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08. Februar 2012
Mit Kettenrasseln und Zähneklappern
Kinderchor führt beim Patrozinium in Horben Musical "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein" auf / Ganze Pfarrgemeinde feiert mit.
HORBEN. Die Horbener Barockkirche ist nach der Heiligen Agatha benannt. Das diesjährige Patrozinium fiel zur Freude der Horbener Pfarrgemeinde auf einen Sonntag und wurde deshalb besonders festlich begangen: mit Gottesdienst in der Kirche sowie Musik, einem Kindermusical und Bewirtung in der Festhalle.
Wie die im Jahr 1791 errichtete Barockkirche zu ihrem Namen kam, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Der Name erklärt aber die plakatgroße Darstellung des Ätna auf Sizilien, die beim Patroziniumsfest die Wand neben der Bühne in der Festhalle zierte und den auch heute noch aktiven Vulkan in seinen verschiedenen Stadien des Ausbruchs und dessen Auswirkungen zeigt. Denn die historische Agatha wurde auf der schönen Insel im Mittelmeer in frühchristlicher Zeit geboren, nachweislich im Jahr 225 in der Stadt Catania. Als sie 25 Jahre alt war, erlitt sie als Christin ein grausiges Martyrium: Es wird berichtet, dass der römische Statthalter von Catania um die junge Frau warb, jedoch abgewiesen wurde, woraufhin er sie gefangen nahm und foltern ließ, was zu ihrem frühen Tod führte.Werbung
In der Barockzeit liebte man solche Legenden und benannte viele neu errichte Kirchen nach vorzugsweise weiblichen Märtyrern, denen übel mitgespielt worden war. Agatha soll unter anderem mit Feuer gequält worden sein, weshalb bei ihr immer wieder Schutz vor Feuer und Lava gesucht wurde, wie etwa ein Jahr nach ihrem Tod, als der Ätna wieder einmal ausbrach und die Einwohner in ihrer Verzweiflung den Schleier der Agatha den Lavamassen entgegen gehalten und sie so zum Stillstand gebracht haben sollen. Seitdem wird der Schleier der heiligen Agatha als Reliquie verehrt.
Der düstere Hintergrund der Namensgebung ist inzwischen längst verblasst, weshalb der Namenstag der Heiligen Agatha in Horben denn auch fröhlich und unbeschwert begangen wurde. Den Auftakt bildete ein Festgottesdienst in der voll besetzten Barockkirche, gestaltet von Pfarrer Hubert Reichardt, Leiter der Seelsorgeeinheit Hexental. Mit deren Sitz Merzhausen war die Horbener Kirche von jeher verbunden. Kirchenchor und Musikverein wirkten bei der Feier mit.
Danach ging es in die Festhalle zum gemeinsamen Mittagessen, musikalisch begleitet vom Musikverein. Das vergangene Kirchenjahr von der letzten Fastnacht zur aktuellen ließen Pfarrer Reichardt und der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Bernhard Zimmermann, noch einmal lebendig werden. In vielen Fotos waren kirchliche und weltliche Feste, Ausflüge und als zentrales Ereignis der Papstbesuch festgehalten.
Ungeduldig erwartet von Groß und Klein öffnete sich dann der Vorhang zu einem Spektakel, für das Chorleiterin Claudia Walz zusammen mit dem mitgliederstarken Kinderchor, den "Agatha-Singers", lange geprobt hatte. Dabei herausgekommen war ein frisch-fröhliches "Grusical" mit dem Titel "Geisterstunde auf Schloss Eulenstein", erdacht, komponiert und getextet von Peter Schindler und schon seit langem ein Wunschprojekt des agilen Chors und seiner Leiterin. Sie dirigierte, selbst als Schlossgeist gewandet, ihre bleichgeschminkte Geisterschar, die sich mit Lust und Können in den nächtlichen Mummenschanz stürzte. Mit viel "Huhuh", Kettenrasseln und Zähneklappern kommentierten sie die Geschichte, teils gesungen, teils gesprochen, um den Schlossbesitzer Karl von Radau, seinen Widersacher Ritter Rabatz, einen zierlichen Rübezahl und andere skurrile Gestalten, denen eine zaubernde Hexe mit ihrer "Krachmaschine" ordentlich einheizte. Um dieses Ungetüm wird denn auch heftig gestritten, woraus sich ganz nebenbei ein kleines Lehrstück in Verhandlungstaktik entwickelt, gelenkt von den schlauen Geistern.Wirkungsvoll unterstützt wurde die Aufführung, die vielen schmissigen Songs begleitet am Klavier, von wechselnder Beleuchtung.
Zum "gruseligen" Erscheinungsbild der Schlossgeister hatten mit fantasievoller Maske die Mütter Natascha Wießler, Yvonne Schmitz und Daniela Klassen beigetragen – großer Applaus.
Autor: Anne Freyer
