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22. Dezember 2011
Die Top 11 aus 10 Jahren
Zum Abschluss des Jubiläumsjahres hatte der Musikverein Horben zum Weihnachtskonzert geladen.
HORBEN. Das Programm von Weihnachtskonzerten ist durch die Jahreszeit ja eigentlich bereits vorgegeben. Umso ungewöhnlicher nahm sich da das Programm des Weihnachtskonzerts des Musikverein Horben aus, das weitgehend auf weihnachtliche Stücke verzichtete. Aber es ist ja auch kein gewöhnliches Jahr für die Blasmusiker, die 2011 das 100-jährige Bestehen ihres Vereins feierten.
"Wir wollten zum Abschluss des Jubiläumsjahrs etwas Besonderes machen", meinte der Vorsitzende des Musikvereins, Benjamin Kindle, zur Programmgestaltung. Wo bei normalen Konzerten hauptsächlich der Dirigent für die Ausarbeitung des Programms zuständig ist, konnte sich Hubert Amann diesmal entspannt zurücklehnen, denn die Musiker selbst legten fest, welche Lieder sie beim Weihnachtskonzert spielen wollen. Aus 140 Liedern, die der Verein in den vergangenen zehn Jahren gespielt hatte, wählten alle Musiker ihre persönlichen Favoriten. Die elf mit den meisten Stimmen schafften es dann ins Programm. Auch ein Weihnachtslied schaffte es in die Top 11: Der Bing Crosby-Klassiker White Christmas durfte das Konzert des großen Orchesters sogar eröffnen. Das war es dann aber auch mit der Besinnlichkeit. Schon das zweite Stück, Jacob de Haans "Oregon", entführte das Publikum in die Geschichte der Erschließung der nordamerikanischen Westküste, samt Eisenbahn und Pferdegalopp, die im Verlauf des Stücks immer wieder durchdrangen.Werbung
Mit ebenso viel Galopp – diesmal sogar im sprichwörtlichen Sinne – ging es weiter. Bei Rossinis "Wilhelm Tell Galopp" brillierte vor allem Günther Kenk am Xylophon. Schwungvoll ging es auch bei dem Walzer aus Schostakowitschs Jazzsuite Nr. 2 zu. "Sie können hier gerne auch dazu das Tanzbein schwingen", meinte Svenja Muckenhirn, die als Moderatorin durch den Abend führte, augenzwinkernd.
Auch wenn – wohl aus Platzgründen – niemand das Angebot annahm, hatten die Zuhörer trotzdem ihren Spaß an dem abwechslungsreichen Programm, das auch im zweiten Teil nicht an Spritzigkeit und Spielfreude nachließ. Humorvoller Höhepunkt war hier sicherlich eine herrlich unorthodoxe Samba-Version des Titellieds von Pippi Langstrumpf.
Auch eine klassische Polka hatte es unter die Favoriten geschafft. Dabei ist "Böhmischer Traum" sogar als Sieger aus der Wahl hervorgegangen. Ungewöhnlich, wenn man sich die Struktur des Blasmusikorchesters vergegenwärtigt: Ein großer Teil der Musiker ist unter 30 Jahre alt. Berührungsängste zu traditionelleren Klängen bestehen da aber offensichtlich trotz der Jugend keine.
"In den letzten Jahren hat sich sehr viel bei uns verändert, aber der traditionellen Blasmusik bleiben wir schon auch verbunden", meinte Kindle. Neben der großen Zahl junger Musiker sei es vor allem auch der große Anteil weiblicher Musikanten, der das Erscheinungsbild der Orchester verändert hat. Während laut Kindle früher kaum Frauen in den Reihen der Musikvereine aufgetaucht sind, besteht das Horbener Orchester heute zu mindestens zu fünfzig Prozent aus Musikerinnen. Offensichtlich sind sie sogar sehr erfolgreich, denn bei den Musikern, die im November die Prüfung zum bronzenen und silbernen Leistungsabzeichen bestanden hatten, sind überwiegend weibliche Namen zu lesen. Das silberne Leistungsabzeichen bekamen: Kathrin Hug, Theresa Schmidt und Katharina Schmidt. Bronze ging an: Patrick Hug, Jonas Zimmermann und Lena Schneider.
Eine besondere Ehrung wurde Gerhard Laub zuteil. Er wurde für seine Verdienste um die Jahrzehnte währende Kooperation mit einem Freiburger Fastnachtsverein zum Ehrenmitglied ernannt.
Nicht vergessen werden soll an dieser Stelle auch die Leistung der Jugendkapelle, die noch vor dem großen Orchester ihr Können zeigen konnte. Mit Stücken wie "Jazz Cats" und "Easy Rock" begeisterten die Nachwuchsmusiker das Publikum.
Mit dem Konzert, das mit fast vier Stunden Länge auch beinahe monumentale Dimensionen erreichte, verabschiedet sich der Musikverein Horben aus dem Jubiläumsjahr. Mit Schwung und Esprit wird es aber sicherlich auch 2012 weitergehen. Auch wenn Dirigent Hubert Amann dann wieder bei der Programmgestaltung tonangebend sein dürfte.
Autor: Michael Saurer
