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18. Januar 2012

Nur der Juli zeigte keine warme Seite

2011 war das bislang wärmste Jahr: Ein Rückblick auf das Wetter an der Messstation Horben.

  1. 2011 war ein Jahr mit viel Sonne und wenig Regen. Ab und zu gab es dennoch einen Regenbogen, wie hier im Sommer bei Ehrenkirchen. Foto: GollraD

HORBEN. 2011 ist das wärmste Jahr seit Beginn der regelmäßigen Instrumentenmessung. Mit mittleren 10,8 Grad Celsius war das Jahr in Horben das wärmste seit der Gründung der 600 Meter hoch gelegenen Station im Jahr 1974. Auch im Vergleich mit den bis 1781 zurückreichenden Annalen des Observatoriums Hohenpeißenberg/Bayern war das Jahr 2011 das wärmste. Nur der Juli war im Verhältnis zur Referenzperiode (1961-90) kälter, alle anderen Monate aber zu warm, allen voran der April mit einer Megaabweichung von 5,2°C.

Entsprechend der Temperaturanomalie fiel auch die Sonnenscheinbilanz sehr positiv aus. Mit insgesamt 2110 Stunden schien die Sonne in Horben 325 Stunden (plus 20 Prozent) länger als im langjährigen Durchschnitt. Mit 1130 Litern/qm fiel in Horben im vergangenen Jahr rund zehn Prozent zu wenig Niederschlag.

Winter 2010/11: zu mild
Trotz des ungewöhnlich kalten Dezembers war der Winter im Gesamtmittel noch um 0,5°C zu warm. Der Januar begann winterlich mit frostigen Temperaturen. Vom 5. bis zum 18. Januar jedoch herrschte frühlingshafte Witterung: Die Temperatur lag mit mittleren 7,4 Grad Celsius um 8 Grad Celsius über dem Normalwert. Diese ungewöhnliche Wärme führte dazu, dass der Januar insgesamt zu mild wurde, obwohl bis zum 31. Januar wieder hochwinterlich kalte Witterung herrschte. Der Februar zeigte sich überwiegend von seiner milden Seite. Lediglich zu Beginn und am Ende des Monats gab es kurze Frostperioden.

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Frühling 2011: rekordverdächtig

Der April war 1 Grad Celsius wärmer als ein durchschnittlicher Mai. Der Mai wiederum war um 0,4°C wärmer als ein normaler Juni und damit bereits ein "echter" Sommermonat. Das Frühjahr insgesamt war in Südbaden das wärmste, so weit man zurückdenken kann. Die Abweichung in Horben betrug beispiellose 3,6°C. Mit 785 Stunden erreichte der Sonnenschein im vergangenen Frühjahr einen einsamen Spitzenwert (gegenüber der Norm 155 %). Sorgen bereitete die anhaltende Trockenheit seit Februar. Vor allem die Landwirte waren von ungewöhnlicher Dürre betroffen. Die Gesamtbilanz des Niederschlags war rekordverdächtig gering: 192,9 Liter/qm Niederschlag wurden in der Summe der drei Frühlingsmonate errechnet, nur 60 % der Norm.

Sommer 2011: besser als sein Ruf

Gegenüber dem langjährigen Mittel der Referenzperiode (1961-90) war der vergangene Sommer in Horben um 0,7°C zu warm. Vor allem der August sorgte mit seiner Abweichung von +2,2°C für diese positive Temperaturbilanz, nachdem der Juli zuvor einen frühherbstlichen Eindruck hinterlassen hatte. Damit waren alle Sommer seit 1988 in ununterbrochener Reihenfolge gegenüber dem langjährigen Durchschnitt zu warm, ein Beweis für die nachhaltige Klimaerwärmung. Die Sommer sind in Horben in den letzten 37 Jahren seit Gründung der Station um beachtliche 1,4°C wärmer geworden. Niederschläge fielen über den gesamten Sommer verteilt. Insgesamt wurden in Horben pro qm 423,5 Liter Regen gemessen, 22 % mehr als im langjährigen Mittel.
Herbst 2011: zu warm
Mit mittleren 11,1°C war der Herbst gegenüber dem langjährigen Durchschnitt um 1,6°C zu warm. Noch nie seit Beginn der Messungen (1974) gab es zugleich so viele Rekorde: Die Sonne schien 502 Stunden, normal sind 383 Stunden. Niederschläge waren Mangelware. Mit 180,3 Litern/qm (normal 296 Liter/qm) wurde in Horben der trockenste Herbst seit 1985 registriert. Die mittlere Windgeschwindigkeit von 1,8 m/s (normal 3) ist der geringste Jahreszeitenmittelwert.
Winter 2011/12: später Auftakt
Der Dezember war unbeständig und sehr mild (Abweichung in Horben +2,8°C). Die anhaltende Westströmung brachte nur vom 17. bis zum 22. Dezember eine kleine Kältewelle mit kurzfristig Schnee bis in tiefe Lagen. Der Dezember zeigte sich mit 196 Litern je Quadratmeter extrem nass, nach nur 4 Litern im November. Die Sonne schien nur 24,2 Stunden.

Aktuelle Horbener Wetterdaten gibt es unter: http://www.brockhaus-wetter.de

Autor: Werner Brockhaus