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23. Mai 2010 13:43 Uhr

"Ich scheue die Verantwortung nicht"

Ende des Jahres soll das Badeparadies in Titisee eröffnet werden. Mittlerweile wurde der Geschäftsführer für das Millionenprojekt benannt: Jochen Brugger, ein Diplom-Sportökonom aus dem Hochschwarzwald.

  1. Investor, Bauherr und Betreiber Josef Wund (rechts) mit Jochen Brugger. Der 30-jährige ist seit dem 1. Mai der Geschäftsleiter des Badeparadieses. Foto: peter stellmach

Familie verpflichtet!". Josef Wund sagt das wohlüberlegt. Denn wer ihn kennen lernt, merkt bald, dass es ihm wichtig ist zu wissen, wie die Menschen eines Landstrichs "ticken", in dem er eines seiner Großprojekte baut. Und weil er die Menschen im Hochschwarzwald schätzt für ihren festen Charakter und Einsatzwillen, auch für ihren Respekt vor Leistung, darf man den Begriff "Familie" weiter fassen als im engen Sinn.

Neben der Qualifikation und dem Werdegang schätzt er an Jochen Brugger die Herkunft. Der 30-jährige Sportökonom ist seit 1. Mai Geschäftsleiter des Badeparadieses in Titisee.
Brugger ist Löffinger, ein Kind der Region, Hochschwarzwald durch und durch.

Novembrig neblig und kalt ist der Mai an diesem Nachmittag. "Hochschwarz waldsommer", sagt Brugger, im dünnen Hemd und Sakko vor dem grauen Container stehend, der ab sofort sein Büro ist. Gerade hat er mit dem Bauleiter der Firma Wund Einzelheiten besprochen für das Richtfest am 2. Juni. Catering, Richtkranz, der Schmuck des riesigen stählernen Rohbaus.

Die Zeit drängt. Drinnen macht es eine Heizung erträglich, aber viel mehr außer Tischen, Stühlen und Schränken gibt es nicht. Doch das wird sich schnell ändern, denn jetzt hier im Provisorium und später im fertigen Bad wird es für Brugger ein Rund-um-die-Uhr-Job werden. In der Freizeit-Branche ist das so, er kennt es aus dem Europa-Park. Aber es schreckt ihn nicht, denn "man identifiziert sich ja mit der Aufgabe und muss den Erfolg vorleben".

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Der schlafende Riese will geweckt werden

Das Bad ist aus seinem Blickwinkel das Vorzeigeprojekt für den Hochschwarzwald. "Es war doch immer das Ziel, eine wetterunabhängige Attraktion zu bekommen. Jetzt bekommen wir eine wetterunabhängige Attraktion der Spitzenklasse", freut er sich – und hofft, dass sie hilft, die Region endlich ins richtige Licht zu rücken.

"Wachküssen" wäre vielleicht das richtige Wort, aber Brugger spricht nicht vom Frosch, sondern von einem schlafenden Riesen. Aus seiner Sicht weicht das Image als Wanderparadies und sonst nichts den Möglichkeiten, die für Familien und junge Leute interessanter werden: Feldberg und Radfahren sind Stichworte, jetzt das Bad als Juwel dazu.

Wohl überlegte und gut geübte Formulierungen eines Marketing-Profis, könnte man denken. Doch je länger das Gespräch dauert, desto klarer wird das Bild von einem, der aus Überzeugung spricht.

"Ein Traum für jeden, der im Marketing tätig ist"

Wie es sich beispielsweise, ergab, dass er jetzt da sitzt. Er verfolgte die Entwicklung um das Bad immer interessiert und findet es bemerkenswert, wie sich die zehn Gemeinden für das gemeinsame Vorhaben gefunden haben. Er hatte im Vorüberfahren immer einen Blick dafür, als es endlich greifbar wurde. Es sprach ihn an, "im Kopf und im Bauch". Und irgendwann setzte er sich hin und schrieb einen Brief an Wund, in dem er ihm Anerkennung und Respekt zollte und seine eigene Begeisterung nicht verschwieg.

Er ahnte nicht, dass aus dieser Kontaktaufnahme mehr werden würde. Doch bald darauf meldete sich Wund, man kam ins Gespräch, und als Wund ihn fragte, ob er sich die Aufgabe vorstellen könnte, brauchte Brugger nicht lange zu überlegen: "Das ist ein Traum für jeden, der im Marketing tätig ist." Klar, sagt er, "ich bin noch jung". Aber, fügt er gleich hinzu, "ich habe schon einiges gemacht und auch durchgemacht. Herr Wund traut es mir zu, ich traue es mir zu – ich würde es bestimmt bereuen, wenn ich die Chance nicht genommen hätte."

