Mein schönster Platz

Die Kulissenwerkstatt der Hohberger Bühnen ist sein Reich

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Fr, 17. August 2018 um 16:53 Uhr

Hohberg

Wohl dem, der einen Ort hat, wo er Kraft schöpft und sich pudelwohl fühlt. Arnold Bühler ist am liebsten in der Kulissenwerkstatt des Amateurtheaters "Hohberger Bühnen".

Wohl dem, der einen Ort hat, wo er Kraft schöpft und sich pudelwohl fühlt. Die BZ hat Menschen nach diesen Orten gefragt. Der Lieblingsplatz von Arnold Bühler aus Diersburg ist die Kulissenwerkstatt des Amateurtheaters "Hohberger Bühnen".

"Das hier", sagt Arnold Bühler und dreht den Schlüssel im Schloss, "ist unser Reich." Bühler betritt einen Raum, in dem Bohr- und Fräsmaschine sowie Stichsäge stehen, auch Flex-, Kreissägen und Werkbänke sind da. An den Wänden hängen sauber aufgereiht Werkzeuge. Ein großes Fenster gibt den Blick auf bewaldete Anhöhen frei. "Hier haben wir Platz und eine schöne Aussicht", sagt Arnold Bühler.

Und auch wenn es der 68-Jährige eigentlich gar nicht vorhatte, ist er doch der Chef der Abteilung Theater- und Kulissenbau geworden. "Zumindest sagen alle Chef zu mir, dann muss es wohl so sein", sagt Arnold Bühler ohne Koketterie.

Noch heute ist er mit dem Verein verbunden

Arnold Bühler ist eigentlich Fußballer mit Leib und Seele. Der gebürtige Lahr-Reichenbacher, der mit 14 Jahren mit der Familie nach Diersburg kam, trat 1968 dem Fußballverein bei. Jahrzehntelang war er im Vorstand, davon zwölf Jahre als Vorsitzender. Noch heute, als Ehrenvorsitzender, kümmert er sich um die Bandenwerbung und ist bis heute mit dem Verein verbunden.

Fügung oder nicht? Fast zeitgleich mit seinem Abschied bei den Kickern wurde 2007 das Dorfjubiläum gefeiert, mit Freiluft-Festspiel mit 250 Darstellern. Arnold Bühler war zuständig für die große Bühne an der Felsrückwand. Noch heute schwärmt er davon: "Das hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen." Anderen ging es ähnlich. Auf der Welle der Begeisterung schwammen die Diersburger weiter und gründeten zwei Jahre später den Verein "Hohberger Bühnen". Für Arnold Bühler, heute pensionierter technischer Berufsschullehrer, war das der Startschuss in sein neues Engagement, den Kulissenbau.

"Auf eine Art und Weise geht’s immer", sagt der passionierte Handwerker, wenn er über die Bühnenbilder spricht, die er und sein zehnköpfiges Team erschaffen haben. Eine Big-Ben-Uhr mit detailliertem Zifferblatt und der flaschengrüne Kachelofen für den "Zerbrochnen Krug" sind die Beweise. 45 Kacheln hat er aus einer Hartschaumplatte gedreht. "Mit viel Staub", erinnert sich Bühler beim Gang durch die Werkstatt. Bescheiden sagt er: "Der Künstler bin ich im eigentlichen Sinne nicht." Eher der Praktiker. Einer, der prüft, ob Ideen umsetzbar und – auch das sei wichtig – finanzierbar sind.

Gemeinschaft ist Arnold Bühler wichtig

Das Theater ist eine Erfolgsgeschichte. In neun Jahren ist der Verein auf sechs Spielgruppen, unter anderem für Erwachsene, Kinder und Senioren angewachsen. Zum Zehnjährigen wird "In 80 Tagen um die Welt" mit 60 Personen in 90 Rollen auf dem "Marienhof" des CVJM gegeben. Eine Herausforderung, auch für Arnold Bühler. Neben der Hauptbühne gibt es drei Nebenbühnen mit Drehkulissen.

Momentan arbeiten er und sein Team an einer Reling für ein Schiff. Bühler streicht mit der Hand über den hölzernen Handlauf des Bauteils. Jeden Dienstag, von 19 bis 22 Uhr "wird hier geschafft". Danach sitzt man zusammen und trinkt was – das ist ihm sehr wichtig: "Das gehört dazu. Ich arbeite gern in der Gemeinschaft." Im Ehrenamt könne man ohnehin nur hoffen, dass alle freiwillig mitziehen: "Man kann ja niemanden zwingen. Ich glaube aber, ich kann begeistern und habe eine gewisse Ader, ehrlich rüberzukommen."

So entspannt wie Arnold Bühler jetzt die penible Ordnung im Kulissenlager und in der Werkstatt erklärt ("Alle Kulissen sind mit Foto katalogisiert, damit man sie schnell findet."), war er vor einiger Zeit nicht. Die Kulissenwerkstatt drohte, obdachlos zu werden, weil sie aus ihrem bisherigen Domizil ausziehen musste. Kurz vor knapp fand sich der leerstehende Kuhstall.

"Betonboden, sechs Stahlpfeiler und ein Dach" – nichts deutete darauf hin, dass dies mal sein Lieblingsort werden würde. Verkleidet, mit einer zweiten Ebene ausgestattet und mit abgetrennter Werkstatt, ist ein adäquater Arbeitsplatz daraus geworden. Alles in Eigenleistung. Mehrere tausend Euro hat der Verein reingesteckt.

"Hier haben wir Platz und eine schöne Aussicht." Arnold Bühler

Man spürt, dass der aufwändige Umbau und der Umzug aufregend waren für Arnold Bühler, der nach einem Infarkt vor Jahren eigentlich besser auf sein Herz aufpassen will. Aber man spürt auch, dass er stolz ist auf diesen Ort.

So professionell wie die Werkstatt sei im Übrigen der gesamte Verein organisiert, schwärmt er: "Das, was wir machen, hat Qualität." Das findet seine Frau auch. Im Team ihres Mannes ist sie unter anderem fürs Nähen zuständig. Zusammen haben sie drei erwachsene Kinder und zwei Enkel – und sind sich einig darin, dass der Ruhestand nicht (nur) dazu da ist, zu entspannen oder zu verreisen. Sie wollen sich einbringen. Bis "In 80 Tagen um die Welt" im Juli 2019 aufführungsreif ist, werden sie in der Werkstatt dazu noch viele Stunden Gelegenheit haben.