Fieber an der Paradiespforte

Guy Greder

Von Guy Greder

Sa, 14. Juli 2018

Saint-Louis

Das WM-Finale elektrisiert auch das Südelsass / Public Viewing in Village-Neuf und Saint-Louis.

SAINT-LOUIS. Französische Boulevardblätter wie Le Parisien wähnten ihre Landsleute nach dem Halbfinalsieg über Belgien in St. Petersburg bereits "an der Pforte des Paradieses", deren Erreichen auch in Saint-Louis und Hüningen gefeiert wurde. Am Sonntag haben Les Bleus gegen Kroatien, den für die Frankfurter Allgemeine Zeitung "sensationellsten Finalisten der WM-Geschichte", nun die Chance, das Paradies zu stürmen und den zweiten Titel für die Equipe Tricolore nach dem im eigenen Land 1998 zu erspielen. Auch im Südelsass steigt angesichts der paradieschen Aussicht das Fußballfieber.

Les Bleus, wie das Team in Frankreich kurz genannt wird, stehen im Finale und viele hoffen am Sonntag, also einen Tag nach dem Nationalfeiertag am 14. Juli, auf den zweiten Weltmeistertitel. Viele Schaufenster in Saint-Louis, Huningue oder Village-Neuf jedenfalls sind mit der blau-weiß-rot gestreiften Fahne dekoriert. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 erreichte der fremdenfeindliche und inzwischen umbenannte Front National von Marine Le Pen im zweiten Wahlgang im Mai noch fast 34 Prozent. Beim Fußball aber versammeln sich weite Teile des Landes einmal mehr hinter der multikulturellen Truppe, in der ethnische Hintergründe offenbar keine Rolle spielen.

Donnerstag und Freitag köchelte das Fußballfieber zwar noch auf kleiner Flamme. Doch am "Samstag wird es ansteigen" meint Jean-Jacques in Saint-Louis. "Es sind viele Autos mit Fahne zu sehen und in den Straßen und Fenstern hängen diese auch. Das sieht man nicht so oft. Das ist ein Zeichen, dass diese Finale die Leute begeistert", sagt Christiane, die aus einer Bäckerei in Hüningen kommt. Jean-Marc aus Hüningen schließlich ist fest überzeugt, "dass wir gewinnen" und es dann richtig losgeht auf den Straßen. Wer das Spektakel zuvor gern als öffentliches Gemeinschaftserlebnis mitverfolgen will, hat übrigens im Riverhin von Village-Neuf und im Forum von Saint-Louis die Chance. Dort wird Public Viewing angeboten.

Der Chef der Polizei in Saint-Louis, Commandant Bertrand Muesser, ist zwar auch nicht so begeistert vom Fußballfieber. Schon nach den Halbfinalen sei "eine enorme Risikobereitschaft" zu beobachten gewesen, stellt er fest. Die Feier nach dem Spiel sei oft sehr gefährlich, rasantes Tempo mit Beifahrern, die sich aus dem Fenster hängen und Fahrten durch dichte Menschenmenge könnten schnell zu Unfällen führen. Auch Feuerwerkskörper seien gefährlich, wenn so viele Leute dicht beieinander bejubeln. Zudem wurden nach dem Halbfinale in Hüningen in der Rue Eugène-Jung zwei Autos angezündet, und auch in Saint-Louis wurde mit Mülltonnen gezündelt, eine wurde hinter der Carrefour City angezündet, eine zweite im Zentrum der Stadt.

Gewisse Bedenken hegt die französische Community bei aller Zuversicht schließlich auch wegen des Schiedsrichters Nestor Pitana. Der nämlich stammt aus Argentinien und deshalb, so fürchten manche, fehle es an Neutralität. Schließlich hatte Frankreich das argentinische Team im Achtelfinale ausgeschaltet und schon 2014 bei der WM, als Frankreich im Viertelfinale an Deutschland scheiterte, hieß der Schiedsrichter Nestor Pitana.