Hüninger Spuren im Altmühltal

Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Von Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Sa, 11. August 2018

Weil am Rhein

BRIEF AUS DER PARTNERSTADT:Die Festung Hüningen findet Beachtung am Rhein – und sogar an der Donau.

WEIL AM RHEIN/HÜNINGEN. Es ist Ferienzeit, und Hüningen am Rhein leidet wie Weil unter der Hitzewelle. Die Stadt wirkt in diesen Augustwochen ziemlich verlassen, als hätte die Bevölkerung die ehemalige Festungsstadt verlassen, sozusagen kapituliert. "Auch wir packen unser Marschgepäck auf unsere Fahrräder, um andere Flussufer zu erobern", schreibt Magdalena Kaufmann-Spachtholz in ihrem neuen Brief aus Hüningen, der diesmal zunächst aus Hüningen weg führt, auf andere Art dann aber wieder zurückkehrt.

Hatten wir im letzten Jahr die Mosel mit dem Fahrrad erkundet, war uns dieses Jahr die Donau und die Altmühl zwischen Regensburg und Ulm empfohlen worden. Nach einer Woche auf den Spuren der Protestbewegung gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in der Oberpfalz und Radeln in brütender Hitze Richtung Donau, wollten wir nach Regensburg unbedingt den Donaudurchbruch am Kloster Weltenburg erleben. Aufgrund der hohen Temperaturen und des niedrigen Wasserstands war die Donauschifffahrt inzwischen ganz eingestellt. Wir mussten Kloster Weltenburg von Kelheim aus mit dem Rad über steile Klippen mit Marschgepäck bei 34 Grad im Schatten schiebend erkunden. Und dann prangte auf dem Gegenhang ein aus hellem gelben Kalkstein erbautes monumentales Gebäude aus dem Donautal empor, das mich doch sehr an das Pantheon in der Pariser Ecole Militaire erinnert, in der Napoleon I. und Vauban begraben sind. Es handelt sich bei diesem Prachtbau um die vor kurzem renovierte Freiheitshalle bei Kelheim, die König Ludwig I. als Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 in Auftrag gegeben hatte. Sie wurde von Friedrich Gärtner in Anlehnung an antike und christliche Zentralbauideen begonnen und 1863 von Leo von Klenze nach geänderten Plänen vollendet.

Im Innenraum wurden die siegreichen Rückeroberungen der Festungen während dieser Befreiungskriege der Alliierten von der napoleonischen Herrschaft aufgeführt. Und siehe da – auch Hüningen ist aufgeführt, hier am Zusammenfluss von Donau und Altmühl. Und dies erinnert mich an den 25. August 1815, den Tag, der in dem berühmten Gemälde von Edouard Détaille dargestellt ist, das sich heute im Senatsgebäude von Paris befindet. Es zeigt die Übergabe der Festung Hüningen nach der Kapitulation von General Barbanègre nach der Belagerung der Stadt durch eine übermächtige Allianz aus österreichischen, schweizerischen, sächsischen und ungarischen Truppen. Die kleine Garnisonsstadt hatte sich auch nach der Kapitulation der napoleonischen Truppen standhaft geweigert, die Festung zu aufzugeben und den alliierten Truppen große Verluste zugefügt, die aus dem ganzen Reich Kanonen und Geschütze sowie Truppen anforderten, um diese Festung Hüningen – eine ständige Bedrohung der Stadt Basel – endgültig dem Boden gleichzumachen. Militärisch ist dies nie gelungen. Die Kanonen konnten nur das schnell erbaute Abbatucci-Blockhaus zerstören. Mit den wenigen in der Festung verbliebenen Soldaten gelang es General Barbanègre aber, mit Erzherzog Ferdinand einen Waffenstillstand auszuhandeln und den Rückzug der Truppen mit militärischen Ehren zu erreichen. Das Bild von Edouard Détaille zeigt Erzherzog Ferdinand, der General Barbanègre, der nach unterschiedlichsten Angaben (einmal mit 1917 dann mit nur 50 Soldaten) einer Übermacht von 30 000 Gegnern standgehalten hatte, seine Anerkennung ausdrückt. Eine Bedingung des Waffenstillstands war, dass die Festung Hüningen danach vollständig geschleift wurde und deshalb heute nur noch wenige Reste der Vauban-Festung erhalten sind. Auf die Geschichte Hüningens trifft man also nicht nur am Rhein, sondern auch an der Donau! Und mit dem Ende der Ferienzeit wird im September wohl auch wieder das volle Leben in die ehemalige Garnisonsstadt zurückkehren. Ihre