Vom SC Freiburg zu den Eishockey-Clubs

Brugger, Jahrgang 1979, wuchs in Löffingen auf, machte 1999 am Kreisgymnasium in Neustadt das Abitur und beim Roten Kreuz in Neustadt seinen Zivildienst, bevor er seiner Heimat erst mal den Rücken kehrte und in Bayreuth das Studium der Sportökonomie aufnahm – Betriebswirtschaft, Marketing, Veranstaltungsmanagement und dergleichen stecken da drin. Nach dem Abschluss als Diplom-Sportökonom 2005 arbeitete er ein halbes Jahr mit dem Löffinger Ex-Fußballprofi Martin Braun im Sportmarketing des SC Freiburg mit.

Dann machte er sich selbständig und kümmerte sich um die Freiburger Wölfe und die Schwenninger Wild Wings. Eishockey ist übrigens neben Tennis (er wohnt in Freiburg, spielt aber noch in Löffingen) seine große Leidenschaft: den Sieg der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz bei der Weltmeisterschaft hat er im Gefühl gehabt.

Dann, im September 2008, wechselte er in den Europa-Park und übernahm das Marketing verschiedenster Events, Online-Präsentation, Medienproduktionen (beispielsweise die SWR 3-Party), Konzert-Aquisitionen, verantwortliche Organisation von Veranstaltungen und Vertretung bei Auswärts-Großereignissen.

"Ich bin sicher, dass sich niemand darüber beschweren wird." Brugger zu den Eintrittspreisen
Im guten Kontakt mit Roland Mack, besprach er auch mit ihm seine Pläne für Titisee. Es freut ihn, dass der ihn gerne gehalten hätte, doch Mack habe dann gemerkt, wie stark der Wunsch war und ihm gut zugesprochen. Mack und Wund – für Brugger sind beide ähnliche Kaliber und Vorbilder: Der eine als Mr. Europapark, der andere als "Experte schlechthin" für Bäder der allerhöchsten Qualität, jeder von ihnen hat ein Imperium aufgebaut.

Mit Aufenthalten in Erding und Bad Wörishofen macht sich Brugger mit der speziellen Materie von Bädern dieses Zuschnitts vertraut. Gleichzeitig geht es auch an die Vorbereitung in Titisee. Die Werbung im Internet und auf Flyern muss anlaufen, wobei die Schwerpunkte Erholung und Spaß/Erlebnis unterschiedliche Zielgruppen haben und unterschiedliche Ansätze verlangen. Kontakte mit Partnern wollen geknüpft und Veranstaltungen organisiert werden, von der Disco für die Jungen bis zum gediegenen italienischen Abend für das gesetztere Publikum.

Das Team aufbauen und die ganze Organisation

Das Team muss aufgebaut werden, 150 Arbeitsplätze werden es mindestens sein, an die 200 sind nicht ausgeschlossen, Bewerbungen stapeln sich schon am Sitz der Unternehmensgruppe in Friedrichshafen. Wie am Europapark neben 3000 Stellen direkt noch 8000 Jobs in der Zulieferlinie hängen, wird auch das Badeparadies, versichert Brugger, neben den direkt Beschäftigten noch Zweige außerhalb begünstigen.

An den Schaltstellen geht es mit der Besetzung voran: die Haustechnik ist geklärt, der Mann heißt Thomas Kokoska und kommt vom Bodensee, die Vergabe des Marketings steht unmittelbar bevor. Was auf den ersten Blick wie Kleinigkeiten anmutet, ist ein Dschungel an Tüftelei und Organisation: Kassenpläne, Öffnungszeiten, Eintrittspreise ("Sie stehen noch nicht fest, aber ich bin sicher, dass sich niemand darüber beschweren wird"). Auch das Nebeneinander von Badbesuchern und Schul- und Vereinssport braucht ein Schema.

Qualität, Freundlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit

Wie groß die Aufgabe und die Verantwortung ist, wird deutlich, wenn im Container Wund erneut betont, welche Verpflichtung auf den Erfolg er für sich empfindet, wo die zehn Gemeinden ihm in einem bisher einzigartigen Modell so großes Vertrauen und so viel Geld entgegenbringen. 500 000 Besucher jährlich sind die Zielgröße, 500 000 "plus X" wäre Brugger lieber. Qualität, Freundlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit sieht er neben der reinen Attraktion als die Garanten, mit einem erfolgsorientierten Team will er die Erwartungen erfüllen. Der Trend, dass die Menschen das Schöne wieder im eigenen Land suchen, soll helfen.

"Das", sagt Brugger, "ist der besondere Reiz der Aufgabe: Auf Null aufbauen und den Erfolg schaffen und sichern". Er sieht sein Engagement langfristig und weiß, "dass ich den Kopf hinhalten muss, aber ich scheue die Verantwortung nicht".

Dass es ein großes Hallo geben wird, wenn der Hochschwarzwald erfährt, dass der Sohn des Löffinger Bürgermeisters die Chefposition im Badeparadies inne hat, ist ihm bewusst. Doch er ist überzeugt davon, dass gerade seine Herkunft im Hochschwarzwald, der Bekanntheitsgrad und seine Bindung an die Region die beste Sicherheit dafür sind, dass er sich mit voller Kraft einsetzen wird.

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Autor: Peter Stellmach