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29. September 2011 15:37 Uhr
VG Hexental feiert 40. Geburtstag
"Das Hexental hat mit der Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Geschichte geschrieben", sagte der erste Landesbeamte beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Helmut Unseld bei der Jubiläumsfeier der VG.
Die Feier fand an genau dem Ort statt, an dem die Verwaltungsgemeinschaft Hexental vor 40 Jahren gegründet wurde: in der "Frohen Einkehr" in Merhausen. Dort trafen sich die Bürgermeister der fünf Gemeinden Au, Horben, Merzhausen, Sölden und Wittnau und es gab auch ein Wiedersehen mit manchen, die sich bereits aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen haben. Die drei früheren VG-Vorsitzenden und Alt-Bürgermeister Werner Dammert, Erich Birkle und Eugen Isaak waren gekommen, Elmar Bitzenhofer, Vorgänger vom Auer Bürgermeister und wiedergewählten VG-Vorsitzenden Jörg Kindel, sowie die Bürgermeister Christian Ante, Markus Rees, Enrico Penthin und Markus Riesterer. Mit dabei aber auch Friedrich Treuheit, der zunächst als VG-Kämmerer und bis vor wenigen Monaten als VG-Hauptamtsleiter die Geschichte der VG vom Rathaus Merzhausen aus lange beobachtet und mitgestaltet hat.
Helmut Unseld sah in seiner Einladung zum Festessen auch eine Anerkennung für das gute Miteinander zwischen Landratsamt und VG, damals eine der Ersten im Land. Seit deren Gründung am 30. September 1971 habe sich vieles verändert, die Einwohnerzahl im Hexental habe sich verdoppelt, die EDV Einzug in die Rathäuser gehalten und die Zahl der hauptamtlichen Bürgermeister im Hexental sei von einem auf vier gewachsen. Nicht geändert habe sich aber die Notwendigkeit der kommunalen Kooperation. "Mut, nicht Kleinmut – Weitsicht, nicht Kirchturmdenken", seien hier gefragt und Voraussetzung für tragfähige Lösungen. Rechtliche Vorgaben einzuhalten sei hier wichtig, aber ganz besonders der "gelebte Geist des Miteinanders."
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Mut und Weitsicht haben nach Einschätzung von Helmut Unseld zum Beispiel die Gründungsväter bewiesen. Zu ihnen gehörte ganz maßgeblich Werner Dammert, damals Bürgermeister von Merzhausen. Nur nach langer Überlegung habe er sich bereit erklärt, 1969 als Nachfolger des früh verstorbenen Merzhauser Bürgermeisters Max Meyer zu kandidieren, erzählte Dammert den anwesenden Festgästen. Als er dann gewählt worden war, "war ich sicher, dass ich nicht Bediensteter der Stadt Freiburg werden wollte. Also musste ich kämpfen" – für den Erhalt der Selbstständigkeit seiner Gemeinde. Denn die Große Koalition aus CDU und SPD unter Führung von Ministerpräsident Hans Filbinger in Stuttgart hatte sich damals eine große Verwaltungsreform auf ihr Banner geschrieben, mit dem Ziel einer Vereinfachung der Verwaltung. Herzstück war die Gemeindereform, in deren Verlauf aus über 3500 Gemeinden im Land 1111 wurden – mittlerweile sind es weniger. Baden-Württemberg habe damals auf Freiwilligkeit gesetzt und finanzielle Anreize geboten für Gemeinden, die sich mit anderen zusammenschließen – die Realität, so Dammert, sei allerdings "freiwilliger Zwang gewesen" heißt: "Wenn die Gemeinden nicht handeln, handelt das Land". Im Hexental war die Sorge groß, zur Stadt Freiburg eingemeindet werden zu können.
Also galt es, die Initiative zu ergreifen, um dies zu verhindern. Dammert erinnerte an erste Treffen mit den Kollegen aus den Nachbargemeinden im Gasthaus Engel in Horben. "Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber die Einsicht, dass etwas passieren muss, war bei allen vorhanden". Drei Möglichkeiten gab es: die Eingemeindung zu Freiburg, die niemand wollte; die Bildung einer Einheitsgemeinde Hexental, die die geringsten Verwaltungskosten gehabt hätte, oder die Verwaltungsgemeinschaft, die allen Gemeinden Bestand und Mitspracherecht in der Verbandsversammlung bot.
Die Entscheidung fiel letztlich für die VG, sechs Jahre später, als drei Bürgermeister im Hexental ausschieden, kam die Diskussion um eine Einheitsgemeinde noch einmal auf, so Dammert – mit bekanntem Ergebnis. Bewusst sei 1971 in der Satzung festgelegt worden, dass jede Gemeinde unabhängig von ihrer Größe eine Stimme in der Verbandsversammlung hat, "die Angst der Kleinen vor der Großen war damit genommen". Mit Blick auf die derzeitige Diskussion um die Struktur und die künftigen Aufgaben der VG (die BZ berichtete) erklärte Dammert: "Wir haben seinerzeit gekämpft für die Verwaltungsgemeinschaft, es gibt auch heute keine Alternative dazu, sorgen Sie dafür, dass die VG weiter eine gute Zukunft hat".
Jörg Kindel, gerade wiedergewählter Vorsitzender der VG, betonte, die VG habe damals das Ziel der Eigenständigkeit der Gemeinden gehabt. Das sei auch heute ihr Ziel, allerdings seien mittlerweile einige Gemeinden eigenständiger als 1971 geplant. Die VG habe sich als leistungsstark und anpassungsfähig erwiesen. Nun gehe es darum, neu zu definieren, welche Aufgaben sie künftig für die Mitgliedsgemeinden erfüllen soll und welche nicht. "Es ist wichtig, dass wir so aufgestellt sind, dass neue Aufgaben erfüllt werden können."
Helmut Unseld mahnte die Festgäste, den Geist der Gründungsväter – Mut und Weitsicht – nicht aus dem Auge zu verlieren, dann habe die VG noch viele gute Jahre vor sich. "Achten Sie darauf, dass die VG keine Geschichtchen schreibt, sondern schreiben wir Geschichte".
Autor: Andrea Gallien
