Biathlon

"Ich kriege das noch hin", sagt Benedikt Doll zu seinen Problemen beim Schießen

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

So, 09. Dezember 2018 um 17:18 Uhr

Biathlon

Der 28-jährige Biathlet der Skizunft Breitnau beendet den Weltcup-Sprint von Pokljuka als Fünfter und ist trotz Problemen beim Schießen auch im Verfolger als 18. bester Deutscher

Es war keine überschwängliche Geste für die Kameras, nein, eher eine für sich selbst, dennoch gut sichtbar: Benedikt Doll (SZ Breitnau) ballte nach dem ersten Sprintrennen der neuen Weltcupsaison die Faust. In sein von Anstrengung gezeichnetes Gesicht mischte sich ein Lächeln. Es war die Leistung, die er bringen wolle, die er bringen musste nach dem Desaster-Auftakt im Einzelrennen einen Tag zuvor: Der Sprintweltmeister von 2017 hatte mit 4:21 Minuten auf den Sieger (Fourcade/Frankreich) den 58. Platz belegt – wann war er zuletzt so weit hinter der Weltspitze zurück gewesen? Der Sprint war deshalb ein Beweis-es-dir-selbst-Versuch und nach dem "etwas planlosen Schießen" im Einzelwettkampf wollte er mit mehr Struktur und Rhythmus seine Schüsse abgeben. Das gelang ihm. Er verfehlte nur eine von zehn Scheiben und mit einer letzten Vollgas-Keuler-Runde, auf der er schneller war als der Ausnahmeläufer und Sieger Johannes Thingnes Boe (Norwegen), stürmte der Schwarzwälder Biathlet auf den fünften Platz im Sprint auf der slowenischen Hochebene Pokljuka. Er war bester Deutscher und hat die WM-Qualifikation schon in der Tasche. Auf der ersten Runde habe er sich ein bisschen schwerfällig gefühlt, der Ski habe auch etwas gerieben, erzählte Doll nach dem Rennen, "die Laufzeit ist in Ordnung, aber da geht noch mehr".

Vielleicht schon im Verfolgungsrennen, das den Abschluss beim ersten Saisonweltcup in Pokljuka bildete? Als Fünfter mit 32,5 Sekunden Rückstand auf Boe nimmt Benedikt Doll das Jagdrennen auf – eine gute Ausgangsposition. In einer größeren Gruppe erreicht er den Schießstand: Gleich der erste Schuss saust am Ziel vorbei, nach dem Liegendschießen muss der Breitnauer zweimal in die Strafrunde, das sind 300-Extra-Meter. Er fällt auf den 17. Platz zurück. Beim zweiten Liegendschießen bleibt eine weitere Scheibe stehen, weil er die Null nicht bringt, fällt er weiter zurück: Platz 20. Nach dem Rennen vermutet Doll, dass "das scharfe Tempo auf den ersten beiden Runden" die mittelmäßige Ausbeute beim Liegendschießen maßgeblich beeinflusst habe. Zudem waren die Bedingungen in Pokljuka mit leichtem Schneefall und einem leichten Wind schwieriger als in den Tagen zuvor.

Benedikt Doll läuft jedoch die schnellste Zeit aller 56 Klassierten, "das ist ein bisschen ein Trost, für das heutige Verfolgungsrennen aber wertlos", sagt er. Denn anschließend bei den beiden Stehendanschlägen handelt er sich durch drei Fehlschüsse drei weitere Strafrunden ein, in Anbetracht von 900-Extra-Metern ist sein 18. Platz im Verfolger beachtlich. Erneut ist er der beste deutsche Starter, ein Beleg dafür, dass auch die anderen deutschen Biathleten so früh in der Saison noch Probleme mit der Konstanz haben. "Im Training läuft es beim Schießen gut, Wettkampf-Schießen ist halt was anderes und das lernt man nur im Wettkampf", sagt Doll nach dem Verfolgungsrennen, er ist jedoch zuversichtlich für die kommenden Aufgaben: "Ich werde mir künftig für das Schießen eine Taktik zurechtlegen. Ich kriege das noch hin."

Der nächste Biathlon-Weltcup findet von Donnerstag bis Sonntag in Hochfilzen (Österreich) statt. Die Männer tragen am Freitag einen Sprint aus, am Samstag einen Verfolger und am Sonntag folgen die Staffelwettbewerbe. Mit der Gemeinde in Tirol verbindet Doll seit 2017 etwas Spezielles: Hier feierte er seinen bisher größten Triumph mit dem Gewinn des Weltmeistertitels. Kann er in Hochfilzen erneut ein Zeichen setzen? Beim Schießen?