"Ich führe das Tam im bisherigen Stil weiter"

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Do, 02. März 2017

Weil am Rhein

BZ-INTERVIEW: Klaus-Peter Klein setzt als neuer Pächter des Theaters am Mühlenrain auf seine Erfahrung und seine gute Vernetzung in der regionalen Kulturszene.

WEIL AM RHEIN. Klaus-Peter Klein hat das Theater am Mühlenrain (Tam) von der Stadt gepachtet. Über seine Vorstellungen als Theaterleiter und die Ziele, die er sich mit der Übernahme des traditionsreichen Hauses setzt, hat sich Ulrich Senf mit ihm unterhalten.

BZ: Erst einmal Gratulation zur neuen Aufgabe als Theaterleiter. Wie kommt es, dass Sie sich entschieden haben, das Theater zu pachten?

Klein: Meine Leidenschaft für das Theater lebe ich seit vielen Jahren. 17 Jahre lang bin ich Mitglied im Tam-Team und damit auch mit dem Haus und Erwin Sütterlin eng verbunden. Als Erwin Sütterlin vor drei Jahren nach einem Nachfolger suchte, hat mich die Aufgabe schon gereizt und wir haben ein langes Gespräch geführt. Damals war das aber für mich nicht leistbar. Als ich vor einem Jahr hörte, dass sich die Stadt für das Tam interessiert und es kaufen will, habe ich ganz zaghaft den Finger gehoben und Kontakt mit der Stadt aufgenommen. Ich bin froh, dass ich die Stadträte mit meinem Konzept für das Tam überzeugen konnte.

BZ: Was hat sich denn in diesen drei Jahren so verändert, dass Sie das Tam jetzt übernehmen?

Klein: Ich habe bis September bei einem Konzern in der Schweiz gearbeitet, der auf Generatoren für Wasserkraftwerke spezialisiert ist. Der wurde von General Electric übernommen, einem Besitzer, der dafür bekannt ist, dass er Personal einspart. Mein Vertrag wurde da nicht mehr verlängert. Dazu kommt, dass ich inzwischen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit erreicht habe. Das sind alles Faktoren, die mir die Entscheidung, mich voll und ganz auf die Leitung des Theaters am Mühlenrain zu konzentrieren, erleichtert haben. Mit der Stadt und speziell mit Kulturamtsleiter Tonio Paßlick, davon bin ich voll überzeugt, habe ich einen Superpartner.

BZ: Bekommt das Tam unter Ihnen nun einen ganz neuen Charakter?

Klein: Ich werde das Tam erst einmal im Stil von Erwin Sütterlin weiterführen. Wenn man betrachtet, was das Tam für einen guten Namen in der Region hat, dann belegt das doch schon, dass Sütterlin da nicht so viel falsch gemacht haben kann.

BZ: Was heißt das für die Programmgestaltung konkret?

Klein: Das heißt, dass es natürlich die Komödien des Tam-Teams, dem ich selbst angehöre, weiter als festen Bestandteil geben wird. Dazu kommen Gastauftritte anderer Theatergruppen wie der Brezelstädter Laienbühne. Natürlich gehört auch weiter Kabarett und speziell Musikkabarett dazu. Teil meines Konzepts ist aber auch, dass ich verstärkt selbst mit auf der Bühne stehe. Da laufen bereits zwei Projekte für Zweipersonenstücke – das eine mit Emine Akman, das andere mit Sandra Trefzer. Nicht zuletzt wollen wir die Kinder-Märchenproduktionen im Tam weiter forcieren.

"Erwin Sütterlin hat mir

viele Türen geöffnet."

BZ: Das heißt, dass die Zusammenarbeit von Emine Akman und dem Tam in der bisherigen Form weitergeht?

Klein: Ich halte diesen Bereich des Theaters sogar für sehr wichtig. Zum einen sehe ich Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen auszubauen. Die theaterpädagogischen Angebote von Frau Akman sind eine tolle Sache. Zudem setze ich darauf, über die Mitspieltheater Nachwuchs für die Schauspielerei im Tam heranzuziehen.

BZ: Die Übergabe eines Theaters ist nichts, was man von heute auf morgen macht. Ab wann wird ihre Handschrift im Programm sichtbar werden?

