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15. März 2010

Jeder einzelne muss ran

Herausforderungen durch die Bevölkerungsentwicklung waren Thema beim Podium uff’m Wald.

  1. Das vierte "Podium uff'm Wald" setzte sich zusammen aus (von links) Rainer Reisgies, Ausbildungsberater der IHK Schopfheim, Maria Hensler von der „Hilfe von Haus zu Haus e.V.“ aus Gaienhofen, den Moderatoren Karl-Heinz May und Peter Keck, Görwihls Bürgermeister Carsten Quednow, und Martin Riegraf, Geschäftsführer der Caritas Hochrhein Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

GÖRWIHL. In den vergangenen zehn Jahren hat Görwihl 300 Einwohner verloren – auch deswegen hat die vierte Veranstaltung der Reihe "Podium uff’m Wald" den provokativen Titel "Der letzte macht das Licht aus…" bekommen. Die Resonanz war groß.

Görwihls Bürgermeister Carsten Quednow sagte, die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben gemacht. Görwihl sei nahezu schuldenfrei und habe eine funktionierende Infrastruktur. Wie sich Einzelne mit ihren Initiativen einbringen könnten, habe zum Beispiel der Aufbau der Bibliothek gezeigt . Bezüglich der Bevölkerungsentwicklung warnte Quednow vor Panik. Die Zahlen seien in seinen Augen nicht dramatisch, Baulücken in ausreichendem Maße vorhanden. Er sehe die Zukunft Görwihls als ausbaufähiges Hinterland dann gekommen, wenn die Autobahn erst fertiggestellt sei.

Maria Hensler, die federführende Frau der "Hilfe von Haus zu Haus e.V." aus Gaienhofen, plädierte für menschliche Nähe, dafür, ein nachbarschaftliches Netzwerk zu schaffen und damit die Vorzüge des ländlichen Raums zu nutzen, statt seine Nachteile zu beklagen. Das mögliche Angebot reiche von der Hilfe für Alte und Kranke über Tagesmütterbereitstellung, Spielgruppen und Babysitterdienst bis zum Kochen für Kindergärten und Schulen. Nachbarschaftshilfen könnten für Alt und Jung gleichermaßen greifen. Es gelte, Visionen und Träume zu haben, gemeinsame Ziele zu formulieren, vor allem die Qualität des Zusammenlebens zu verbessern.

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Ehrenamtliche und professionelle Helfer sollten sich vernetzen

Caritas-Geschäftsführer Martin Riegraf erinnerte an die vorhandenen Angebote von Sozialstation und Demenzgruppe und empfahl, weitere Initiativen daran anzuknüpfen. Als ortsspezifischen Modelle nannte Riegraf das Familienzentrum in Rheinfelden oder die Schulverpflegung in Hohentengen. Als besonders wichtig für die Zukunft formulierte Riegraf das Umdenken innerhalb der Gesellschaft. Man müsse wegkommen vom Konkurrenzverhalten zwischen professionellen Dienstleistern und ehrenamtlichen Helfern hin zu einem vernetzten Miteinander. Bei seinem Schlusswort erinnerte Pfarrer Jörg Lichtenberg zudem an den Ende März startenden Bürgerbus als konkreten Ansatz.

Dass solche Konzepte vonnöten sind, zeigte die Zahlen, die Peter Keck präsentierte. Danach wird Deutschland im europäischen Vergleich mit einem prognostizierten Bevölkerungsrückgang von 28 Prozent bis zum Jahr 2030 Spitzenreiter sein. Die Jugendlichen werden im Verhältnis immer weniger, die Alten immer mehr. In den vergangenen zehn Jahren hat Görwihl 300 Einwohner verloren. Das entspricht sechs Prozent. Allerdings verwies Quednow darauf, dass in diesen zehn Jahren 3289 Menschen weggezogen seien, was bedeutet, dass rund 70 Prozent der Einwohner ausgetauscht wurden. Die größte Bewegung fand in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen statt. Außerdem habe Görwihl in den 80er Jahren einen relativ hohen Zuzug älterer Menschen zu verzeichnen gehabt, die ihren Ruhesitz in den Wald verlegt haben. Dass diese aber nicht zugleich ihre Familienstruktur mitverlagert hätten, mache sich mittlerweile stark bemerkbar.

Für Rainer Reisgies, Ausbildungsberater der IHK Schopfheim, geht die Tendenz dahin, weitere Wege in Kauf zu nehmen. Er riet, Jugendliche nicht in schulische Warteschleifen zu schicken, sondern vermehrt auf Unternehmen konkret zuzugehen. Quednow akzentuierte dagegen die Problematik, dass Pendler finanziell immer stärker belastet würden und durch den gängigen Schulalltag der Kinder die Idee, wegen der Naturnähe aufs Land zu ziehen, eigentlich ad absurdum geführt sei. Um die derzeit funktionierende Infrastruktur zu erhalten, sei jeder Einzelne gefragt, seine Kraft nicht nach außen zu tragen, sondern in der eigenen Gemeinde einzubinden – wie dies in vorbildlicher Art und Weise David Hügle am Klavier und die bewirtenden Ministranten an diesem Abend taten.

Autor: Karin Steinebrunner