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19. Mai 2010
Drei Quellen liefern Ersatz
Der Gemeinderat segnete bei fünf Gegenstimmen das Ersatzwasserkonzept der Schluchseewerk AG ab.
Der Herrischrieder Gemeinderat hat das Ersatzwasserkonzept, das die Firma Fritz Planung im Auftrag der Schluchseewerk AG ausgearbeitet hat, mit acht zu fünf Stimmen abgesegnet. Danach sollen die Hinteres-Rohr-Quelle, die Rüttmattquelle und die Schwandquellen einen Ausfall der Rohrquellen durch den Bau des Hornbergbeckens II gleichwertig kompensieren. Das ist notwendig, weil ohne einen Ersatz der Gemeinde im Extremfall knapp 200 Kubikmeter Wasser pro Tag fehlen könnten.
Extremfall hieße: Die restlichen Quellen schütten nur wenig Wasser, die Gemeinde hat rund 600 Einwohner mehr als jetzt, alle Bauplätze sind besetzt und dauerhaft bewohnt und außerdem haben sich ein Sporthotel sowie je ein weiteres Gasthaus und Pflegeheim in der Gemeinde niedergelassen – dann wäre ein maximaler Bedarf von 583 Kubikmetern pro Tag zu erwarten. Bei der Ermittlung des zukünftigen Bedarfs haben sich die Planer auf Anweisung der Gemeinde an dieser eher unrealistischen Annahme orientiert, um auf Nummer Sicher zu gehen.
Mit der Hinteres-Rohr-Quelle und der Rüttmattquelle wurden zwei schon erschlossene aber noch nicht genutzte Quellen ins Auge gefasst, deren Anlagen erneuert werden. Die Rüttmattquelle muss oberhalb der Kreisstraße neu gefasst, die Schwandquelle erst erschlossen werden. Man habe extra zwei schon erschlossene Quellen verwendet, um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, entgegnete Eduard Leiber, Geschäftsführer von Fritz Planung, Grünen-Rat Ulrich Gottschalk. Dieser hatte moniert, dass die Rohrquellen nicht durch ganz neue Quellen ersetzt würden, sondern durch welche, in die schon Steuergelder geflossen seien.
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Zusätzlich wird eine Verbundleitung zwischen den Hochbehältern Rütte und Tannacker angelegt, durch die im Notfall Wasser vom einen zum anderen Hochbehälter gepumpt werden kann. Der Hochbehälter Tannacker erhält eine UV-Desinfektionsanlage. Die Kosten für die notwendigen Bau-, Betriebs- und Unterhaltungskosten – rund 1,4 Millionen Euro netto – trägt die Schluchseewerk AG. Das gelte auch, falls die Gemeinde ihr überschüssiges Wasser an andere Gemeinden – Ulrich Gottschalk schlug Rickenbach vor – verkaufe. Marianne Laule (Grüne) wollte von Leiber wissen, ob die Nutzung der neuen Quellen für Wasserengpässen an anderer Stelle im Ökosystem führen könne. Das sei geprüft worden, versicherte der Planer. Zu solchen Engpässen könne es allenfalls an drei oder vier Tagen im Jahr kommen.
"Wir berauben uns selbst unserer besten und ergiebigsten Quellen", warnte Bernd Kühnel (CDU). Angesichts des Klimawandels sei es nicht gut, auf Reserven zurückzugreifen, die dann in der Not nicht mehr zur Verfügung stünden. In einem solchen Fall sei die Schluchseewerk AG verpflichtet, auf ihre Kosten weitere Quellen zugänglich zu machen, betonte Bürgermeister Christof Berger. Und Franz Albiez (Freie Wähler) ergänzte, dass es in der Gemeinde noch zahlreiche Wasservorkommen gebe.
Gegen die Stimmen von Hanspeter Kohlbrenner, Bernd Kühnel (beide CDU), Marianne Laule, Ulrich Gottschalk (beide Grüne) und Florian Freter (Freie Wähler) wurde das Ersatzwasserkonzept angenommen und der notwendigen Aufhebung der Wasserschutzgebiete für die Rohrquellen zugestimmt. Vorausgegangen war eine Diskussion, ob schon jetzt eine Entscheidung nötig sei. Bernd Kühnel wollte zuvor juristischen Beistand herbeiziehen, um sicher zu gehen, dass eine Zustimmung zur Ersatzwasserversorgung nicht gleichzeitig ein Votum für das Gesamtprojekt bedeute.
Christof Berger plädierte ebenso wie Erster Landesbeamter im Landratsamt Jörg Gantzer für eine sofortige Abstimmung. Das Schluchseewerk müsse die Ersatzwasserversorgung noch vor dem Baubeginn für das Becken auf die Beine stellen. Letztlich stimmte der Gemeinderat mit acht zu fünf Stimmen für das zügigere Vorgehen.
Autor: Katja Mielcarek



