Als Diersburg Touristenort wurde

Frank Leonhardt

Von Frank Leonhardt

Mo, 06. November 2017

Hohberg

Beim Fest zu 60 Jahren Heimatverein Hohberg erzählten Mitglieder so manche Anekdote / Eine Gast blieb für immer durch Heirat .

HOHBERG. 60 Jahre Heimatverein Hohberg, diesen runden Geburtstag haben die Mitglieder und Gäste am Samstagabend im Albert-Schweitzer-Saal in Diersburg mit etlichen Zeitzeugen gebührend gefeiert. Hatte der Verein erst dieses Jahr Satzung und Namensgebung geändert, so wurde in der Feier vor allem an die früheren Jahre erinnert, als er sich als Verkehrsverein vor allem für die Werbung von Feriengästen einsetzte.

Von Anfang an dabei ist Ehrenmitglied Christel Vetter, die lebhaft von der Entwicklung des Fremdenverkehrs in Diersburg berichtete. Sie gehörte auch zu den Ersten, die in ihrem Haus Zimmer für Gäste aus dem Rheinland anbot. Was 1955 ein kleiner Kreis von Diersburgern besprach, wurde am 25. März 1957 mit der Gründungsversammlung des Vereins in die Tat umgesetzt. Vetter erzählte von der Zeit des Aufbruchs nach dem Krieg, der sich in den 50er- und 60er-Jahren zu einem Reiseboom entwickelt habe. Auf diesen Zug wollte man aufspringen.

Und so wurden Kontakte zu Reiseunternehmen in Düsseldorf aufgenommen, die die Schönheit des Schwarzwalds priesen und alsbald mit Bussen den Weinort Diersburg ansteuerten. 40 Familien hätten damals Zimmer in ihren Häusern für die Gäste freigemacht, der Verein habe die Vermittlung übernommen. Christel Vetter erinnerte daran, wie ihr Vater den Vermietern signalisierte, wenn ein Bus vor dem Gasthaus Hirsch eintraf: Nachdem das erste Mal die Sirene auf dem Rathausdach für diesen Zweck missbraucht wurde, habe ihr Vater für mehrere Jahre eine lautstarke "Knall-Einrichtung" in seinem Garten in Gang gesetzt, die das ganze Dorf über die Ankunft der Feriengäste informierte. Nicht nur die Vermieter, sondern große Teile der Bevölkerung seien dann mit Leiterwagen und anderen Gefährten zum Ankunftsplatz gepilgert, um die Gäste in Empfang zu nehmen. Manch einer jener Feriengäste blieb übrigens für immer: Die anwesende Gerda Meier kam als junges Mädchen 1959 aus Erkrath mit dem Bus an. Sie erinnert sich daran, dass vom Düsseldorfer Reiseunternehmen als Attraktion das neue Freibad angepriesen wurde – leider sei dieses aber noch nicht dicht gewesen; eine kleine Pfütze in der Aushebung im Hintertal lud nicht zum Baden ein. Und Walter Meier erzählte der BZ, wie er beim Waldfest sofort Feuer an der hübschen Gerda fing und ihr ersatzweise mit dem Motorrad die Schönheiten des Schwarzwalds zeigte. Vier Jahre später folgte die Heirat, Gerda zog nach Diersburg, aus der Ehe gingen drei neue Diersburger hervor.

Im Zeitalter von Internet müsse der Verein jetzt nicht mehr für die Vermittlung der Gäste zuständig sein, sagte eingangs des Abends der zweite Vorsitzende Hans-Jürgen Gebhardt. Jetzt gehe es um die Kultur im Dorf, die Veranstaltung von Heimatabenden, die Betreuung von Waldlehrpfaden und anderen Aktivitäten, die der kulturellen und touristischen Erschließung dienen. In diesem Zusammenhang wies der Vorsitzende des Vereins, Bürgermeister Klaus Jehle, auf eine seit vielen Jahren feste Einrichtung hin, die "Bänkli-Männer", die sich ehrenamtlich um den Erhalt von mittlerweile 88 Rastbänken in der Gemeinde kümmern.