Feier

Der trinationale Eurodistrict Basel besteht zehn Jahre

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 27. März 2017

Hüningen

Das Blickfeld erweitert. Der trinationale Eurodistrict Basel besteht zehn Jahre und bringt sich mit Veranstaltungen in Huningue, Lörrach und Basel in Erinnerung.

HUNINGUE. Seit zehn Jahren gibt es den Trinationalen Eurodistrict Basel (TEB). Den ersten runden Geburtstag feierten Vorstand, Vertreter der Mitgliederversammlung und des Districtsrats am Freitag in interner Runde in der Hüninger Stadthalle "Le Triangle". Zusammen mit Mitgliedern der ersten Stunde wurde einer Bilanz des Erreichten und Angestoßenen gezogen. Längst Geschichte sind die Zeiten, in denen Planungen an den Grenzen aufhörten. "Es war, als läge dahinter die Wüste", blickte Alt-Präsident Jean Ueberschlag augenzwinkernd zurück.

"Es gab nichts vorher", auch daran erinnerte der vormalige Bürgermeister von Saint-Louis und Hausherr bei der TEB-Gründungsversammlung am 26. Januar 2007 im dortigen Theater "La Coupole". Schließlich war Ueberschlag als Mitglied der allerersten Stunde schon mit von der Partie, als im Dezember 1995 Vertreter von Politik und Wirtschaft aus Südbaden, der Nordwestschweiz und dem südlichen Elsass auf einem beim Dreiländereck verankerten Schiff das Thema "Eine Zukunft zu dritt" diskutierten. Im Rahmen des TEB-Vorgängers "Trinationale Agglomeration Basel" (TAB) wurden für das damals auf den Weg gebrachte Entwicklungskonzept zwei Jahre später auch erstmals Mittel aus dem Interreg-Förderprogramm der EU beantragt.

An seine Verbeugung vor weiteren "Mitlokomotiven", wie dem früheren Lörracher Landrat Alois Rübsamen und den damaligen Leiter der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit Jürgen Orth, aber auch dem Saint-Louiser Jean-Jacques Brodbeck und dem Basler Planer Hans Wirz schloss Ueberschlag auch einige Mahnungen ein. "Wir ergänzen uns, stehen aber auch in Konkurrenz miteinander", so der Elsässer, der von 2009 bis 2011 zweiter TEB-Präsident war. Jeder sei weiterhin Herr im eigenen Haus und man habe durchaus schon Projekte beerdigen müssen, so etwa jegliche Abstimmung bei der Planung großer Einkaufszentren in Grenznähe: "Es war einfach unmöglich, das zu koordinieren."

Das Konfliktpotenzial wollte auch Ueberschlags Nachfolger beim TEB, der langjährige Basler Regierungspräsident Guy Morin nicht in Abrede stellen. Am Beispiel der eben erst gefundenen Einigung beim Steuerstreit am Euroairport hob Morin aber auch die große Bedeutung der dank des TEB exerzierten Politik der kurzen Wege hervor: "Ohne uns auf der regionalen Ebene zu kennen, würden wir nicht so schnell überregionale Lösungen finden." Einander zu vertrauen sei für das grenzüberschreitende Zusammenleben ebenso unabdingbar wie der freie Personen- und Warenverkehr als Wirtschaftsfaktor, womit Morin auf die Schweizer "Masseneinwanderungsinitiative" anspielte. Die Kooperation verhelfe den drei Partnern auch zu mehr Gewicht gegenüber den eigenen Regierungen.

Dasselbe Argument hatte auch für Walter Schneider das größte Gewicht in puncto TEB. "Der Berliner und Stuttgarter Blick endet normalerweise an der Südgrenze von Freiburg", so der frühere Lörracher Landrat (2004 bis 2012) und erste TEB-Präsident von 2007 bis 2009. Schon deshalb sei es so wichtig gewesen, sich gemeinsam zu positionieren: "Wir wollten die Dinge bündeln". Schneider legte indes auch den Finger in eine alte TEB-Wunde bezüglich der Wahrnehmung nach außen. Es sei von Anfang an um das gemeinsame Abstimmen, den Kontakt und die konstruktive Diskussion gegangen, die großen Projekte setzten andere um. "Der TEB wird keinen Meter S-Bahn bauen", betonte Schneider. Davon abgesehen sei er aber in Zeiten von überall neu aufkeimendem Nationalismus wichtiger denn je.

Den Bogen in die Zukunft schlug schließlich der frisch gewählte neue TEB-Präsident Lukas Ott. Als wichtiges Anliegen seiner Amtszeit nannte der Gemeindepräsident von Liestal den Ansatz "mehr in die Fläche zu arbeiten" und die Mitgliedsgemeinden stärker einzubeziehen. Ein neues Gremium werde deshalb nicht geschaffen, der Anfangsgedanke aber erweitert. "Der TEB wurde auch gegründet als ein Versuchslabor für neue Formen der trinationalen Zusammenarbeit", so der Präsident der basellandschaftlichen Kantonshauptstadt, auf diesem Weg gelte es weiterzugehen. "Ich glaube wir gehen den Weg nicht immer gerade", ergänzte die deutsche Vizepräsidentin Marion Dammann, die mit ihren Kollegen Jean-Marc Deichtmann aus Huningue sowie dem Riehener Heinrich Ueberwasser und aktuellen Präsidenten des TEB-Districtsrats mit auf dem Podium saß, "aber wenn nicht wir ihn gehen, wer dann?"