Klein: Ich habe das Glück, dass ich schon seit Monaten in die Organisation eingebunden bin. Erwin Sütterlin hat zuletzt bei Anfragen immer auf mich verwiesen und wir waren im Januar zusammen bei der Theaterbörse in Freiburg, wo sich Künstler mit ihren Programmen vorstellen. Schon da hat sich Sütterlin im Hintergrund gehalten und mir geholfen, Türen zu öffnen. Man kann sagen, dass ich das Programm des zweiten Quartals selbständig zusammengestellt habe. Das bietet recht gedrängt einen schönen Mix aus Komödien und Kabarett.

BZ: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen als Theaterleiter?

Klein: Zunächst geht es für mich darum, organisatorisch Tritt zu fassen. So etwas wie am Samstag, als Besucher vor verschlossenen Türen standen, weil eine Veranstaltung falsch angekündigt oder die Terminverlegung nicht richtig kommuniziert wurde, darf es nicht geben. Dann will ich mich so schnell wie möglich der künstlerischen Seite zuwenden. Große Veränderungen wird es aber in den nächsten zwei, drei Monaten nicht geben.

BZ: Heißt das, dass Sie dann auch die Regie des Tam-Teams in die Hand nehmen?
Klein: Das wissen wir noch gar nicht. Zunächst gehen wir jetzt erst einmal auf die Suche nach dem nächsten Stück und der passenden Besetzung. Zunächst bin ich mit der Leitung des Theaters voll ausgelastet. Aber man kann natürlich nie wissen, wie sich die Dinge entwickeln.

BZ: Als Pächter tragen Sie das unternehmerische Risiko. Wie weit kann sich das Tam auf ein treues Publikum verlassen? Setzen Sie auf das Stammpublikum?

Klein: Ich denke schon, dass sich das Tam in der Regio einen Namen gemacht hat und wir ein sehr treues Publikum haben. Inzwischen steigt die Zahl der Gäste, die aus Riehen oder Basel zu uns finden und unsere Aufführungen schätzen. Aber auch wenn die Komödien seit rund 15 Jahren sehr erfolgreich laufen, sind sie kein Selbstläufer. Da steckt sehr viel Arbeit dahinter und wir müssen immer schauen, dass wir das Niveau halten.

BZ: Wie weit unterstützt die Stadt das Tam?

Klein: Ich habe einen sehr guten Kontakt zu Kulturamtsleiter Paßlick und ich denke, dass sich in der Kooperation Vorteile für beide Seiten bieten. Das haben die bisherigen Gespräche bestätigt. Über alles weitere wird man noch reden müssen.

BZ: Wie groß ist denn die Konkurrenz unter den Kleinkunstbühnen in der Regio?

Klein: Das ist eher ein friedliches Nebeneinander. Ich denke, jedes Theater hat seinen Stil und sein Publikum. Vor Jahren hatte das Tam-Team zufällig dasselbe Stück auf dem Programm wie ein Basler Theater – aber das hat den Erfolg für keinen geschmälert.

BZ: Wie sieht das aus mit einem Blick nach Lörrach, wo ja immer wieder auch große Namen der Comedy und des Kabaretts im Burghof gastieren?

Klein: Das ist eine ganz andere Liga. Aber natürlich würde es mich reizen, ein-, vielleicht auch zweimal im Jahr einen ganz Großen aus der Szene nach Weil ins Tam zu holen. Das könnte eine tolle Werbung für das Theater sein. Doch bevor ich mich um so etwas kümmere, muss sich zeigen, wie es hier läuft, das hat Vorrang. So etwas steht und fällt mit der finanziellen Entwicklung des Theaters.

BZ: Wie gefällt Ihnen eigentlich der Titel Theaterdirektor?

Klein: Na ja, der Titel ist vielleicht etwas hochgegriffen für das, was ich mache. Impresario ist aber auch so ein Begriff aus dem 17., 18. Jahrhundert, der etwas staubig daherkommt. Wenn mich schon jemand fragt, dann nenne ich mich einfach Theaterleiter. Das trifft’s am besten.

Klaus-Peter Klein (62)

stellte lange sein schauspielerisches Talent als Zunftmeister der Wiler Zipfel unter Beweis. Inzwischen ist er Narrenvogt des Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) und spielt seit 17 Jahren im Tam-Team. Mit Auftritten vor Publikum hat er also Erfahrung.