Hommage an die Überzeitlichkeit der Musik Bachs

Simone Barz

Von Simone Barz

Do, 10. Juli 2014

Ettenheim

Gregor Horsch und Pascale Went schlagen beim Ettenheimer Musiksommer eine Brücke von Bach zu Britten.

ETTENHEIM. Einen bedeutenden Sohn der Stadt haben die Musikfreunde Ettenheim am Sonntag zu ihrem Musiksommer geladen: Gregor Horsch und Pascale Went boten ein Cello-Rezital. Im Bürgersaal lauschten rund 140 Besucher den Klängen der beiden Violoncelli, die das Ehepaar zum Auftakt des Abends zum Klingen brachten.

Und was eignete sich besser für eine Musiksommernacht im Barockstädtchen als ein fein abgestimmtes Programm mit Barockmusik und ihren Folgen? Ausgewählte Werke von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) über Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) bis Benjamin Britten (1913 bis 1976) wurden mit erheblichem Erkenntnisgewinn einander gegenübergestellt.

Den Anfang machte die Sonate Nr. 10 des französischen Cellisten Jean Baptiste Barrière (1707 bis 1747), die leicht und beschwingt daherkam und gar nicht sperrig, wie es der Name des Komponisten vielleicht vermuten lassen könnte. Sie gehöre zu den Lieblingsstücken des Cellistenpaars, hatte Gregor Horsch zu Beginn verlauten lassen. Die Feinabstimmung der Instrumente sowie das leichthändige Spiel machten das für das Publikum leicht nachvollziehbar.

Mit dem zweiten Stück wurde Gregor Horsch dann zum Solisten: Bachs Suite Nr. 5 in C-Moll, ein Stück, das noch nicht allzu lang im Repertoire der Cellisten ist. Zu jedem neuen Programmstück erläuterte der Künstler Wissenswertes und forderte die Zuhörer zum aktiven Mithören auf. Er sparte auch nicht mit Anekdoten aus seiner Schulzeit und den Lehr- und Wanderjahren, die ihn in der Welt herumkommen ließen. Gregor Horsch ist ein Sohn der Stadt, in Ettenheim geboren und aufgewachsen. Hier ging er zur Schule und machte seine ersten musikalischen Schritte, die seine Karriere begründeten. Mittlerweile ist er erster Solocellist des berühmten Concertgebouws, dem königlichen Symphonieorchester in Amsterdam, in dem auch seine Frau spielt.

Mit welcher Finesse und Virtuosität Gregor Horsch in der Bach Solosuite sein Instrument bearbeitete, wie sich in seinen Bewegungen, seiner Mimik die Klänge spiegelten, erzeugte im Saal höchste Konzentration. Wäre von draußen nicht erstes Donnergrollen zu vernehmen gewesen, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Schweißgebadet und unter donnerndem Applaus beendete Horsch die Suite.

Mit frischem Hemd ging es nach 20 Minuten weiter. Ein Zeitsprung führte nach Großbritannien ins Jahr 1964. Nein, natürlich nicht die Beatles oder die Rolling Stones, sondern Benjamin Britten war nun an der Reihe mit seiner Suite Nr. 1 opus 72 für Violoncello. Der musikalisch den Avantgarde-Experimenten seiner Zeit reichlich abholde Britten begegnete während eines Konzerts mit dem russischen Cellisten Rostropovich den Bach-Suiten, die ihn derart begeisterten, dass er eine eigene Komposition mit ähnlichem Aufbau konzipierte. Dieses Opus ist so ausgesprochen vielseitig auf verschiedensten Ebenen, dass man beim Zuhören den Eindruck gewinnen konnte, mehrere Instrumente auszumachen, eine Bratsche, eine Geige, oder sogar ein Didgeridoo? Wenn man die Augen schloss, hatte man sogar den Eindruck, ein ganzes Orchester spielen zu hören, und nicht nur einen Solisten.

Zum Abschluss trat das Ehepaar dann noch einmal gemeinsam auf die Bühne des Bürgersaals, mit einem Werk des Italieners Luigi Boccherini (1743 bis 1805), neben Barrière der größte Cellovirtuose seiner Zeit. Die Sonate A-Dur ist getragen von einem heiteren, harmonischen Tempo, das insbesondere die (wenigen) jüngeren Besucher des Konzerts begeisterte. Nach nicht enden wollendem Applaus und einer Zugabe (Telemann) endete schließlich das Konzert. Zwei Stunden waren wie im Flug vergangen, und die Freude über die gelungene Darbietung war auf beiden Seiten, Publikum und Künstler, deutlich zu spüren. Beschwingt und mit einem leichten Lächeln wagten sich die Besucher hinaus in die gewittrige Nacht oder ließen noch bei einem Gläschen im Foyer den schönen Abend Revue passieren. Bleibt zu hoffen, dass Gregor Horsch und Pascale Went in nicht allzu ferner Zukunft wieder einer Einladung der Musikfreunde Ettenheim zu einem Gastspiel in der alten Heimat Folge leisten.