit auf sich. Der ungestüme Piddy dröhnt hinterher.

Vor etwa sechs Monaten dann begann seine Feuertaufe als Repräsentant einer neuen Generation im weitläufigen Hof. Intensiv und mit großer Akribie hat er sich gleich daran gemacht, der Damenwelt zu gefallen. In den Augen von Rudi meisterte dies Piddy aber weniger gut. Tatsächlich lauschten die Hennen zwar seiner melodischen Stimme, wenn sie ein Kikeriki krächzte, ansonsten straften sie ihn mit einer Dosis Geringschätzung, erzählt Frommherz. Gockel Rudi aber stolzierte siegessicher weiter.

Inzwischen nähert sich Piddy elegant einer Dame. Allerdings scheint er wieder einen ungünstigen Moment erwischt zu haben. Schon steuert Rudi galant durch die Reihen in dessen Richtung. Doch dieses Mal riss der Geduldsfaden von Frommherz und er entschied sich zu einer Standpauke. Gleichzeitig gab er der Schar zu verstehen, dass Piddy nicht hier ist, damit ihm vom intoleranten Gockel Rudi und seinem Harem das Leben schwer gemacht wird. Mit den Angriffen auf Piddy sei jetzt Schluss, sonst würden die Lernunfähigen ins Jenseits einziehen, drohte er ihnen. "Natürlich kann ich keinem von ihnen etwas zu Leide tun", sagt Frommherz aber hinter vorgehaltener Hand. Jedes seiner Tiere habe sogar das Recht auf das Gnadenbrot.

Doch hat die Einschüchterung anscheinend gesessen und inzwischen umkreisen immer mehr Damen auch Piddy. Wenn dann die Fülle an wertvollem Humusboden mit einem fürstlichen Angebot an Würmern durch die wendende Mistgabel von Frommherz noch zum Gute-Nacht-Bissen wird, ist für ihn der Himmel blauer als sonst. Danach geht es ab in die gemütliche Villa "Hühnerstall". "Denn inzwischen ist es etwa 19 Uhr und der Tag mit mehr als elf Stunden Ausgang beendet", betont Bernhard Frommherz.