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Johannes Gutenbrunner
Registriert seit: 20.06.2012
Kommentare: 9
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14. Juli 2012 - 14:14 Uhr
Kurt Tuchoslky: Traktat über den Hund (1927!)
Der Hund ist ein von Flöhen bewohnter Organismus, der bellt (Leibniz). Dieser Definition wäre einiges hinzuzufügen.
Im Hund hat sich der bäuerische Eigentumstrieb des Menschen selbständig gemacht; der Hund ist ein monomaner Kapitalist. Er bewacht das Eigentum, das er nicht verwerten kann, um des Eigentums willen und behandelt das seines Herrn, als gäbe es daneben nichts auf der Welt. Er ist auch treu um der Treue willen, ohne viel zu fragen, wem er eigentlich die Treue hält: eine Eigenschaft, die in manchen Ländern hoch geschätzt wird. Sie ist für den Betreuten recht bequem.
[...]
Menschen, die einen Hund anbinden oder einsperren, verdienen, ihrerseits angebunden zu werden. Es ist das äußerste an Quälerei, ein jagendes, laufendes und unruhiges Tier zu fesseln und in seiner Freiheit zu beschränken. Diese Leute haben gar keinen Hund – sie haben nur ein Stückchen Hund; der Rest ist unterdrückt und rächt sich mit flammendem Gebell.
Ich habe noch nie gesehen, daß Hundebesitzer mit Erfolg ihren Hunden, wenn sie unnütz kläffen, zu schweigen befehlen. Weil jene stumpfohrig sind, hören sie das Gebelfer nicht und bürden nun andern die Plage auf.
Dafür haben Hundebesitzer den Tick, als ‚bessere Menschen‘ durchs Leben zu gehen. Sie haben erfunden, daß es ein Zeichen von Seele sei, Hunde zu lieben, ihren schmutzigen Geruch zu ertragen, ihr lästiges Geschrei mitanzuhören. Ihre Persönlichkeit kriecht in den Hund, wo sie den Kampf ums Dasein noch einmal mitkämpft: „Mein Hund läuft aber schneller als Ihrer!“ Das ist ein großer Sieg.
Etwas gegen den Hund zu sagen, heißt für viele, am Heiligsten rühren, wo der Mensch hat. Die Hundenarren sind häufig ganz erbarmungslose Menschen; Leute, die einen Kommunisten vor ihrer Tür verbluten ließen, nicht eine Mark für entlassene Gefangene geben, überhaupt nichts Gutes tun – ihren Hund lieben sie mit jener stummen Aggressivität, die das beste Zeichen eines hohlen Affekts ist. Der Hund ist ihnen nicht nur Schutz, sondern auch Selbstbetätigung.
Nie legt ein Hundebesitzer in das Tun der Menschen a priori so viel Gutes wie in den Blick seines Hundes. Wenn ihn der ansieht, zerschmilzt er vor Lyrik. Ein Bettler wird ihn vergebens so ansehen. Der sentimentalitätstriefende Blick jenes aber heischt mit Erfolg verschmiertes Mitleid.
So ist der treue Hund so recht ein Ausdruck für die menschliche Seele. Allerseits geschätzt; nur selten in der Jugend ersäuft; gehalten, weil sich der Nachbar einen hält, von feineren Herrschaften auch als Schimpfwort benutzt – so bellt er sich durchs Leben. Und ich will nicht länger murren, wenn es kaum noch einen Fleck gibt, den er nicht verunreinigt: mit Unrat, nassem Geruch und mit nimmer endendem Lärm. Seiner Gnade ist unsre Ruhe ausgeliefert.
Eine fortgeschrittene Zivilisation wird ihn als barbarisch abschaffen.
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Herbert Pommerenke
Registriert seit: 29.11.2010
Kommentare: 994
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14. Juli 2012 - 15:08 Uhr
Herr Gutenbrunner, fröhliches Weiterleben im Jahr 1927
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Johannes Gutenbrunner
Registriert seit: 20.06.2012
Kommentare: 9
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14. Juli 2012 - 15:46 Uhr
Getroffene Hunde bellen.
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Manni Fischer
Registriert seit: 29.11.2010
Kommentare: 809
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14. Juli 2012 - 16:29 Uhr
Herr Gutenbrunner, was wollen sie denn nun mit ihrem Post aussagen? Ausser der Ansicht, das sie scheinbar wirklich 1927 stehen geblieben sind, kann ich nichts daraus lesen, was zum Leserbrief passt.
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Johannes Gutenbrunner
Registriert seit: 20.06.2012
Kommentare: 9
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14. Juli 2012 - 18:22 Uhr
Der Text von Tucholsky, wenn man ihn auf den Leserbrief bezieht, zeigt eben gerade, dass sich seit 1927 NICHTS geändert hat am Verhältnis Hund und Herrchen respektive Hundehalter vs. Restbürger.
Insbesondere der Abschnitt über die selbsterklärten "besseren Menschen" deckt sich hier hervorragend.
Aber da hab ich wohl zu viel verlangt. Sorry.
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Michael Riedle
Registriert seit: 17.07.2011
Kommentare: 573
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14. Juli 2012 - 20:57 Uhr
... und was will Mann uns mit dem Copy and Paced Gehirnfurz sagen.... genau, nix, und das ist gut so....
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Theodor Heussmann
Registriert seit: 25.03.2010
Kommentare: 1788
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15. Juli 2012 - 13:02 Uhr
Wer Tucholskys Leben kennt, kann die durchgängig negative Sicht dieses Menschen verstehen. Die Liste der Dinge, welche im seinem Leben gut abliefen, passen auf einen Bierdeckel, die negativen Dinge füllen hingegen Bücher. Wer mag ihm deshalb diesen Text verübeln, welcher über jedes andere Thema ähnlich ausgesehen hätte.
Es besteht also kein Grund, sch deshalb an die Kehle zu gehen.
Th. Heussmann
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Karl Alfred Wolpert
Registriert seit: 02.03.2010
Kommentare: 1149
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15. Juli 2012 - 20:34 Uhr
Herr Heussmann,
Tucho hat die Bücherverbrennungen der Nazis überstanden und wurde nicht vergessen (ich vergleiche Sie damit NICHT mit diesen Herrschaften), da wird auch Ihre ungerechte und völlig unsachgemäße Kritik nichts ändern. Ihre Kritik an diesem großen Schriftsteller passt leider am Besten auf einen Bierdeckel, doch selbst am Stammtisch wird mit mehr Niveau diskutiert ...
Tucholsky hat mit Leidenschaft und stilsicherem Können das bessere Deutschland vertreten und sich in aller Welt einen literarischen Namen gemacht.
Sagt übrigens: ein Hundefreund.
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