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19. Juni 2009 17:40 Uhr
Keine Angst mehr vor der Spritze
Hypnose-Behandlung beim Zahnarzt
Angst vor dem Zahnarzt, Angst vor Spritzen – eine mögliche Antwort darauf ist eine Behandlung unter Hypnose. Durch öffentliche Behandlungen soll über die Wirksamkeit zahnärztlicher Hypnose informiert werden.
MÜLLHEIM. Seit neun Jahren meidet Monika den Zahnarzt. Sie hat schlechte Erfahrungen gemacht. Jetzt führt jedoch kein Weg mehr an einer Behandlung vorbei. Monika macht einen ängstlichen Eindruck, ihren Humor verliert sie jedoch nicht. "Bei einer früheren Behandlung hat mir ein Zahnarzt den halben Kiefer rausgerissen" erklärt sie. Wegen ihrer Angst vorm Zahnarzt hatte sie daran gedacht, sich unter Vollnarkose behandeln zu lassen, bis ihr Zahnarzt Veit Meßmer eine Hypnose nahelegte.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es klappt" sagt Monika, als sie das Behandlungszimmer der Gemeinschaftspraxis betritt. Vier Minuten dauert es, dann interessiert Monika nicht einmal mehr die Spritze, die zu örtlichen Betäubung dient. Und das, obwohl sie unter einer Spritzenphobie leidet. Die Hypnose hat gewirkt – mit Hilfe einschläfernder Hintergrundmusik, einer ruhigen Arztstimme und dem wortlosen Zusammenspiel von Arzt und Assistentin. Und mit der suggestiven Kraft einer positiven Erinnerung: "Sie betreten Ihren Garten. Wunderschöne Blumen der verschiedensten Arten blühen in ihm. Laufen Sie ihn ihm umher. Was für eine Farbe haben die Blüten?", sagt Meßmer. "Rot", antwortet Monika nach einer Weile."Rot ist eine schöne Farbe", entgegnet Meßmer. Völlig entspannt lässt Monika den Zahnarzt ein Stück Schneidezahn ausbessern. "Zwischendurch war es mal komisch, aber ich hatte gar keine Angst, ich war total entspannt" sagt Monika hinterher.
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Seit fünf Jahren bietet Veit Meßmer in seiner Praxis die zahnärztliche Hypnosebehandlung an. Damit die Behandlung mit Angstpatienten so reibungslos ablaufe, sei es wichtig, den Patienten über jeden Schritt zu informieren, sagt Meßmer – und zwar bei einem Vorabtermin. Als Hausaufgabe bekommt der Patient auf, sich eine Erinnerung zu überlegen, bei der er sich entspannen kann."Es ist ganz wichtig, dass der Patient etwas Positives in die Behandlung mitbringt", erläutert Meßmer.
Wenn sich ein Patient erst einmal auf die Behandlung eingelassen habe, brauche man später oft gar keine Hypnose mehr. "Für mich als Arzt ist diese Art der Behandlung sehr spannend, denn ich muss mich auf jeden Patienten anders einstellen und herausfinden, wie der Patient tickt", meint Meßmer.
Wichtig sei, sich nur von einem Arzt behandeln zu lassen, dem man vertraue und der die nötige Ausbildung besitze. Zwei unterschiedliche Arten von Hypnosebehandlung bietet Meßmer an: Zum einen die für Angstpatienten wie Monika. Zum anderen eine für Patienten mit allergischen Reaktionen auf Lokalanästhetika oder mangelnder Anästhesiewirkung, bei denen die Hypnose der Schmerzlinderung dient. "Für sie ist die Therapie mit zahnärztlicher Hypnose ein sanfter, aber effektiver Ausweg", so Meßmer. Etwa zehn Prozent seiner Patienten behandle er so, sagt Meßmer. "Bei allen anderen fließt der Ansatz mit ein."
Hypnose wird in der Bevölkerung zum Teil skeptisch gesehen. Dies liege vor allem an der Showhypnose, schreibt die DGZH in einer Pressemitteilung. Showhypnotiseure unterlägen keinem therapeutischen Ehrenkodex, es handle sich in den meisten Fällen wirklich nur um Show. Es gelte, sich von der gängigen Vorstellung zu verabschieden, nach der ein "mächtiger Hypnotiseur" einen willenlosen Patienten dazu bringe, jedweder Suggestion folge zu leisten, so die DGZH.
Patientin Monika jedenfalls hat mithilfe der Hypnose eine reibungslose Behandlung hinter sich gebracht und möchte so fortfahren. Sie verlässt mit einem Strahlen die Praxis.
Autor: Hafes Gerspacher
