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25. April 2009

Die Schuhe bleiben vor der Tür

In Rickenbach proben 14 Jugendliche aus dem Landkreis ein WG-Leben auf Zeit – ohne Fernsehen, mit viel Spaß.

RICKENBACH. Raus aus dem Hotel Mama und rein in die erste eigene Bude – wenn Jugendliche die Eltern verlassen, dann wartet nicht nur die große weite Welt. Mit dem Auszug heißt es auch, den Alltag allein zu organisieren mit allen seinen Vorteilen und Tücken. Viele Jugendliche versuchen es, nicht nur aus finanziellen Gründen, erst mal in einer WG. In Rickenbach konnten Jugendliche in dieser Woche ausprobieren, wie es ist, in einer Wohngemeinschaft zu wohnen. Die Badische Zeitung hat das Experiment besucht.

Eltern und eventuelle Kritiker können beruhigt sein – in dieser WG fanden in der vergangenen Woche weder ausschweifende Partys mit übermäßigem Alkoholkonsum bis weit nach Mitternacht statt, noch trieben die Jugendlichen die Nachbarn in Rickenbach mit überlauter Musik in den Wahnsinn. Vor dem evangelischen Jugendhaus in Rickenbach chillen – neudeutsch für entspannen – ganz ohne Stress ein paar der Mädchen, hinten auf dem Bolzplatz kicken die männlichen Mitbewohner. Der Empfang ist herzlich, die Jugendlichen berichten gern aus ihrem Alltag. Organisiert hat diese WG auf Zeit das Dekanatsteam der Katholischen Jungen Gemeinde, KJG, erklärt Caroline Huber, die aus Bad Säckingen in die WG auf Zeit gezogen ist. 14 Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren aus dem Landkreis sind der Einladung gefolgt.

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Ein wenig ähnelt die Atmosphäre dem in einem Ferienlager. Geschlafen wird in zwei großen Zimmern, natürlich nach Geschlechtern getrennt. Mit einem Augenzwinkern fügt schnell noch jemand hinzu, man sei ja schließlich "gut katholisch".

Dies solle keine spirituelle Woche sein mit einem festen Programm, geredet wird über Gott und die Welt, eben nicht nur über Gott. Einen Alltag gibt es auch, berichtet Anne Eggert aus Bad Säckingen: "Die Busverbindungen nach Rickenbach sind glücklicherweise ganz gut, am Vormittag gehen wir ganz normal zur Schule, Ausbildung oder Arbeit. Am Nachmittag treffen wir uns dann hier." Hausaufgaben wollen auch in der WG auf Zeit gemacht werden. Da sei schon alles etwas anders, lacht Michael Kenne aus Görwihl, "Hier gibt halt keine Eltern. Das ist schon eine neue Erfahrung, mit Leuten zusammenzuleben, die man zum Teil ja noch gar nicht kennt."

Die WG auf Zeit funktioniert offensichtlich gut. Überhaupt scheint die KJG-Gruppe aus dem westlichen Landkreis scheint recht gut organisiert zu sein. Wer rein ins Haus will, der zieht sich ganz selbstverständlich die Schuhe aus, "logisch" auch, denn was nicht reingetragen wird, braucht am Ende der Woche auch nicht sauber gemacht werden. Ein Putzplan existiert nicht, sagt Eva Koch aus Bad Säckingen, manchmal sehe es nach dem Essen in der Küche schon ziemlich wüst aus, doch irgendwann findet sich jemand, der es wegräumt. Stimmt, schon kurz nach dem Abendessen kann sich die Küche sehen lassen. In der WG auf Zeit kocht nicht zwangsläufig, wer es besonders gut kann, sondern der, der gerade will, er zählt Fabian Fleischer aus Murg-Niederhof und bietet den letzten Rest Chili con Carne an, den es kurz vor dem Besuch der Badischen Zeitung gab.

Am Abend sitzen die Jugendlichen in großer Runde, einen Fernseher gibt es nicht, ebenso wenig eine echte Nachtruhe, es gibt halt viel zu erzählen. Das sei schon etwas anstrengend, meint Sebastian Brosda aus Murg-Niederhof. Er ist mit 15 der Jüngste in der Runde und freut sich nach eigenem Bekunden auch wieder auf sein richtiges Zuhause: "Nach drei Tagen bin ich echt müde." Und auch Michael Kenne gibt zu: "Einen ganzen Monat würde ich das wohl gar nicht aushalten."

Autor: sun