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13. Juni 2012

"Ich liebe Händel"

TICKET-INTERVIEW: Julia Jones dirigiert die Oper "Rinaldo" am Theater Freiburg.

  1. Schwerpunkt bei Mozart und Verdi: Julia Jones Foto: Thomas Kunz

Am Theater Freiburg erklingt Georg Friedrich Händels frühe Oper "Rinaldo" nun in einer Mischfassung der Versionen von 1711 und 1731. Die Titelpartie singt Xavier Sábata. Regie: Tom Ryser. Mit der Dirigentin Julia Jones sprach Johannes Adam über das musikalische Konzept.

Ticket: Frau Jones, unlängst haben Sie im Sinfoniekonzert mit Freiburgs Philharmonikern Händel dirigiert. Jetzt folgt "Rinaldo". Haben Sie als Britin zu diesem Komponisten eine besondere Beziehung?
Jones: Für mich ist er Engländer! Ich liebe seine Opern und Oratorien. Er schreibt toll für Stimme. Man kann seine Musik als italienisch bezeichnen, obwohl er in Deutschland und England gelebt hat.
Ticket: Haben Sie in unseren historisch informierten Zeiten denn keine Skrupel, Barockes mit einem Sinfonieorchester aufzuführen?
Jones: Überhaupt nicht! Es ist sogar die Pflicht eines Opernhauses, solch tolle Opern anzubieten. Man darf nicht sagen, das könne nur mit einem barocken Spezialensemble geschehen. Die Musiker lernen dabei sehr viel – wir alle, auch die Sänger. Gerade für junge Sänger ist diese Musik sehr geeignet. Wir können das mit dem Philharmonischen Orchester hier sehr gut machen. Wir gehen von der historisch informierten Aufführungspraxis aus. Etwa bei Artikulation und Phrasierung. Wir werden das nicht wie eine Oper von Mozart oder Verdi spielen. In Freiburg sind die Musiker sehr offen dafür. Die wollen das machen.

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Ticket: Stichwort Mozart. Bei Mozart oder Wagner kann der Dirigent die Partitur aufschlagen und loslegen. Wie ist das bei Händel?
Jones: Das sieht sehr einfach aus. Da sind vielleicht nur eine Melodie und ein Bass notiert. Es ist aber echt kompliziert. Man muss fast bei jeder Achtelnote entscheiden, ob sie lang oder kurz zu nehmen ist. Die Musiker spielen mit Barockbögen. Das war unsere gemeinsame Idee. Wahnsinn ist, dass Musiker, die gerade den ganzen Wagner’schen "Ring" gespielt haben, bereit sind, Barockbögen zu benutzen. Großer Respekt! Das ist nicht einfach.
Ticket: Worauf kommt es bei einem solchen Händel-Unternehmen musikalisch an?
Jones: Auf Sprache und Gestus der Musik. Wo die Betonungen sind, wo die Musik hingeht. Es soll lebendig klingen. Ich bin kein Barockspezialist. Ich dirigiere klassische, romantische und gelegentlich auch Neue Musik. Mich interessiert, wie man mit einem "normalen", nicht historischen Orchester an Barockmusik herangeht. Der Weg ist für mich wichtig. Wir werden das, denke ich, überzeugend hinkriegen.
Ticket: Worin besteht für Sie der Reiz des Genres Barockoper?
Jones: Man ist befreit von komplexen Rhythmen und Harmonien. Es ist was Reines.
Ticket: "Rinaldo" war Händels erste Oper für London. Damit begann 1711 die Herrschaft der italienischen Oper in England. Es war die szenisch und wohl auch musikalisch aufwändigste Opernproduktion Händels. Zeigt sich dieser Aufwand nun auch in Freiburg?
Jones: Auf der Bühne ist viel los. Das ist schon ein Spektakel. Der Orchestergraben ist weit hochgefahren. Ich möchte, dass die Musiker Teil des Abends sind. Wir haben eine Continuo-Gruppe mit Theorbe, Cello, Kontrabass, Cembalo und Fagott. Bei den Da-capo-Arien in ABA-Form können wir im B-Teil eine andere Instrumentierung nehmen. Wir arbeiten mit solchen Farben.
Ticket: Im Gegensatz zu anderen Barockopern ist ja die "Rinaldo"-Handlung logisch, nicht verworren. Wieso ist der Protagonist ein Held?
Jones: Rinaldo ist ein Held, der aus einem Krieg kommt, der noch nicht gewonnen ist. Er erobert Almirena. Eigentlich will er kein Held mehr sein. Almirena wird entführt. Die Zauberin Armida ist keine richtige Hexe, aber eine Furie. Der Regisseur muss sich entscheiden, worauf er den Fokus legt.
Ticket: In "Rinaldo" gibt es musikalisch keine durchgehende Charakterisierung der Personen. Empfinden Sie das als Mangel?
Jones: Es gibt keine Leitmotive – das stimmt. Wir spielen mit Farben, orientieren uns am Text. Rinaldo hat zwei Seiten: Manchmal singt er wie ein Soldat und virtuos, daneben hat er sein Seelenleben. Jede Figur zeigt verschiedene Emotionen.
Ticket: Die Handlung spielt original um 1100 in Jerusalem. Wird das auch in Freiburg so sein?
Jones: Nein. Es geht in dieser Oper um Krieg und Liebe. Sie ist zeitlos.

Termine: Freiburg, "Rinaldo", Theater, Großes Haus, Premiere: Sa, 16. Juni, 19.30 Uhr; weitere Aufführungen: 21., 24. und 30. Juni, 6., 13. und 18. Juli; Info: BZ-Kartenservice 0761/4968888

JULIA JONES

Geboren 1961. Studium in London. Praxis in Deutschland (Köln, Stuttgart, Ulm, Darmstadt). 1998 bis 2002 Chefdirigentin am Theater Basel. Seit 2002 freie Tätigkeit auf internationaler Ebene. 2008 bis 2011 Chefdirigentin am Teatro Nacional de São Carlos, Lissabon, und beim Orquestra Sinfónica Portuguesa.  

Autor: J. A.

Autor: jad


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