Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. September 2011

Schmackhaftes aus Kräutern, Blüten und Wurzeln

UNTERWEGS IN DER HEIMAT: Petra Rehm-Hug vom Steinmühlehof in Horben bietet regelmäßig Kräuterwanderungen an.

  1. Petra Rehm-Hug Foto: Anne Freyer

HORBEN (fry). Kluge Frauen wussten es schon immer: Vogelmiere wirkt schleimlösend, Löwenzahn verdauungsfördernd, Mädesüß schmerzlindernd. Doch wo findet man diese Pflanzen mit den klingenden Namen, und wie sehen sie aus? Petra Rehm-Hug von Steinmühlehof in Horben weiß es und noch vieles mehr. Denn sie beschäftigt sich seit Jahren mit der faszinierenden Welt der Heilkräuter und hat einen Beruf daraus gemacht.

Wer sich in der Wohnstube der Steinmühle die Zusammensetzung der verschiedenen Produkte erklären lässt, die Petra Rehm-Hug aus den in Wald und Flur gefundenen Kräutern, Blüten und Wurzeln herstellt, sollte vorher gegessen haben - sonst läuft ihm/ihr ununterbrochen das Wasser im Mund zusammen. Da gibt es Liköre auf Walnuss- oder Zwetschgen-Zimt-Basis, andere mit Erdbeer-Lavendel oder Himbeer-Minze-Aroma, angesetzt mit Obstler aus der Region.

Die Suppenextrakte bestehen aus Karotten, Lauch, Sellerie und anderen Suppengemüsen aus dem eigenen Garten, mit Giersch und Meersalz zu haltbaren Grundlagen für Suppen und Soßen komponiert. Und erst die Konfitüren und verschiedenen Senf- und Chutney-Variationen – da ist eine ganz neue Welt des Schmeckens zu entdecken.

Werbung


"Ich setze traditionelle Rezepte mit modernen Mitteln um", so die Jungbäuerin von der Steinmühle. Denn sie köchelt ihre Köstlichkeiten zwar auf dem Holzofen, bedient sich aber moderner Küchenhilfen beim Zerkleinern und Dosieren. "Als ich vor 15 Jahren in die Steinmühle kam, war ich grade mal gut fürs Unkrautzupfen", erzählt sie amüsiert. Die gebürtige Karlsruherin hatte eine abgeschlossene Ausbildung als Elektronikerin hinter sich, als sie ihren späteren Mann Klaus Hug kennen lernte, dem sie dann auf seinen idyllisch gelegenen Hof, die Steinmühle am Ende der nach ihm benannten Sackgasse in Horben, folgte.

Aus dem Unkrautzupfen wurde wachsendes Interesse für die gezupften Kräuter, das zu einer Ausbildung in der in Freiburg-Vauban angesiedelten Heilpraktikerschule führte. Ab November dieses Jahres will Petra Rehm-Hug ihr beträchtliches Wissen durch eine einjährige Ausbildung zur Kräuterpädagogin, die in Bollschweil-St. Trudpert angeboten wird, noch erweitern.

Aber schon jetzt gibt sie ihre Kenntnisse gerne weiter und bietet regelmäßig Kräuterwanderungen an. Gleich vor ihrer Haustür beginnen die in der Regel zwei bis drei Stunden dauernden Rundwege zu den Schätzen der Natur. Wer sich bisher nur an der Blütenpracht freute oder achtlos an allem vorbeiging, was gemeinhin als "Unkraut" gilt, lernt die Pflanzen am Wegesrand mit ganz anderen Augen sehen. Da wird der Spitzwegerich zum Mittel gegen Insektenstiche, Juckreiz oder Sonnenbrand, da zeigen sich Frauenmantel, Brombeerblätter oder Gänsefingerhut wirkungsvoll gegen Blutungen, Halsschmerzen und Verletzungen, da erweisen sich Brunnenkresse, Meerrettich und Kapuzinerkresse, roh verzehrt, als antibakteriell und fördern Gundermann und Sauerampfer als Tees Entgiftung und Entschlackung – und das ist nur eine kleine Auswahl der Heilmittel, die die erfahrene Kräuterfrau von der Steinmühle erkennen hilft. Sie verrät auch, wie man sie aufbewahrt, um sie in der kalten Jahreszeit, wenn sie längst von den Wiesen und Feldrändern verschwunden sind, nutzen zu können: konserviert in Öl, eingefroren im Tiefkühlfach oder zu Tees getrocknet, die allerlei winterliche Beschwerden wie Schnupfen, Husten, Heiserkeit lindern – und das ganz ohne chemische Zusätze.

Die nächste Kräuterwanderung startet am 20. September an; Näheres unter info@wildundregional.de oder http://www.wildundregional.de oder Tel. 0761/290198.

Autor: fry