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28. Dezember 2009 15:20 Uhr

Vogelschwärme im Hotzenwald

Beeindruckendes Schauspiel

Riesige Vogelschwärme sind in den vergangenen Tagen über dem Hotzenwald zu sehen gewesen. Es sind Bergfinken, die von dem in diesem Jahre großen Nahrungsangebot in der Region angelockt wurden.

  1. Bergfinken fühlen sich derzeit im Hotzenwald offensichtlich pudelwohl. Foto: Ingo Seehafer

Die Ferienregion Hotzenwald erlebte in der Vorweihnachtszeit einen Übernachtungsrekord der besonderen Art: Vermutlich über eine Million Gäste tummelten sich in den Erholungswäldern des südlichen Hotzenwaldes. Zum Bedauern der Touristinformationen waren es aber keine Urlauber sondern Bergfinken, die sich in Baumkronen kostenlos einquartierten und beim Ausschwärmen so manchen Wanderer an Hitchcocks Horrorfilm "Die Vögel" erinnerten.

Auf breiter Front und im kilometerlangen Zug schwärmten die meist aus Nord- und Osteuropa stammenden Zugvögel aus und verschmutzen dabei auch schon mal manche Autos mit Kot, wie der Badischen Zeitung berichtet wurde.

Nach Auskunft des Görwihler Vogelbeobachters René Apel waren die Schwärme ungewöhnlich groß und der Zeitpunkt ihres Erscheinens im Hotzenwald früher als gewöhnlich. Einen Grund für die Ansiedlung nannte auf Anfrage Rickenbachs Revierförster Werner Gebhardt. "Ich denke, das große Vorkommen an Bucheckern hat die Vögel angezogen." Bestätigt wird dies von den Experten der regionalen Vogelwarten in Radolfzell und Sempach/Schweiz. Professor Lukas Jenni, der über die Bergfinkenschwärme eine Doktorarbeit schrieb, informierte: "Ein gutes Nahrungsangebot führt die Vogelmassen in einem Gebiet zusammen, und die kleinen Bergfinken können auch bei Schneelagen von bis zu zehn oder 15 Zentimetern die Eckern freikratzen, ohne darin zu versinken." Erst wenn der Schnee zu hoch wird, suchen sie sich andere Überwinterungsquartiere, die oft im südwestlichen Teil von Frankreich oder auch in Norditalien liegen.

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Den einheimischen Tieren werden die Riesenschwärme nicht zur Konkurrenz, betonte Peter Berthold von der Vogelwarte Radolfzell: "In guten Fruchtjahren reicht die Waldmast für alle, und in diesem Jahr haben wir eine unglaublich große Zahl an Bucheckern." Für ihn gilt es durch Ringfunde als gesichert, dass in den Schwärmen auch Finken aus dem entfernten Sibirien mitfliegen. Im Frühjahr lösen sich dann die Zweckverbände auf und in kleineren Scharen fliegen sie ihre Heimat und Brutgebiete wieder an. Die beinahe globale Organisierung der Nahrungssuche und der Massendomizile sowie der Flugzeiten und Formationen läuft nach Auskunft der Ornithologen simpel ab. "Die Tiere sind auf solche Aktionen quasi von Geburt an programmiert und es dominiert ein Verfolgungsverhalten." Letzteres bedeutet, dass ein plötzlich in den Morgenhimmel startender Piepmatz mehrere andere Artgenossen automatisch zum Begleiten animiert.

Autor: am