Hörgenuss auf höchstem Niveau

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 22. Juli 2015

Gundelfingen

Cantemus und der Heiligkreuzchor Münchweier präsentierten in Gundelfingen die "Petite Messe Solennelle" von Gioachino Rossini.

GUNDELFINGEN. Es waren hinreisende Melodien, die am Sonntagabend die Gundelfinger Festhalle erfüllten, und bei manchen der rund 500 Zuhörer Gänsehautmomente bescherten. Der Kammerchor Cantemus und der Heiligkreuz-Chor Münchweier – begleitet von ausgewählten Solisten und zahlreichen Projektsängerinnen und -sängern – hatten unter Leitung von Bernhard Schmidt die "Petite Messe Solennelle" von Gioachino Rossini (1792 - 1868) präsentiert, ein frisches Werk, das unter die Haut geht, bei dem man auch gern mitsingen möchte.

Die kleine feierliche Messe (Petite Messe Solennelle) ist nicht ungewöhnlich klein, wie der Name es vermuten ließe. Immerhin erlebten die Zuhörer in der völlig überhitzen Festhalle in Gundelfingen einen Hörgenuss von rund 90 Minuten. Rossini komponierte die kirchenmusikalische Messe fünf Jahre vor seinem Tod als Auftragsarbeit. Sie gilt als das bedeutendste Werk seiner letzten Arbeitsphase und als eine seiner wichtigsten geistlichen Kompositionen. Rossini war bereits mit 30 Jahren ein erfolgreicher Opernkomponist. Er komponierte nicht nur sinnliche Opern, von denen der Barbier von Sevilla ihn berühmt machte, sondern schrieb auch zahlreiche Kochbücher – was man seiner Leibesfülle auch ansah. In dem späten Werk der Petite Messe Solennelle wird die tiefreligiöse Auseinandersetzung deutlich.

Der fast 100 Stimmen starke Chor erfüllte gleich zu Beginn mit einem mehrstimmigen dargebotenen Kyrie die Festhalle. Beim "Gloria" begleiteten sie mit großem Erfolg das eindrucksvolle Solistenquartett des Abends: Gesa Mertens, die einen kraftvoll und strahlend Sopran sang; Lena Sutor-Wernich mit ihrer wunderschönen Altstimme und Karsten Müller, der einen kräftig ausdrucksstarken, und die Tiefen auskostenden Bass hören ließ.

Besagte Gänsehaut verursachte die Stimme des Tenors Alvaro Zambrano – klar und kräftig schwang sie durch die Halle. Seit der Saison 2013/14 ist der aus Chile kommende Tenor festes Ensemblemitglied an der Deutschen Oper in Berlin.

Bis zum Ende der Messe hörten die Zuhörer jede Kombination der Solisten und der Chorsänger. Die vier Solisten waren ausdrucksstark und meisterten die langen Fugen. Der Chor folgte mit farbenreicher, stimmlicher Substanz. Gehaltvoll begleitet er die Solisten beim Credo und beim Sanctus und untermalte mit spielerischer Leichtigkeit den ausdrucksstarken Gesang von Lena Sutor-Wernich beim Agnus Dei. Danach gab es tosenden Schlussapplaus.

Besonders eindrucksvoll war die Pianistin Christine Schandelmeyer, die zusammen mit Sebastian Bausch am Harmonium den Chor und die Solisten begleitete. Das Harmonium, ebenso wie der Flügel, wurde eigens für den Abend gemietet. Beide Musiker erwiesen sich als wahre Tastenkünstler aber auch als ausgezeichnete Solisten, etwa beim Prélude religieux. Der Chor, die Gesangssolisten und die Instrumentalisten wurden dem vielseitigen Anspruch des Werkes mehr als gerecht.

Info: Der Kammerchor Cantemus wurde 2012 gegründet; rund 50 Mitglieder verbindet das gemeinsame Interesse an der Aufführung vorwiegend geistlicher Musik; bei Fragen: http://www.schmidt-bernhard.com