70. Geburtstag

Ian McEwan: Aktiver Hunger auf die Welt

dpa

Von dpa

Do, 21. Juni 2018 um 11:12 Uhr

Literatur & Vorträge

Er serviert schockierende Inneneinsichten, faszinierende Fakten und unerwartete Wendungen. Nun feiert Bestsellerautor Ian McEwan seinen 70. Geburtstag.

Seine Bücher machen sich gut auf der Leinwand: Am erfolgreichsten das preisgekrönte Kriegsdrama "Abbitte" von 2001 mit Keira Knightley und James McAvoy. Im deutschen Kino startet gerade die Adaption seines Bestsellers "Am Strand". (siehe Film-Seite). Seinen Siebzigsten feiert der berühmteste zeitgenössische englische Autor mit der Kurzgeschichte "My Purple Scented Novel", die an seinem Geburtstag in Buchform erscheinen wird.

Geboren wurde McEwan 1948 in Aldershot, einem Militärstützpunkt im Südosten Englands. Sein Vater, ein schottischer Offizier, wurde nach Asien, Deutschland und Libyen versetzt; seine Babysitter seien Unteroffiziere gewesen, sagte McEwan der Zeitung The Guardian: Er sei mit den "Trümmern des Krieges" aufgewachsen. Mit elf wurde er ins Internat geschickt. Er studierte englische Literatur und kreatives Schreiben.

Seine frühen Werke waren so bitterböse und skurril, dass sie ihm den Spitznamen "Ian Macabre" einbrachten. Das änderte sich in den 80ern, als er mit seiner Uni-Liebe Penny Allen eine Familie gründete: Seine Romane setzten nun weniger auf Schock und Sensationen sondern mehr auf Familiendynamik und politische Intrigen. Hollywood klopfte an die Tür, einige Bücher wurden verfilmt, er fing an, Drehbücher zu verfassen. 1998 gewann er den Booker-Preis für "Amsterdam".

Gleichzeitig focht er mit seiner Ex-Frau einen erbitterten Rosenkrieg um die beiden Söhne aus, der bis in höchste Instanzen ging. Ihm wurde das Sorgerecht zugesprochen. Diese Erfahrungen nutzte er später für seinen Roman "Kindeswohl" (2015). Die Eltern eines an Leukämie erkrankten Jungen – streng gläubige Zeugen Jehovas – verweigern aus religiösen Gründen ihre Zustimmung zu einer lebensnotwendigen Bluttransfusion. Eine Familienrichterin, deren Mann gerade in einer dramatischen Lebenskrise steckt, muss die Entscheidung über Leben oder Tod treffen.

Zweieinhalb Jahre braucht der Autor in der Regel für Werke wie "Honig" (2013) über Sex, Spionage und Verrat oder zuletzt "Nussschale" (2016), das die Geschichte Hamlets aus der Sicht eines Embryos erzählt. Ian McEwan hofft, dass seine besten Werke noch vor ihm liegen. Sein Rezept, um geistig fit zu bleiben: Neugier. "Solange du einen aktiven Hunger auf die Welt hast, kannst du Sachen herausfinden, wenn du dich nicht an sie erinnern kannst", verriet er der Zeitschrift Esquire.