Einkaufstourismus

Südbadener nutzten den Tag der Einheit zum Shoppen in Frankreich und Bummeln in Basel

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Do, 05. Oktober 2017

Saint-Louis

Zum gemütlichen Innenstadtbummel und ins Straßencafé zog es am Dienstag viele Deutsche nach Basel. Zum Fisch-, Wein- oder Kleiderkauf ging's dagegen eher nach Frankreich, während diesseits der Grenze die Läden geschlossen blieben.

SAINT-LOUIS. Zum gemütlichen Innenstadtbummel und ins Straßencafé zog es am Dienstag viele Deutsche nach Basel. Zum Fisch-, Wein- oder Kleiderkauf ging’s dagegen eher nach Frankreich, während diesseits der Grenze die Läden geschlossen blieben. Diese große Richtung ließ sich bei einer kleinen Rundfahrt durchs Dreiland ausmachen. Angesichts der Nummernschilder auf den Basler Rheinuferparkplätzen waren viele Gäste aber auch von weiter her gekommen und nutzten ein verlängertes Wochenende für den Besuch am Rheinknie.

In der Basler Freien Straße und am Barfüsserplatz macht sich der deutsche Feiertag erst auf den zweiten Blick bemerkbar. Von Gedränge kann hier wie da nicht die Rede sein und Sprachfetzen, die sich unterwegs aufschnappen lassen, sind so international vielfältig wie immer. Ein Blick durch die Schaufenster der Upperclass, etwa bei der Luxusmarke Hermès oder der alteingesessenen Basler Nobel-Boutique Trois Pommes, lässt dieselbe vornehme Leere erkennen, wie an anderen Tagen auch. Spürbar die Richtung gewechselt hat der Einkaufstourismus aber auch in günstigeren Geschäften offenbar nicht. Anders sieht es aus bei der Laufkundschaft. So meldet etwa der Straßenverkauf des Café Centro in der an die Einkaufsmeile angrenzenden Streitgasse sowohl am Montag als auch am Dienstag spürbar mehr Kunden aus Deutschland.

In Frankreich ergibt sich ein anderes Bild. Während in einigen grenznahen Supermärkten am frühen Vormittag Nummernschilder aus Deutschland noch die absolute Ausnahme sind, machen sie beim Textil-Kaufhaus Kiabi in Saint-Louis mehr als die Hälfte aus. Hier gibt es Säuglings- und Kinderkleidung sowie komplette Outfits für die übrige Familie in großer Auswahl und zu günstigen bis sehr günstigen Preisen. Ramona Spidalieri ist mit ihrer mehrere Generationen umfassenden Familie da. "Natürlich nutzen wir heute den deutschen Feiertag", so die zierliche Lörracherin, "aber wir kommen auch sonst oft hierher." Das Angebot sei einfach gut. Die Kunden kommen aus Schopfheim, aus Weil am Rhein oder Rheinfelden. Selbst Wagen mit Berliner Kennzeichen sind zu sehen. Nein, lacht eine Fahrerin, von ganz so weit her sei sie doch nicht gekommen, das Auto sei ein Dienstwagen.

Inzwischen ist es Mittag geworden, jetzt füllen sich auch die Parkplätze der Supermarktketten. Bei Leclerc in Blotzheim bewundern Kinder vom Auto aus die heute in Richtung Süden startenden Flugzeuge am Basler Euro-Airport, was sich von hier aus sehr gut beobachten lässt. Beim linden Herbstwetter dürfen sich die Eltern da beim Einkauf gerne Zeit lassen. Ja, man habe heute mehr Kunden aus Deutschland, sagt die Dame an der Kasse und verweist auf die Lage: "Natürlich, das ist wegen des Feiertags, wissen Sie, drüben ist ja alles geschlossen." Beim Supermarkt Match in Huningue fällt der Bescheid an der Infotheke ähnlich aus, man habe immer eine Menge Kunden aus Deutschland, aber an einem Tag wie diesem seien es "sehr viel mehr". Weitere Auskünfte dürfe sie aber nicht geben, so die freundliche Dame, "désolée" (tut mir sehr leid).

Drinnen fällt auf, wie viel Hochdeutsch hier heute wirklich gesprochen wird. Der freundliche Herr, der nicht namentlich genannt sein möchte, und nur verrät, dass er aus Rheinfelden kommt, wählt mit Kennerblick zwischen den Weinen aus, wechselt vom günstigeren Fitou von 2015 – heute im Angebot, zwei Flaschen zum Preis von einer – zum Margaux von 2013, da wird es schon sehr viel teurer, oder doch den Pommard? Ja, er komme öfter, wenn auch eigentlich nicht um Wein zu kaufen, sondern wegen des unschlagbaren Fischangebots. Aber wenn man dann schon einmal da ist, bleibt es selten beim Fisch. Zwei teurer gekleidete Damen aus Efringen, die ihrerseits ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, bemängeln, dass es früher günstiger gewesen wäre. Das war es aber, da haben sie Recht, lachen sie, bei uns auch.