Homogener und funkelnder Klang

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 17. April 2018

Klassik

Das Fukio Saxophonquartett spielte im Rittersaal von Schloss Beuggen auch Originalwerke.

Die Saxophonfamilie war versammelt beim jüngsten Konzert im Rittersaal von Schloss Beuggen. Zu Gast war erstmals in der Reihe der Schlosskonzerte das junge, preisgekrönte Fukio Saxophonquartett, das nicht nur Bearbeitungen berühmter Kammermusikwerke, sondern auch Originale für diese besondere Besetzung mitgebracht hatte. Besetzt ist das an der Hochschule in Köln gegründete Ensemble mit vier exzellenten spanischen Musikern, Joaquin Saez Belmonte, Xavier Larsson Paez, Jose Manuel Banuls Marcos und Xabier Casal Ares, die an Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon einen wunderbar homogenen, ausgefeilten, farbenreichen Klang entfalten.

Dies war schon eingangs in drei Sätzen aus Dvoráks "Amerikanischem Streichquartett" zu hören, die in dieser Saxophonversion alles hatten, was es für Dvorák braucht: kantables Spiel mit weichen Linien und weitgespannten melodischen Bögen im Lento, geschmeidigen, schwelgerischen Klang, biegsame spieltechnische Agilität im Kopf- und Finalsatz, viel Einfühlung in das spezielle Kolorit, die blühende Melodik, die Weite, Sehnsucht und Wehmut evoziert. Auch Edvard Griegs Suite "Aus Holbergs Zeit", eigentlich für Orchester, erklang sehr facettenreich und differenziert ausgehorcht in dieser Übertragung auf Saxophonstimmen. Das Heiter-Festliche des Präludiums brachte das Quartett ebenso vorzüglich zur Wirkung wie die tänzerischen Charaktere und barockisierenden Elemente in den Tanzsätzen Gavotte und Rigaudon. Weich und sanglich, mit nobelster Tongebung, feingesponnen in den Linien, spielte Fukio die Sarabande und die ruhige Air.

Auch Klassiker und Preziosen der französischen Bläsermusik hatte das Ensemble im Programm. Etwa ein Andante und Scherzo von Eugène Bozza, ersteres subtil und zart in den Saxophonstimmen ausgehorcht, letzteres höchst quirlig, vif und bläsertechnisch glänzend in den schnellen Läufen. In dem dreisätzigen kleinen Saxophonquartett von Jean Francaix schöpften die Interpreten geistreich, voller Esprit und Elan die Farben und Klangmöglichkeiten der Saxophone aus: die Nähe zur menschlichen Stimme im elegischen, lyrischen Satz "Cantilene", aber auch den pointierten Spielwitz, den Humor, die Ironie und sprühende Vitalität im ersten Satz und in der Serenade comique.

Ein spannendes Klangerlebnis waren zeitgenössische Originalkompositionen, in denen Fukio das Klangspektrum der Saxophone bis an die Grenzen und bis hinein in die Klangperformance ausreizte. Etwa in einem Stück von Robin Hoffmann: Da setzen die Saxophonisten wirkungsvoll experimentelle Spieltechniken und eine ganze Palette an Effekten bis ins Geräuschhafte mit Anblasgeräuschen ein und spielen auch mal ohne Mundstück, um einen trompeten- oder hornartigen Sound zu erzeugen. Das war schon der reinste instrumentale Thriller, eine packende Klanginszenierung, eine Art Hörspiel mit unheimlichen, bis ins Schrille reichenden Hitchcock-Effekten, mit Zuggeräuschen, Pfeifen, Stampfen. In zwei Stücken aus einer Suite von Guillermo Lago entwarfen die Saxophonisten eindrückliche Städteporträts. Darunter waren Klangeindrücke von Sarajevo, geprägt von Bedrohung und den Schatten des Krieges in Klängen voller Schärfe und Heftigkeit, und ein Klangbild von Tokio, kontrast- und facettenreich zwischen lautstarkem, grellem Großstadttrubel und ruhigen Momenten. Zum Schluss spielte Fukio noch etwas Spanisches: ein Tanz aus Manuel de Fallas "La Vida Breve" als Zugabe.