Projekt 3-Land

Huningue plant ein kostspieliges Facelifting

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Di, 28. Februar 2017 um 20:39 Uhr

Elsass

Auf rund 30.000 Quadratmetern und mit einem bisher vorgesehenen Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro vor Steuern will sich die Stadt Huningue rheinseits ein neues Gesicht geben.

Mit einem Horizont bis 2022/23 sollen in dem ambitionierten Bauvorhaben 300 Wohnungen, ein Hotel sowie Laden- und Büroflächen entstehen. Das gestern in der Mairie von Huningue vorgestellte Projekt schreibt sich ein in die seit 2011 verfolgte Vision des trinationalen Stadtteils "3Land" (Info).

Von "Rheinhattan", einer Assoziation, die die ersten Bilder einer Hochhaus-Skyline auf der Rheinhalbinsel im heutigen Kleinhüninger Hafen hervorgerufen hatten, ist aktuell nicht mehr die Rede.

Während aber die weiteren Planungen in Basel und Weil am Rhein, vom Weiler Rheinpark abgesehen, noch in den Kinderschuhen stecken, konnte Huningue jetzt das erste wirklich konkrete Bauprojekt vorlegen. Das neue Eingangstor nach Frankreich, das auf der französischen Seite der Dreiländerbrücke nach Weil am Rhein gelegen ist, erinnert hinsichtlich seiner luftigen Architektur jetzt anders als "Rheinhattan" an den nahegelegenen Novartis Campus.

Auch die Schweiz ist fußläufig erreichbar

Und dass nicht zuletzt die Beschäftigten des Basler Pharmariesen, gleich welcher Nationalität, demnächst zu den neuen Bewohnern des heute knapp 7000 Einwohner zählenden Grenzstädtchens werden könnten, kann sich Maire Jean-Marc Deichtmann ebenfalls sehr gut vorstellen. Schließlich sei das Stadtzentrum nur 1,2 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt und entsprechend sogar fußläufig gut erreichbar.

Das Bild eines neuen Eingangstors nach Frankreich verfolgt Huningue spätestens seit der Inbetriebnahme der Dreiländerbrücke 2007, die schon jetzt jährlich rund eine Million Menschen überqueren. 2011 wurde mit der französischen Wasserstraßen-Verwaltung VNF (Voies Navigables de France), in deren Hoheitsgebiet auch die Flussuferbereiche fallen, eine Charta unterzeichnet, mit der man sich über die neue bauliche Verbindung zwischen Stadt und Fluss einigte. VNF, die jetzt weiter das Heft in der Hand hält, wurden im Mai 2015 die besagten drei Hektar Land vollständig zur Nutzung überschrieben.

Baubeschränkungen wurden fallen gelassen

Mit ins Boot mussten auch die Industrie- und Handelskammer (CCI) und die Häfen von Mulhouse (PMR) geholt werden, die ihrerseits für den Hafen von Huningue zuständig sind. Bestehende Baubeschränkungen in südlicher Richtung wurden hier fallen gelassen, das Hafeneinzugsgebiet im Gegenzug aber nach Norden hin erweitert.

Anstelle eines neuen Stadtteils mit visionär anmutender Architektur, strebt das im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. noch zur Festung ausgebaute Städtchen gleichsam eine Erweiterung seines Zentrums zum Fluss hin an.

Mit der durch die Dreiländerbrücke vor zehn Jahren eingeläuteten Öffnung über die Grenze habe das städtische Bauen einen Schub erhalten, mit der Einweihung des neuen Rheinuferradwegs im Frühjahr 2016 den nächsten, erklärt Jean-Marc Deichtmann, das wolle man jetzt weiter entwickeln. "Wir haben nicht viel Platz, wollen aber ein veritables Schaufenster werden", sagt der Maire. Entsprechend der Platzproblematik haben die nach dem im April 2016 gewonnenen Wettbewerb prämierten drei Architekturbüros sowie Landschaftsarchitekten unter dem Dach des Pariser Bauträgers Constructa ihre Bauten in die Höhe ausgerichtet. Mit dem Basler Roche-Turm streben sie indes keine Konkurrenz an. Das zuerst geplante brückennahe Haus bringt es auf zehn Etagen, die Nachbarn sind etwas höher vorgesehen.

Baubeginn steht noch nicht fest

Die Planung ist bereits vorangeschritten, wann aber die ersten Bagger anrollen werden, das steht noch nicht endgültig fest. Bisher wird in zwei Bauetappen gedacht. Die erste zwischen 2017 und 2020 soll sich direkt nördlich an die Dreiländerbrücke anschließen und 140 Wohnungen, die Ladenlokale und Büroflächen sowie das Hotel umfassen. Zwischen 2018 und 2022 ist nördlich eines kleinen Yachthafeneinschnitts der Bau der nächsten 160 Wohnungen geplant.

Bevor allerdings Phase Zwei starten kann, muss der derzeit hier noch betriebene Campingplatz weichen. Dass alle notwendigen Lösungen in der gegebenen Zeit gefunden werden, davon ist nicht nur Maire Deichtmann überzeugt. Der für einen Teil der Bauten verantwortliche Pariser Architekt Jean-Baptiste Pietri gerät ob des Gesamtprojekts jedenfalls schon ins Schwärmen. Die vielen großen Bauten, mit denen gerade dieser Teil des Dreilands brilliere, seien ihm leuchtender Ansporn.
3Land

Seit 2011 entwickelt sich das "3Land" genannte Konzept eines auf etwa 82 Hektar trinational geplanten Stadtteils zwischen Weil-Friedlingen, Huningue und Kleinhüningen. Stein des Anstoßes war die geplante Verlegung des dortigen Rheinhafens in Richtung Schiene. Den ersten stark in die Höhe strebenden "3Land"-Vorschlag mit bis zu drei neuen Brücken ersetzt inzwischen eine etwas flachere Vision.

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